Viele sitzen gerade am Sonntag gern vor dem Fernseher und schauen sich die schönen Märchen aus längst vergangenen Zeiten an. Und warum? Weil vor allem die Märchenfilme aus der DDR so wunderschön waren, dass sie auch heute noch nichts von ihrem Charme verloren haben. Die tollen Spezialeffekte in „Das Feuerzeug“, der gruselige Holländermichel in „Das kalte Herz“ oder die Papierkulissen in „Frau Holle“: Diese Filme wecken Kindheitserinnerungen! Die gute Nachricht: Viele davon können Sie inzwischen auch gratis streamen. Wir zeigen Ihnen fünf Märchenklassiker aus der DDR und verraten Ihnen, wie Sie kostenlos rankommen.
Fünf DDR-Märchen, die Sie gratis gucken können
Der Trick lautet DEFA-Stiftung: Die Organisation verwaltet heute den Filmschatz der DEFA – und damit auch die zahlreichen Märchenfilme, die zu DDR-Zeiten entstanden. Die Stiftung betreibt einen YouTube-Kanal, über den man die herrlichen alten Filme anschauen kann. Wer kein Premium-Nutzer von YouTube ist, bekommt zwar Werbung angezeigt – aber das lässt sich beim Gratis-Streaming wohl verschmerzen. Wir zeigen Ihnen fünf tolle Filme aus der DDR, die Sie sich im Stream der DEFA-Stiftung kostenlos ansehen können!
„König Drosselbart“: Manfred Krug in einer seiner schönsten Märchenrollen
„König Drosselbart“ haben viele Filmfans aus der DDR ganz oben auf der Liste ihrer Lieblingsmärchen. Es geht um die eitle Prinzessin Roswitha (Karin Ugowski), die alle Heiratsangebote von Adeligen ablehnt. Irgendwann ist ihr Vater, der König, so verärgert, dass er sie dem ersten Bettler verspricht. Der letzte Adelige, den sie abgelehnt hat, ist König Drosselbart, der als Spielmann verkleidet ins Schloss zurückkehrt und die Prinzessin zur Frau bekommt. Wird er es schaffen, ihr die Hochnäsigkeit auszutreiben?
Das Märchen ist mit Manfred Krug, der den König Drosselbart spielt, prominent besetzt. Der Film entstand ausschließlich in den Studios der DEFA in Babelsberg. Seine Premiere feierte der Streifen in der DDR am 16. Juli 1965. Eine Besonderheit ist der letzte Märchenauftritt von Karin Ugowski: Sie hatte zuvor bereits die Goldmarie in „Frau Holle“ gespielt und war in „Die goldene Gans“ zu sehen. Die Rolle der Prinzessin in „König Drosselbart“ wurde ihre letzte Hauptrolle in einem DEFA-Märchenfilm.

„Das Feuerzeug“: Drei Hunde und ein magischer Baum
Wer einmal „Das Feuerzeug“ gesehen hat, wird sich danach immer an die riesigen Hunde erinnern, die im Märchen auftauchen. Schon in der DDR tüftelte man bei vielen Märchenfilmen mit allerlei Tricks. Im Zentrum der Geschichte steht allerdings kein Hund, sondern ein armer Soldat (Rolf Ludwig), der im Wald einer Hexe begegnet und für sie ein verzaubertes Feuerzeug aus einem hohlen Baum holen soll. Doch er behält das gute Stück, denn mit dem Feuerzeug kann er die Hunde rufen, die ihm daraufhin all seine Wünsche erfüllen. Der Beginn eines großen Abenteuers!
Der Film entstand in den Studios in Babelsberg, Teile wurden aber auch in einem Wald bei Potsdam gedreht. Der magische Baum, in dem das Feuerzeug gefunden wird, wurde eigens für den Film angefertigt. Der Film feierte am 18. April 1959 seine Premiere und kam kurz darauf, am 24. April, in die Kinos der DDR. Mehr als fünf Millionen Menschen sahen „Das Feuerzeug“ damals im Kino. Damit zählt der Film zu den erfolgreichsten Märchenproduktionen der DDR.

