An welche DDR-Filme denken Sie, wenn Sie an den Sommerurlaub denken? Da fällt vielen natürlich sofort der kultige Musikfilm „Heißer Sommer“ ein – aber auch andere Streifen der DEFA drehen sich um die Ferien. Erinnern Sie sich etwa noch an „Und nächstes Jahr am Balaton“? Der Film passt schon aufgrund seiner Geschichte einfach perfekt in den Sommer und feierte passend dazu im Juni 1980 seine Premiere in der DDR. Doch im Westen durften die Urlaubsträume der DDR nur ordentlich gekürzt über den Äther gehen. Für die ARD wurden aus dem Streifen satte 15 Minuten herausgeschnitten – und der Grund dafür ist eigentlich ziemlich banal …
DDR-Sommerfilm weckte den Traum vom Urlaub
Zu DDR-Zeiten haben viele Menschen ihren Urlaub in Osteuropa verbracht – der Film „Und nächstes Jahr am Balaton“ spiegelte diese Ferienträume perfekt wider. An den Balaton geht es im Film allerdings nicht, sondern nach Bulgarien. Nur: Die Anreise ist in der Welt des DDR-Kultfilms alles andere als einfach.
Der Streifen von 1980 dreht sich um die junge Ines Moldenschütt, die gerade studiert, und ihren Freund Jonas, der nur „Jonny“ genannt wird. Sie leben beide in Berlin und wollen zusammen in den Sommerurlaub fahren – doch sie haben die Rechnung ohne die Eltern von Ines gemacht.
Die schlagen vor, gemeinsam nach Nessebar in Bulgarien zu fahren. Schon im Zug kommt es allerdings zum großen Zoff: Die Eltern wollen, dass Ines und Jonas Verlobungsringe tragen, „wegen der Leute“ sollen sie sich noch vor der Ankunft am Urlaubsort verloben. Doch Jonny wird das zu viel. Auf freier Strecke springt er aus dem Zug und macht sich per Anhalter auf den Weg. Unterwegs trifft er mehrere Menschen, unter anderem die Holländerin Shireen, die nach Indien reisen will. Er folgt ihr bis zur türkischen Grenze und reist dann allein weiter.

Als er schließlich in Nessebar ankommt, trifft er dort auf Ines – doch sie ist allein. Denn die Mutter hat beim Kauf einer Zeitung an einem Bahnhof den Zug verpasst, und der Vater wurde aufgrund eines Problems mit der tschechischen Grenzpolizei und seinem Gepäck aus dem Zug geholt.
Welche Dinge erleben die Figuren in „Und nächstes Jahr am Balaton“ noch auf ihren Reisen? Und wird aus dem großen Abenteuer doch noch ein halbwegs vernünftiger Urlaub an der Schwarzmeerküste? Das erfahren die Zuschauer in dem Film, den man aktuell unter anderem auf dem YouTube-Kanal der DEFA-Stiftung kostenlos anschauen kann.
„Und nächstes Jahr am Balaton“ zeigte nackte Haut
Der Film war der Nachfolger des berühmten Liebesfilms „Sieben Sommersprossen“, der in der DDR für Aufsehen gesorgt hatte – weil die jungen Hauptdarsteller nackt und bei Liebesszenen zu sehen waren. Auch in „Und nächstes Jahr am Balaton“ besetzte Regisseur Herrmann Zschoche die Rollen mit jungen Laiendarstellern. Auch dieses Mal waren nackte Haut und sexuelle Andeutungen zu sehen.
Auch deshalb dürfte der Film viele Zuschauer in die Kinos gezogen haben: „Und nächstes Jahr am Balaton“ feierte am 26. Juni 1980 in Ost-Berlin seine Premiere.
Etwas später, am 4. Juli 1980, fand der Film seinen Weg in die Kinos der DDR. Auch in Ungarn wurde der Streifen unter dem Titel „Jövőre a Balatonnál“ gezeigt. Etwas mehr als ein Jahr später wurde „Und nächstes Jahr am Balaton“ dann auch im Fernsehen der DDR ausgestrahlt – und dürfte die Urlaubsträume noch weiter angekurbelt haben. Gesendet wurde er am 5. Dezember 1981, also mitten in der kalten Vorweihnachtszeit. Im Westen wurde der Streifen erstmals am 14. August 1982 gezeigt.
Nach der Wende wurde der DDR-Film gekürzt
Im Ersten lief er später noch einmal am 22. August 1986 und am 29. Juni 1990, also bereits kurz nach der Wende. Es war das vorerst letzte Mal, dass man „Und nächstes Jahr am Balaton“ in der ungekürzten Variante bestaunen konnte.
Im Sommer 1996 wurde der Streifen nämlich deutlich gekürzt, als er erneut in der ARD laufen sollte. Lag es an den Nacktszenen? Nein! Der banale Grund: Im Ferienprogramm des Senders stand lediglich ein Sendeplatz von 75 Minuten zur Verfügung, der Film ist aber knapp 90 Minuten lang. Deshalb flog ein großer Teil des Anfangs heraus – und danach blieb der Film über viele Jahre in dieser Fassung im Umlauf.
Erst 17 Jahre später kehrte das Original zurück: 2013 erschien „Und nächstes Jahr am Balaton“ wieder in voller Länge auf DVD. Auch auf dem YouTube-Kanal der DEFA-Stiftung ist die Originalfassung mit 90 Minuten Laufzeit zu sehen. Heute kann man den Kultfilm, der damals zum Kassenschlager wurde, also wieder genießen – und auch die jungen Darsteller für ihre Arbeit feiern.

Kareen Schröter etwa, die schon in „Sieben Sommersprossen“ die Hauptrolle gespielt hatte, tauchte im neuen Film als Shireen erneut auf – und war auch diesmal wieder in einer Nacktszene zu sehen.
Odette Bereska hatte als Ines Moldenschütt ihre erste Filmrolle. Später entwickelte sie sich zu einer bekannten Dramaturgin, Regisseurin und Autorin für das Theater. Beim Fernsehen der DDR arbeitete sie unter anderem für die „Flimmerstunde“ mit Professor Flimmrich.
Und die Rollen der Eltern wurden von damals bereits bekannten Schauspielern übernommen: Gudrun Ritter spielte Irene Moldenschütt, Peter Bause schlüpfte in die Rolle von Heinz Moldenschütt.
„Und nächstes Jahr am Balaton“ bleibt unvergessen
Noch heute ist der Streifen „Und nächstes Jahr am Balaton“ jedenfalls unvergessen, auch wenn er nach der Wende 17 Jahre lang nur als gekürzte Fassung gezeigt wurde. Die Zuschauer im Netz freuen sich, dass sie inzwischen wieder die Langfassung sehen können.

„So war unsere Jugend in den Achtzigern. Schöne Wiedergabe unseres Lebensgefühls“, schreibt eine Nutzerin bei YouTube. Eine andere kommentiert: „Ich weiß nicht, wie oft ich den in meiner Jugend gesehen habe. Auch wenn der Balaton für mich ein Traumziel war, zeigt dies die Unbeschwertheit unserer Jugend.“



