Das Aus droht

Galeria in Nöten: Konzern hat Miete für Kaufhaus am Alexanderplatz nicht gezahlt

Nach ausbleibenden Mietzahlungen und gescheiterten Kontaktversuchen erwägt der Vermieter alternative Pläne für die zentrale Immobilie in Berlin.

Author - Sebastian Krause
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Galeria hat an einigen Standorten wohl nicht die Miete für April bezahlt, darunter auch für die Filiale am Alexanderplatz.
Galeria hat an einigen Standorten wohl nicht die Miete für April bezahlt, darunter auch für die Filiale am Alexanderplatz.Sebastian Gollnow/dpa

Bei den Vermietern von Galeria schrillen die Alarmglocken. Die Warenhauskette hat an mehreren Standorten die Miete für April nicht gezahlt. Das berichtet die „Immobilien Zeitung“. Laut dem Bericht haben einige Vermieter zudem Stundungsanfragen von Galeria erhalten.

Galeria-Fall am Alexanderplatz ist besonders brisant

Besonders brisant ist der Fall in Berlin-Mitte. Zum Kreis der betroffenen Immobilien gehört das Galeria-Haus am Alexanderplatz, das der Commerz Real gehört.

Unternehmen: „Es ist niemand erreichbar“

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Aprilmiete bislang ausgeblieben sei. „Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, so dass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht“, sagte er.

Sollte die Miete weiter ausbleiben, werde man nach einem anderen Mieter suchen. Interesse von namhaften Einzelhändlern gebe es bereits, so der Sprecher. Gleichzeitig versuche Commerz Real, mit Galeria ins Gespräch zu kommen.

Erst vor Kurzem sind die Verträge für den Standort verlängert und angepasst worden.
Erst vor Kurzem sind die Verträge für den Standort verlängert und angepasst worden.Peter Meißner/imago

Erst vor Kurzem Einigung bis Ende März 2027

Erst im Februar hätten beide Seiten eine Verlängerung der Nutzungsvereinbarung bis Ende März 2027 vereinbart, in der auch die Mietkonditionen geregelt seien. Ein weiterer Vermieter bestätigte der dpa ebenfalls, dass die Aprilmiete bislang nicht vollständig und pünktlich eingegangen sei.

Galeria selbst äußerte sich auf Nachfrage nicht: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zu internen Vertragsdetails sowie zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen nicht kommentieren.“

Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, so dass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht.

Sprecher, Commerz Real

An diesen Standorten will Galeria Filialen schließen

Das Ganze trifft den Konzern in einer ohnehin heiklen Phase: Bereits im März war bekannt geworden, dass bei Galeria neue Filialschließungen drohen könnten. Der Einzelhändler teilte mit, die Mietverträge von acht Standorten neu verhandeln zu wollen. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen.“

Betroffen sind Filialen in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg.

Als Grund nannte Galeria die angespannte Lage im innerstädtischen Einzelhandel. Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland und beschäftigt rund 12.000 Menschen.

Konzert steckt seit Jahren in der Krise

Anfang 2024 hatte die Kette erneut Insolvenz angemeldet, unter anderem wegen der finanziellen Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa und hoher Mietkosten. Im Sommer 2024 wurden neun Häuser geschlossen. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz.

Hinter den Kulissen ist der Druck offenbar enorm. In Berichten heißt es, mehrere Vermieter hätten nicht nur über ausbleibende Zahlungen geklagt, sondern auch über Bitten um Aufschub, teils mit dem Hinweis auf Liquiditätsengpässe. Ein Vermieter wird mit der Aussage zitiert, Galeria habe eine zinslose Verschiebung von Mieten bis 2027 ins Spiel gebracht.

Es gibt schon Pläne für eine Nachnutzung

Ausgerechnet der Standort Alexanderplatz ist zum Symbol für den Fall geworden. Dort geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Zukunft des riesigen Gebäudes. In der Branche wird seit Monaten über alternative Nutzungen und neue Ankermieter diskutiert – bis hin zu Überlegungen rund um eine Mischnutzung und die mögliche Ansiedlung der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB).

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com