Eingeschleppte Ameisen fügen heimischen Tieren schweres Leid zu – viele sterben langsam und qualvoll. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine neue Studie von Biologen der Freien Universität Berlin, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie der University of Bristol, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde. Das berichtet t-online.
Forscher entwickeln ein neues Bewertungssystem
Für die Untersuchung entwickelten die Forscher nach eigenen Angaben das erste Bewertungsschema seiner Art: „Animal Welfare Impact Classification for Invasion Science“, kurz AWICIS. Es stufe Tierleid durch sogenannte biologische Invasionen in fünf Schweregrade ein. Als biologische Invasionen würden Prozesse gelten, bei denen Tier-, Pilz- oder Pflanzenarten durch globalen Handel, Reisen oder den Klimawandel in Regionen gelangen, in denen sie bisher nicht heimisch waren.
In der Region fehlen oft Fressfeinde
Dort breiten sie sich laut den Forschern oft schnell aus, weil natürliche Fressfeinde fehlen. Bewertet werde die körperliche und mentale Verfassung betroffener Tiere – anhand von Gewicht, Stoffwechsel, Nervenreaktionen und Verhaltensveränderungen. Erste Auswertungen auf Basis veröffentlichter Datensätze zeigen: Invasive Ameisenarten richten den größten Schaden an.
Unter der Argentinischen Ameise und der Roten Feuerameise würden heimische Vögel, Reptilien wie Jungschildkröten und Eidechsen sowie Krustentiere wie Landkrabben leiden. Aggressive und giftige Stiche verursachen laut der Studie Verletzungen. Betroffene Tiere schlafen weniger und putzen sich zwanghaft.

Einschleppen schädlicher Arten soll verhindert werden
Invasive Vogelarten würden zudem heimische Tiere fressen oder sie beim Fressen verdrängen – vorwiegend Wat- und Seevögel sowie Inselarten sind betroffen. Der von ihnen verursachte Schaden bleibe aber deutlich geringer als der durch Ameisen.
Der Studienautor Thomas Evans von der Freien Universität Berlin fordert, die Folgen biologischer Invasionen künftig systematisch in Feldstudien zu erfassen – besonders in bislang wenig untersuchten Regionen. Zudem sollten Maßnahmen entwickelt werden, um das Einschleppen schädlicher Ameisenarten zu verhindern.
Studie beschreibt besonders schwere Fälle
Einen blinden Fleck benennen die Forschenden selbst: Veröffentlichte Studien beschreiben überwiegend besonders schwere Fälle. Weniger dramatische Folgen für Tiere sind deshalb wahrscheinlich untererfasst.
Die Studie erschien am 5. Mai 2026 in Nature Communications. Das Forschungsteam von Freier Universität Berlin, IGB und University of Bristol betont, dass biologische Invasionen zwar seit Jahren vor allem unter dem Aspekt des Artenschutzes untersucht werden, die direkten Folgen für das Wohl einzelner Tiere aber bisher deutlich weniger Beachtung fanden.




