Stillstand

Berlin, Mekka der Schrottkarren: Jährlich vergammeln 33 000 Autos auf der Straße

Das Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben ist dafür zuständig, die Wracks zügig einzusammeln und zu verwerten.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Eines von tausenden Autowracks steht an einer Straße in Berlin.
Eines von tausenden Autowracks steht an einer Straße in Berlin.Paul Zinken

Immer wieder tauchen sie im Straßenbild auf, stranden an den Bürgersteigen: Autos, die beim besten Willen nicht mehr bewegt werden können. Wracks, deren Halter sich irgendwann leise aus dem Staub gemacht haben. Im Lichtenberger Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben laufen die Beschwerden über Schrottautos in Berlin zusammen.

Mamutprojekt Wracks einsammeln

Amtsleiter Steffen Krefft und seine Mitarbeiter kümmern sich dann darum, dass die Autowarcks von Berlins Straßen wieder verschwinden. Ein Mamutprojekt.

Allein in diesem noch jungen Jahr wurde die Behörde schon knapp 600 Mal von Berlinern auf Wracks am Straßenrand aufmerksam gemacht. 2025 gingen insgesamt 1.876 Aufträge ein, die die Beseitigung von abgestellten Fahrzeugen forderten.

Berlin, Hauptstadt der Schrottkarren

„Die Zahl der abgestellten Wracks ist in den vergangenen Jahren gestiegen und verharrt mittlerweile auf einem relativ hohen Niveau“, heißt es von der zuständigen Lichtenberger Ordnungsstadträtin Filiz Keküllüoğlu. In Zahlen bedeutet das Folgendes:

Im Jahr 2024 wurden  30.410 irregulär abgestellte Fahrzeuge in Berlin registriert, ein Jahr später  33.746. Im laufenden Jahr sind es  Ende März schon schon  8.171 gewesen.

Was passiert mit den Schrottautos

Ein Teil der Autos landet dann in der Schrottpresse: 2023 waren es etwa 1641 Autos, die sich nicht weiter verwerten ließen. Autos, die noch verwertbar sind, werden über die Plattform Zoll-Auktion öffentlich versteigert.

Welche Strafen erwartet Besitzer

Wie oft Besitzer der Schrottkarren am Ende ausfindig gemacht werden können, dazu werden keine gesonderten Zahlen erhoben, heißt es vom Ordnungsamt.

Wenn man ihrer aber habhaft wird, erwartet sie eine teils empfindliche  Strafe. „Bei diesen Verstößen handelt es sich i.d.R. um Ordnungswidrigkeiten. Bei Abfallfahrzeugen wird zudem geprüft, ob eine Straftat wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen vorliegt“, so die Stadträtin.

Das Prozedere entspricht den gesetzlichen Vorgaben des § 14 Abs. 2-4 BerlStrG: Das Berliner Straßengesetz regelt das Abstellen nicht zugelassener Fahrzeuge. Demnach dürfen Fahrzeuge ohne gültige amtliche Kennzeichen, Versicherungskennzeichen oder Versicherungsplaketten nicht auf öffentlichen Straßen abgestellt werden.

Was bedeutet der gelbe Aufkleber am Auto

Wer dagegen verstößt, muss den rechtswidrigen Zustand unverzüglich beseitigen. Die Behörde fordert dazu auf, indem sie einen gelben Aufkleber am Fahrzeug anbringt.

Dann muss der Halter unverzüglich handeln. Tut er das nicht, darf die Behörde das Fahrzeug auf Kosten des Halters/Eigentümers entfernen lassen, wenn dieser einer sichtbar angebrachten Aufforderung nicht nachkommt.

Die Beseitigung kann teuer werden, eine Verwaltungsgebühr von 55 Euro ist keine Seltenheit. Auch die Abschleppkosten von 150 bis 300 Euro muss der Halter zahlen.

Ein „roter Punkt“ auf dem Auto ist eine letzte Aufforderung vor der Verschrottung innerhalb eines Monats.

Darf das Amt ein Auto-Wrack einfach entfernen?

Die Behörden dürfen entfernte Fahrzeuge oder Gegenstände verwerten oder entsorgen, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: Der Eigentümer oder Halter ist innerhalb angemessener Frist nicht ermittelbar, oder er kommt Zahlungspflichten innerhalb von zwei Monaten nach Aufforderung nicht nach.

Ein Unfallwagen steht tagelang an der Karl-Liebknecht Ecke Torstraße und wird zur Müllhalde.
Ein Unfallwagen steht tagelang an der Karl-Liebknecht Ecke Torstraße und wird zur Müllhalde.camcop media / Andreas Klug

Warum lassen Halter ihre Autos einfach stehen?

Über die Gründe, warum Halter ihre Schrottkarren aufgeben und stehen lassen, lässt sich nur spekulieren. „Diese Frage können letztlich nur die Tatverantwortlichen beantworten. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass in der Mehrzahl der Fälle finanzielle Gründe/Erwägungen dabei eine Rolle spielen“, so die Ordnungsstadträtin.

Immerhin: 2025 wurden Einnahmen an Bußgeldern in Höhe von 1.843.522,20 Euro erzielt. Die Kosten für die Arbeit im Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben sind damit aber nicht gedeckt.

Dessen Leiter aber kann eben dem alltägliche Schrottwahnsinn auch über besonders skurrile Fälle berichten. Steffen Krefft erinnerte sich in einem Zeitunginterview 2024: „Wir hatten ein Wohnmobil, das kurz zuvor in Bayern gekauft worden war. Auf dem Tacho waren nur exakt die Kilometer bis Berlin. Der Halter hat es abgestellt und verschwand. In der Auktion brachte das Wohnmobil 50.000 Euro.“

Tragisch war hingegen die Geschichte um einen Geländewagen, der abgeschleppt und auf dem Parkplatz der Behörde zwischengelagert wurde. „Die Scheiben waren dunkel abgeklebt, die Türen mit Seilen verschlossen“, so Krefft.

Als der Wagen Wochen später vor der Versteigerung geöffnet wurde, entdeckte man den Besitzer tot auf dem Rücksitz. „Seine Frau hatte sich von ihm getrennt, er lebte in dem Wagen, hatte Drogen genommen.“

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