Einzelhandel

Parfümerie-Riese aus Ostdeutschland ist pleite: Insolvenz trifft 13 Standorte

Die Parfümerie-Kette Thiemann hat Insolvenz angemeldet. 13 Filialen in Ostdeutschland werden geprüft, mehr als 60 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft.

Author - Mariella Mandurino
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Die ostdeutsche Parfümerie-Kette Thiemann ist pleite.
Die ostdeutsche Parfümerie-Kette Thiemann ist pleite.Steffen Unger/Imago

Für viele Kunden gehört der Besuch dort seit Jahrzehnten zum Alltag. Ein neuer Duft für den Sommer oder ein Geschenk für besondere Anlässe. Doch jetzt bangen mehr als 60 Mitarbeiter um ihre Zukunft: Die ostdeutsche Parfümerie-Kette Thiemann hat Insolvenz angemeldet.

Corona-Pandemie hatte Auswirkung auf die Insolvenz

Noch heißt es auf der Website des Familienunternehmens: „Du bist gestresst vom Alltag und hast den Wunsch nach Entspannung und Wohlfühlmomenten – dann bist du bei genuss-daheim genau richtig. Lass die Welt doch einfach mal draußen, nimm dir Zeit für dich und gönn dir mal wieder etwas.“

Doch die Insolvenz Nachricht trifft den Einzelhandel in Ostdeutschland. Das Unternehmen Thiemann wurde 1990 in Bautzen gegründet und bezeichnet sich selbst als größte inhabergeführte Parfümeriekette Ostdeutschlands. Insgesamt betreibt die Firma 13 Filialen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie einen eigenen Online-Shop.

Zu den Standorten gehören unter anderem Freiberg, Pirna, Freital, Leipzig, Dresden, Halle, Cottbus Bautzen und Görlitz. Für viele Kunden sind die Geschäfte seit Jahren feste Anlaufstellen in den Innenstädten und Einkaufszentren. Doch hinter den Kulissen kämpft das Familienunternehmen schon länger ums Überleben.

Das Unternehmen Thiemann kämpft ums Überleben.
Das Unternehmen Thiemann kämpft ums Überleben.Steffen Unger/Imago

Als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage soll die Corona-Pandemie gewesen sein. Während der Lockdowns brachen die Umsätze teilweise drastisch ein. Die laufenden Kosten verschwanden jedoch nicht.

Ostdeutscher Einzelhandel ist zurückhaltender geworden

Mieten mussten weiter gezahlt werden, Gehälter liefen weiter und die Geschäfte blieben dennoch oft leer. Um diese schwierige Zeit zu überstehen, nahm das Unternehmen nach eigenen Angaben erhebliche Kredite auf. Die Folgen dieser Belastungen seien bis heute spürbar.

Allerdings räumt Thiemann auch ein, dass die Probleme nicht ausschließlich auf Corona zurückzuführen sind. Schuldenfrei sei das Unternehmen bereits vor der Pandemie nicht gewesen.

Die Parfümerien sind in Einkaufcentren und Innenstädten zu finden.
Die Parfümerien sind in Einkaufcentren und Innenstädten zu finden.Steffen Unger/Imago

Die Menschen kaufen zurückhaltender ein. Gleichzeitig steigen vielerorts die Kosten. Auf der Unternehmenshomepage beschreibt Thiemann die Lage so: „Frequenzen gingen zurück, Leerstände nahmen zu, Kosten und Mieten stiegen weiter.“

Parfümerie Thiemann will so viele Filialen wie möglich retten

Vor allem in Einkaufszentren habe sich die Situation verschärft. Viele Center erreichen nach den Corona-Jahren nicht mehr die Besucherzahlen von früher. Besonders bitter: Noch ist völlig offen, welche Standorte langfristig bestehen bleiben können. „Zum jetzigen Zeitpunkt werden alle Standorte geprüft. Dabei geht es darum, welche Filialen langfristig wirtschaftlich tragfähig sind“, erklärt das Unternehmen.

„Unser Ziel ist es, so viel wie möglich zu erhalten, aber nur dort, wo es auch wirtschaftlich verantwortbar ist.“ Konkrete Entscheidungen über die ostdeutsche Parfümerie-Kette und mögliche Schließungen sollen erst bekanntgegeben werden, wenn sie endgültig feststehen.

Die Betreiberfamilie betont ausdrücklich, dass es nicht um eine komplette Aufgabe des Unternehmens gehe. Vielmehr soll die Insolvenz genutzt werden, um den Betrieb neu aufzustellen und langfristig zu retten. Deshalb richtet das Unternehmen einen ungewöhnlichen Appell an seine Kunden. „Wir bitten in dieser Phase nicht um Mitleid. Wir bitten um Vertrauen.“

Sind Sie von möglichen Schließungen der Thiemann-Filialen betroffen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com