Ost-Traditionsfirma

DDR-Kultmarke vor dem Aus: Halberstädter Würstchen stoppt Produktion

Die Ost-Traditionsfirma hat erneut Insolvenz beantragt, 150 Mitarbeiter zittern um ihre Jobs.

Author - Stefan Doerr
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Halberstädter Würstchen waren in der DDR Bückware.
Halberstädter Würstchen waren in der DDR Bückware.Michael Westermann/Imago

Die Krise bei den berühmten Halberstädter Würstchen spitzt sich dramatisch zu: Die Halberstädter Konserven GmbH hat erneut Insolvenz beantragt. Offenbar bekamen die 150 Beschäftigten bereits im Mai keinen Lohn mehr.

Gericht ordnete Insolvenzverwaltung an

Das Amtsgericht Magdeburg ordnete bereits am 2. Juni eine vorläufige Insolvenzverwaltung an. Für den 140 Jahre alten Traditionsbetrieb bedeutet das: Wichtige Entscheidungen stehen nun unter Kontrolle von außen.

Besonders bitter ist die Lage für die rund 150 Beschäftigten. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) steht die Produktion seit dieser Woche komplett still. Das Gehalt für Mai wurde nicht ausgezahlt.

Die Zukunft der 150 Mitarbeiter der Halberstädter Würstchen- und Konserven GmbH ist offen.
Die Zukunft der 150 Mitarbeiter der Halberstädter Würstchen- und Konserven GmbH ist offen.Matthias Bein/dpa

Kein Insolvenzgeld für 150 Mitarbeiter

Die finanzielle Situation der Mitarbeiter ist besonders prekär. Denn nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalterin erhalten die Beschäftigten kein Insolvenzgeld. Es deckt in Deutschland ausstehende Löhne für maximal drei Monate vor dem Insolvenzereignis ab. Die Bundesagentur für Arbeit lehnt jedoch eine erneute Zahlung ab, weil es sich rechtlich nicht um ein neues Insolvenzereignis handelt und der frühere Insolvenzplan nicht erfüllt wurde.

Die Mitarbeiter bekamen zuletzt ihr Gehalt für April. Für Mai und Juni fehlen dem Unternehmen die Mittel. Eine Auszahlung über die Firma sei unmöglich. Im Zweifel müssten die Beschäftigten ihre Ansprüche selbst als Gläubiger geltend machen. Und das mit ungewisser Aussicht auf Erfolg, wie Alexander Nimptsch von der NGG einschätzt.

Silke Erdmann-Nitsch, Prokuristin der Halberstädter Würstchen- und Konservenvertriebs GmbH & Co. KG.
Silke Erdmann-Nitsch, Prokuristin der Halberstädter Würstchen- und Konservenvertriebs GmbH & Co. KG.Matthias Bein/dpa

Dabei gäbe es theoretisch Hoffnung: Zwei Interessenten sollen sich für Standort und Betrieb gemeldet haben. Doch ein entscheidender Haken bremst jede Rettungsidee aus. Grundstück und Anlagen gehören nicht der Firma, sondern der Unternehmerfamilie. Sie allein entscheidet über einen möglichen Verkauf. Kommt es zu einer schnellen Einigung, könnte ein Investor den Betrieb weiterführen. Wenn nicht, droht das endgültige Aus.

Dabei hatte es erst vor wenigen Monaten noch Hoffnung gegeben. Im Januar war ein früheres Insolvenzverfahren aufgehoben worden. Ende April wurde dann bekannt, dass die Unternehmerfamilie den Betrieb samt Marke verkaufen möchte.

Als Grund für die erneute Schieflage nennt das Unternehmen unter anderem zurückgezogene Finanzierungen für einen Großauftrag. Dadurch sei eine erhebliche Finanzierungslücke entstanden.

Für viele Ostdeutsche ist die Marke weit mehr als nur ein Lebensmittelhersteller. Die Würstchen aus Halberstadt sind ein Stück Ost-Nostalgie. Zu DDR-Zeiten galten sie als begehrte „Bückware“, schwer zu bekommen und heiß begehrt. Heute ist unklar, ob die Traditionsmarke überhaupt eine Zukunft hat.

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