Bier-Krise

Sächsische Bier-Brauerei aus Dresden meldet Insolvenz an

Pandemie-Folgen, steigende Kosten und hohe Investitionen machen der Dresdner Uni-Brauerei Lohrmanns zu schaffen. Sie will aber in Eigenverwaltung weitermachen.

Author - Stefan Henseke
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Trotz Insolvenzanmeldung geht der Bierverkauf der sächsischen Brauerei Lohrmanns aus Dresden weiter.
Trotz Insolvenzanmeldung geht der Bierverkauf der sächsischen Brauerei Lohrmanns aus Dresden weiter.Lohrmanns Brauerei

Deutschlands Brauereien haben mit einer Insolvenzwelle zu kämpfen. Die Deutschen trinken immer weniger Bier – doch die Inflation treibt die Preise hoch. Die Mauritius-Brauerei aus Zwickau meldete im März nach 167 Jahren Insolvenz an, die Landgang-Brauerei aus Hamburg stellte im gleichen Monat einen Insolvenzantrag. Jetzt hat es eine weitere Brauerei aus Sachsen erwischt.

Lohrmanns Brauerei: Am Amtsgericht Dresden wurde das Insolvenzverfahren eröffnet

Diesmal trifft es eine Brauerei, die eigentlich als Vorzeigeprojekt galt. Die Dresdner Uni-Brauerei Lohrmanns, 2019 als innovatives TU‑Start‑up gestartet, hat Mitte April Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, wie jetzt bekannt wurde.

Der Betrieb läuft zwar weiter – doch die Finanzen sind in Schieflage. In einer Mitteilung heißt es: „Kern der Sanierung ist es, die Kostenstruktur gezielt an die Ertragslage anzupassen und den Betrieb operativ zu stabilisieren. In einem nächsten Schritt soll die finanzielle Entschuldung über einen Insolvenzplan erfolgen und das Verfahren abschließen.“

Noch vor wenigen Monaten hatte Geschäftsführer Francisco Arroyo‑Escobar (58), ein gebürtiger Spanier, Zuversicht verbreitet, sprach von Wachstum und neuen Plänen. Jetzt die dramatische Kehrtwende: Am Amtsgericht Dresden wurde das Verfahren eröffnet, Rechtsanwalt Dr. Jörg Schädlich ist als vorläufiger Sachwalter eingesetzt.

Die Gründe lesen sich wie eine Liste der Krisenjahre: hohe Investitionen in Brauanlage und Gastronomie, Bauverzögerungen, Pandemie-Folgen, steigende Kosten. Dazu strukturelle Belastungen, die das junge Unternehmen immer stärker unter Druck setzten. Am Ende war die finanzielle Last zu groß.

Brauerei und Gastronomie bleiben geöffnet

Trotzdem betont Lohrmanns: „Der Betrieb läuft weiter.“ Brauerei und Gastronomie (u. a. auf der Brühlschen Terrasse) bleiben geöffnet, Veranstaltungen finden statt, die Löhne der Mitarbeiter seien gesichert.

Hinter den Kulissen arbeitet das Team an einem Fortführungsplan, der die Kostenstruktur verschlanken und das Unternehmen langfristig stabilisieren soll. Ziel ist eine Entschuldung über einen Insolvenzplan – ein Neustart statt eines Endes.

Ein Tasting-Set von Lormanns: Die Brauerei aus Dresden will auch alle geplanten Veranstaltungen durchführen.
Ein Tasting-Set von Lormanns: Die Brauerei aus Dresden will auch alle geplanten Veranstaltungen durchführen.Lohrmanns Brauerei

Die Brauerei, die als erste Universitätsbrauerei Deutschlands gilt, will parallel sogar weiter investieren: Neue alkoholfreie Sorten sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. „Wir glauben fest an das Potenzial von Lohrmanns. Diese Sanierung ist für uns die Chance, das Unternehmen klarer, effizienter und zukunftsfähig aufzustellen“, so Thomas Henle, einer der Gründer.

Doch wie es für die Beschäftigten und den Standort am Kraftwerk Mitte wirklich weitergeht, bleibt offen. Die Brauerei selbst spricht von „Bewegung“ und einem „strukturierten Sanierungsprozess“.

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