„Das Zaubermännchen“: Das Rumpelstilzchen der DDR
Der Märchenfilm „Das Zaubermännchen“ ist sozusagen das Rumpelstilzchen der DDR. Die Inszenierung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam wurde bereits 1960 verfilmt. Es geht um den Müller Kunz (Karl-Heinz Rothin), der dem Schatzmeister des Königs erzählt, seine Tochter Marie (Karin Lesch) könne Stroh zu Gold spinnen. Daraufhin wird sie an den Königshof bestellt, wo sie ihr Können beweisen soll, um die leeren Kassen des Schlosses zu füllen.
Nur das Zaubermännchen Rumpelstilzchen (Siegfried Seibt) kann helfen – doch alles hat seinen Preis. Bemerkenswert ist der Titel: „Das Zaubermännchen“ wurde vermutlich so genannt, weil zu dieser Zeit bereits mehrere Verfilmungen von „Rumpelstilzchen“ existierten und man sich davon abheben wollte. Das einzig wahre Rumpelstilzchen bleibt aber natürlich Siegfried Seibt, der sich mit der Rolle auskannte, er spielte sie später sogar noch in „Spuk unterm Riesenrad“. „Das Zaubermännchen“ kam am 29. Juli 1960 in die Kinos und schaffte es auf Platz 25 der erfolgreichsten DDR-Filme.

„Die goldene Gans“: Eine Gans und viele Filmtricks
Für dieses Märchen musste die DEFA tief in die Trickkiste greifen. Kaspar Eichel spielte in „Die goldene Gans“ einen Schusterjungen, der im Wald einem alten Mütterchen hilft und dafür mit einer Gans belohnt wird, deren Federn aus Gold sind. Der Clou: Jeder, der sich an dem Vogel vergreift, bleibt kleben. Das kommt Klaus gelegen, denn im Schloss lebt die Prinzessin, die nicht lachen konnte. Ob Klaus ihr mit einer immer länger werdenden Menschenkette ein Lächeln entlocken kann?
Der Film wurde ausschließlich in den Studios der DEFA in Babelsberg gedreht – und dabei musste man ordentlich tricksen. „Man befestigte ganz dünne Kupferlongen an den Sachen, an denen ein Techniker dann ganz vorsichtig zog“, sagte der Schauspieler Kaspar Eichel vor Jahren in einem Interview. „So schwebten die Geige und der Geigenbogen auf die Gans zu, die Röcke der Mädchen oder das Florett von Prinz Störenfried, als ich mit ihm kämpfe.“ Die Gans selbst musste ohne die heutigen Spezialeffekte auskommen – und wurde mit Goldfarbe besprüht.
„Das singende, klingende Bäumchen“: DDR-Film ist in England heute Kult
Auch in diesem Märchenklassiker spielt eine hochmütige Prinzessin (Christel Bodenstein) eine Hauptrolle. Sie will keine Perlen oder Edelsteine, sondern das singende, klingende Bäumchen. Der Prinz (Eckart Dux) macht sich auf die Suche danach. Ein böser Zwerg überlässt ihm das Bäumchen allerdings nur unter einer Bedingung: Wenn die Prinzessin den Prinzen nicht wirklich liebt, wird er in einen Bären verwandelt. Natürlich kommt es genau so. Der Prinz kehrt als Bär in den Wald zurück und muss um das Herz der Prinzessin kämpfen. Wird die Liebe am Ende siegen?
„Das singende, klingende Bäumchen“ entstand ebenfalls in Babelsberg und feierte am 13. Dezember 1957 seine Kinopremiere. Der Film wurde sogar weit über die Grenzen der DDR hinaus bekannt. In Großbritannien entwickelte er sich nach einer Fernsehausstrahlung im Jahr 1964 zu einem echten Kultklassiker. Heute können Sie ihn – wie viele andere DEFA-Märchenfilme – kostenlos auf YouTube anschauen.



