Das flauschige Wesen mit dem Lutsch-Daumen kennt jedes Kind der 1980er Jahre. Ein Monchichi war das begehrte Teil auf Schulhöfen - in Ost wie West. Doch weil es die japanischen Affen-Püppchen in der DDR nicht gab, baute man sie kurzerhand nach und nannte den Ost-Verwandten aus Sonneberg „Tiemi“. So wie „Tiemi“, nach der Spielzeigdesignerin Susanne Thieme benannt, entstanden unzählige weitere Produkte in der DDR: Das kreative Kollektiv, es ließ sich inspirieren, klaute Ideen, Namen und Designs.
Bedarf war da, also wurde produziert
Im Westen gab es He‑Man, Lego, Transformers und Playmobil. Im Osten? Na ja… sagen wir mal: „kreative Interpretationen“. Die DDR war beim Spielzeug Nachbauen erfinderisch wie ein Kind.
„Der Bedarf war einfach da“, sagt DDR-Fachmann Mario Schubert. Er betreibt mit dem VEB Orange einen Laden für allerlei DDR-Waren. Die meisten Produkte, die die DDR in Anlehnung an ein erfolgreiches Pendant Westen herstellte, hat er in den Regalen stehen. „Die Menschen in der DDR sahen im Westfernsehen, was gerade angesagt war, der eiserne Vorhang hatte viele Gucklöcher.“ Die SED-Führung habe der Nachfrage mit Produkten aus heimischer Produktion nachkommen wollen, so Schubert. Klassenkampf im Kinderzimmer.
DDR Bausteine Formo statt Lego
Und so kam es, dass West‑Kids mit echten Lego‑Steinen Burgen bauten, und Ost‑Kinder fröhlich ihre „Plaste‑Bausteine“ zusammenklickten. Satt LEGO gab es in der DDR FORMO-Bausteine, das Prinzip war fast das Gleiche.
Die kleinen, eckigen Bausteine aus Kunststoff, die in der DDR unter den Namen FORMO, PEBE oder PLASPI produziert und verkauft wurden, unterscheiden sich nur auf der Unterseite von den Steinen aus Dänemark.

MSB-Boy statt Playmobil
In DDR-Kinderzimmern suchte man nach echten Playmobil‑Figuren vergeblich. Stattdessen bot der Handel den Bürgern Doppelgänger an: die MSB-Boys. MSB steht als Abkürzung für Mechanische Spielwaren Brandenburg. Diese Spielfiguren waren die Antwort der DDR auf die Playmobilfiguren.

Der 1956 aus verschiedenen Betrieben zusammengelegte VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg war einer der wichtigsten Spielzeugproduzenten der DDR. Produziert wurden mechanische und elektromechanische Spielwaren, vor allem Autos, Flugzeuge und Figuren, aus Kunststoff und Blech. MSB exportierte auch ins Ausland und war auf dem Spielwarenmarkt der DDR führend.
Plaho-Tiere statt Schleich
Auch auf Schleichtiere mussten Kinder in der DDR nicht verzichten. Mit Plaho‑Figuren aus Steinach kamen in der DDR Tiere aus aller Welt auf den Markt. Hersteller dieser Figuren waren zu DDR-Zeiten die Firma MAROLIN und der VEB PLAHO in Steinach/Thüringen. Alles begann hier mit sehr naturgetreuen Tieren aus Pappmaché, liebevoll von Hand angemalt.

Malfi statt Alf
Selbst der Gigant Disney blieb vom DDR-Kopierwahn nicht verschont. Offiziell verboten, inoffiziell waren sie überall: Micky‑Maus‑ähnliche Figuren, die aussahen, als hätte Micky eine harte Schicht im VEB hinter sich.
Als der Außeridische Alf vom Planeten Melmac in der BRD boomte, entwarf die DDR Malfi-Figuren. Spielten die Kinder von Augsburg bis Husum mit Transformers, verwandelten sich im Osten „Weltraum‑Roboter“ in alles Mögliche – Autos, Flugzeuge, manchmal auch einfach nur in sich selbst zurück.

Florena statt Nivea
Der Nachbau in der DDR machte bei Spielzeug nicht Halt. Auch Kosmetikprodukte und Kleidung wurden dem Westvorbild nachempfunden. Das gilt auch für die blaue Nivea-Dose, die sich trotz Mauer in so manchem DDR-Haushalt fand. Die Ost-Florena in auffallend ähnlichem Design hat erst nach der Wende eine richtige Karriere hingelegt.

Wisent-Jeans statt Levis und Wrangler
Mitte der 70er-Jahre ließ sich der Siegeszug der Ami-Jeans nicht weiter aufhalten und die SED wies die Textilbetriebe der DDR an, ebenfalls eigene Jeanshosen zu produzieren. „Wisent“, „Boxer“ oder „Shanty“ hießen die Marken, die ab 1978 in der DDR auf den Markt kamen. Doch so richtig beliebt waren die DDR-Hosen nicht. Der Stoff war entweder zu hart oder zu weich, der Schnitt war nicht richtig lässig und der Auswasch-Effekt fehlte. Und so ließen sich Jugendliche weiter heiße Ware aus dem Westen oder Ungarn mitbringen.

Unverwüstlicher Mixer RG 28 aus Suhl auch in den Westen
Im Gegenzug exportierte die DDR die Jeans unter dem Namen Explorer in den Westen. Ebenso den Klassiker unter den bis heute geliebten DDR-Produkten: den Unverwüstlich-Mixer RG28. Ein anderes Schildchen drauf geklebt, macht der Mixer im Quelle Katalog unter der Marke Privileg auch im Westen Karriere. Gut möglich, dass auch so manche West-Hausfrau noch heute mit dem Ost-Mixer rührt.

Lebensmittel in Ost und West: Nutella und Nudossi
Nudossi kam 1970 in der DDR auf den Markt und wurde im VEB Kombinat Elbflorenz in Radebeul hergestellt. Die Creme enthielt deutlich mehr Haselnüsse als Nutella. Während Nutella heute etwa 13 Prozent Haselnüsse enthält, lag der Haselnussanteil bei Nudossi traditionell bei rund 36 Prozent. Hier ließ sich die DDr auf jeden Fall eine eigene Rezeptur einfallen, die bis heute vieleb besser schmeckt.
Als eine direkte Antwort auf die amerikanische Club-Cola entwickelte die DDR ein eigenes Cola-Getränk und präsentierte 1967 Club-Cola.
Wenn man ganz streng ist, gab es in der DDR nur wenige echte 1:1-Kopien westlicher Produkte. Die meisten waren vielmehr staatlich entwickelte Alternativen, die dieselbe Marktlücke bedienen sollten. Historiker sprechen deshalb eher von „Pendants“, „Antworten“ oder „Nachahmungen“.



