Gibt es die Rettung?

DDR-Traditionsmarke in Gefahr: Zwickauer Brauerei vor dem Aus

Die mehr als 160 Jahre alte Zwickauer Mauritius Brauerei hat Insolvenz angemeldet. Ein Deal könnte die Rettung bringen.

Author - Sebastian Krause
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Die traditionsreiche Mauritius Brauerei aus Zwickau hat Insolvenz angemeldet.
Die traditionsreiche Mauritius Brauerei aus Zwickau hat Insolvenz angemeldet.Bodo Schackow/dpa

Einer Traditionsmarke droht das Aus: Die Zwickauer Mauritius Brauerei hat Insolvenz angemeldet. Ein entsprechender Antrag des Unternehmens ist beim Chemnitzer Amtsgericht eingegangen, wie das Gericht der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die Chemnitzer „Freie Presse“ berichtet.

Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum belasten

Das Unternehmen ist in Schieflage geraten – hohe Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum machen ihm zu schaffen. Doch kann die Kooperation mit einer Supermarktkette jetzt noch die Wende bringen?

Marke ist vor allem in Ostdeutschland bekannt

Vor allem in Ostdeutschland sind die Flaschenbiere der Privatbrauerei aus Zwickau bekannt. Von Mauritius Pilsner bis Dunkel Bock stehen die Sorten in den Supermarkt-Regalen. Sogar ein Trabi-Bier deluxe in der Dose gibt es zu kaufen.

Dennoch müssen die Löhne für die 51 Mitarbeiter bis Mai durch die Agentur für Arbeit gezahlt werden. Den Brauern in Sachsen ist das Geld ausgegangen – es folgte die Insolvenz.

Zu den Produkten der Mauritius Brauerei in Zwickau gehört auch Sachsengold.
Zu den Produkten der Mauritius Brauerei in Zwickau gehört auch Sachsengold.Manfred Segerer/imago

Girbig soll Aus der DDR-Traditionsmarke verhindern

Zum Insolvenzverwalter wurde der Fachanwalt für Insolvenzrecht Henry Girbig von der Kanzlei Tiefenbacher aus Chemnitz bestellt, teilte das Gericht mit. Er soll versuchen, die Traditionsmarke vor dem Aus zu bewahren.

Das Gericht gab der Brauerei das Aktenzeichen 321 IN 485/26 und teilt mit, dass „Verfügungen des Schuldners über Gegenstände der Insolvenzmasse nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam sind“. Girbig sagte über die Zukunftschancen der Brauerei zur „B.Z.“: „Ich bin guter Hoffnung, das Unternehmen retten zu können.“

Der Geschäftsbetrieb wird trotz des eingeleiteten Verfahrens mit 51 Arbeitnehmern uneingeschränkt fortgeführt. Die Brauerei verfügt über einen gesunden Unternehmenskern, es gibt keine Außenstände bei der Steuer oder Sozialversicherungen.

Henry Girbig, Insolvenzverwalter

Kooperation mit Rewe-Ost-Märkten

Erst 2025 hatte Mauritius in Kooperation mit einem Supermarktriesen ein neues Bier in Ostdeutschland in den Handel gebracht – die junge Eigenmarke „Kosmonaut“. Ein süffiges, helles Feierabendbier, heißt es in der Werbung. Es ist in den Rewe-Ost-Märkten in Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erhältlich.

Laut „B.Z.“ könnte der langfristige Vertrag das Überleben der Brauerei sichern. Der vorläufige Insolvenzverwalter: „Der Geschäftsbetrieb wird trotz des eingeleiteten Verfahrens mit 51 Arbeitnehmern uneingeschränkt fortgeführt. Die Brauerei verfügt über einen gesunden Unternehmenskern, es gibt keine Außenstände bei der Steuer oder Sozialversicherungen.“

Preiserhöhungen im Handel durchgedrückt

Nach „B.Z.“-Informationen leidet Mauritius vor allem unter teuren Langfristverträgen, bei denen Rohstoffe zu überteuerten Preisen eingekauft werden.

Zudem macht der sinkende Bierabsatz den Zwickauern zu schaffen. Zuletzt konnten jedoch Preiserhöhungen im Handel durchgedrückt werden – das könnte das Ende noch verhindern.

Die Mauritius Brauerei in Zwickau ist 1859 gegründet worden. Nun könnte dem Traditionsunternehmen das Aus drohen.
Die Mauritius Brauerei in Zwickau ist 1859 gegründet worden. Nun könnte dem Traditionsunternehmen das Aus drohen.Bodo Schackow/dpa

Mauritius Brauerei ist mehr als 160 Jahre alt

Die nach eigenen Angaben mehr als 160 Jahre alte Zwickauer Mauritius Brauerei war 2018 von der Stuttgarter Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG und dem geschäftsführenden Gesellschafter Jörg Dierig übernommen worden. Dierig war zuvor Geschäftsführer der Oettinger Brauerei.

In Sachsen ist der Absatz von Bier nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zuletzt stärker geschrumpft als im Bundesdurchschnitt. Im vergangenen Jahr sind insgesamt rund 620 Millionen Liter im Freistaat abgesetzt worden. Das entspricht einem Rückgang um etwa 6,9 Prozent.

Bierabsatz schrumpft seit Jahren

Bundesweit ist der Biermarkt im selben Zeitraum um sechs Prozent geschrumpft – so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, sprach von einer dramatischen Lage. Mindestlohn, Energiekosten und Bürokratie seien zusätzliche Belastungen für die Brauereibranche.

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