Mieten nicht gezahlt

Galeria Kaufhof 2026: Droht jetzt die vierte Insolvenz? Die Krise spitzt sich dramatisch zu

12.000  Arbeitsplätze sind in Gefahr, wenn der Kaufhaus-Riese Galeria auf die vierte Insolvenz zuwankt.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Auch die Galeria Filiale am Berliner Alexanderplatz steht auf der Kippe.
Auch die Galeria Filiale am Berliner Alexanderplatz steht auf der Kippe.Imago

Wieder bebt der Warenhaus‑Riese. Galeria Kaufhof steckt erneut tief in der Krise, und diesmal könnte es richtig ernst werden. Ausgebliebene Mietzahlungen, eine katastrophale Bonitätsnote, drohende Filialschließungen – das Szenario erinnert fatal an die letzten drei Insolvenzen. Für die rund 12.000 Beschäftigten steht wieder alles auf dem Spiel.

Mieten nicht gezahlt – Vermieter schlagen Alarm

Was im März noch wie eine normale Neuverhandlung von Mietverträgen klang, entpuppt sich jetzt als Krisensignal. Laut Immobilien Zeitung sind bei mehreren Vermietern die April‑Mieten nicht eingegangen.

Betroffen ist auch der prominente Kaufhof am Alexanderplatz in Berlin. Die Commerz Real bestätigt: Kontaktversuche laufen ins Leere. In anderen Fällen soll Galeria sogar um Stundung gebeten haben.

Ein Vorgang, der in der Branche sofort die Alarmglocken schrillen lässt. Denn wer seine Miete nicht zahlt, hat ein Problem – und zwar ein großes.

Bonitätswarnung: Creditreform rät von Krediten ab

Noch düsterer wird das Bild beim Blick auf die Zahlen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform stuft Galeria als hoch riskant ein. Der Bonitätsindex liegt bei 500 – nur 100 Punkte vom schlechtesten Wert entfernt. Für ein Unternehmen, das dringend Investitionen braucht, ist das ein verheerendes Signal.

Handelsexperte Johannes Berentzen sieht zwar Fortschritte seit der letzten Insolvenz – niedrigere Mieten, neue Partnerschaften, lokale Sortimente. Doch er warnt: „Ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren.“ Ein Satz, der wie ein Urteil klingt. Seine Einschätzung: Eine vierte Insolvenz ist realistisch.

Die Kaufhof Filiale im Ring Center wurde geschlossen, heute hat der Discounter Woolworth übernommen.
Die Kaufhof Filiale im Ring Center wurde geschlossen, heute hat der Discounter Woolworth übernommen.Schoening

ver.di schlägt Alarm: „Beschäftigte dürfen nicht wieder zahlen“

Die Gewerkschaft ver.di reagiert wütend und frustriert. Seit über zehn Jahren kämpfen die Beschäftigten von Karstadt und Kaufhof um ihre Jobs, ihre Löhne, ihre Zukunft. Und immer wieder mussten sie verzichten – während Managementfehler und Immobiliengeschäfte den Konzern ausbluten ließen.

Silke Zimmer vom ver.di‑Bundesvorstand bringt es auf den Punkt: „Es ist seit Jahren ein unerträgliches Ping‑Pong‑Spiel. Galeria verkauft Immobilien, mietet sie teuer zurück, klagt über hohe Kosten – und am Ende sollen die Beschäftigten die Zeche zahlen.“

Die Gewerkschaft fordert endlich Transparenz: Welche Mieten fließen wohin? Welche Investitionen wurden versprochen – und welche tatsächlich getätigt?

Ein Konzern im Dauerkrisenmodus

Seit der Fusion von Karstadt und Kaufhof taumelt Galeria von Sanierungsrunde zu Sanierungsrunde. Dutzende Filialen wurden geschlossen, Tausende Jobs gestrichen. Allein 2024 verschwanden neun weitere Häuser. Heute bleiben noch rund 83 Filialen übrig – ein Schatten des einstigen Warenhausnetzes.

Der Eigentümerwechsel 2024 zu NRDC und Unternehmer Bernd Beetz weckte Hoffnung. Doch ver.di sieht diese inzwischen enttäuscht: „Passiert ist offenbar nichts. Stattdessen wurden Standorte vernachlässigt und runtergewirtschaftet.“

Löhne bis zu 30 Prozent unter Tarif

Parallel zur wirtschaftlichen Krise brodelt der Konflikt um die Arbeitsbedingungen. Viele Beschäftigte verdienen bis zu 30 Prozent weniger als im Einzelhandel üblich. Für ver.di ist klar: Ein Zukunftskonzept, das auf Lohndumping basiert, ist keins.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Galeria verhandelt derzeit über die Zukunft von Filialen in Berlin, München, Köln, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Offiziell heißt es, man kämpfe „für den Erhalt unserer Standorte“. Gleichzeitig laufen bereits Gespräche über Sozialpläne – ein untrügliches Zeichen, dass Schließungen vorbereitet werden.

Für die Innenstädte wäre ein weiterer Kahlschlag fatal. Für die Beschäftigten wäre es der nächste Schlag in einer endlosen Krise. Und für den Konzern selbst könnte es der Punkt sein, an dem die Frage nicht mehr lautet ob, sondern wann die nächste Insolvenz kommt.

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