In den heiligen Hallen der Defa entstanden zu DDR-Zeiten viele Filme – einige von ihnen markieren besondere Punkte in der Filmgeschichte des Ostens. Beispielsweise das gruselige Märchen „Das kalte Herz“: Es war nicht nur eine der ersten Märchenverfilmungen der Defa, sondern auch der erste Farbfilm der DDR. Ein anderer Streifen, der ein Meilenstein in der Filmgeschichte der DDR war, ist heute fast vergessen: „Mazurka der Liebe“. Nur wenige erinnern sich heute an den Musikfilm aus dem Jahr 1957. Und doch hat er einen besonderen historischen Wert, den heute nur sehr wenige Menschen kennen.
DDR-Film „Mazurka der Liebe“ haben viele vergessen
Die Defa hat viele Filme hervorgebracht, die noch heute Kult sind – ob der schon erwähnte Streifen „Das kalte Herz“, Klassiker wie „Die Legende von Paul und Paula“ oder auch Filme, die politisch aneckten, wie „Spur der Steine“.
Aber: Erinnern Sie sich auch noch an „Mazurka der Liebe“? Den Film-Schatz hat die Defa jetzt erneut ausgegraben, ihn auf YouTube veröffentlicht. Wer sich für Filme aus der DDR interessiert, kann ihn hier kostenlos schauen. Und sich damit ein Stück DDR-Geschichte angucken.
Bei „Mazurka der Liebe“ handelt es sich um eine Operettenverfilmung aus dem Jahr 1957, die auf der berühmten Operette „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker beruht. Während von der Operette viele schon einmal etwas gehört haben, klingt „Mazurka der Liebe“ nach einem recht seltsamen Titel.
Doch es hatte einen Grund, dass der Streifen so hieß: Während die Produktion lief, brachte man in der BRD ebenfalls eine Operettenverfilmung heraus, die den Namen „Der Bettelstudent“ trug. Die Folge: In der DDR wählte man einen anderen Titel, um sich abzuheben.

In dem Defa-Film geht es um den Studenten Simon, der mit seiner Gitarre durch das Land zieht – und der durch Zufall auf eine Kutsche stößt, deren Pferde durchgegangen sind. Dann lernt er den Freiheitskämpfer Jan kennen, der auf der Flucht vor den Soldaten des Königs ist. Simon versteckt ihn im Kutschkasten der Kutsche. In dem Gefährt selbst sitzen die Gräfin Kowalska mit ihren Töchtern Laura und Bronislawa. Die beiden Männer verlieben sich in die Töchter und reisen mit ihnen nach Krakau.
Darum ging es im DDR-Film „Mazurka der Liebe“
Dort folgen sie ihnen zu einem Fest des Adligen Ollendorf. Der wird von Kowalska mit dem Fächer getroffen und lässt Simon und Jan ins Gefängnis werfen, weil diese höhnisch darüber lachen. Aus Rache will er, dass Simon sich als Fürst verkleidet und die Gräfin heiratet. Wird dieser gemeine Plan aufgehen oder schaffen es Simon und Jan, davonzukommen und ihr Glück mit den Töchtern zu finden? Wer das herausfinden will, sollte den besonderen Film mal wieder anschauen. „Mazurka der Liebe“ finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Defa – und das kostenlos!
Aber: Was macht diese Operettenverfilmung zu einem besonderen Stück Filmgeschichte? Ganz einfach: „Mazurka der Liebe“ war der erste Film, der in „Totalvision“ gedreht wurde. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Breitbild-Kinoverfahren, das in der DDR in den 1950er-Jahren entwickelt wurde. Der Grund: Schon 1953 und 1954 wurden in den westlichen Ländern erste Filme im Breitbildformat gedreht und gezeigt. Vorher waren die Bilder beinahe quadratisch, nun fielen sie breiter aus.
DDR-Technik wurde fit für den Westen gemacht
Im VEB Carl Zeiss Jena begann man mit der Arbeit an einer eigenen Wiedergabe- und Aufnahmetechnik, weil man die DDR vom Westen unabhängig machen wollte. Denn zum Abspielen der Filme brauchte man Geräte der 20th Century Fox, die lizenzpflichtig waren.
Also schuf man eine eigene Lösung. Denn auch in der DDR sollten die Filme im Kino noch größer, noch beeindruckender werden! Um das ultrabreite Bild zu erzeugen, wurde bei der Aufnahme ein spezielles Objektiv verwendet, das das Bild stauchte. Im Kino wurde das Bild bei der Projektion dann wieder entzerrt.
Schon während der Entwicklung mussten Kameraleute beim Film neu geschult werden – und die Kinos wurden umgerüstet. „Mazurka der Liebe“ war der erste Film, der mit der neuen Technik gedreht wurde. Der Streifen wurde zugleich zum Eröffnungsfilm des Berliner Lichtspielhauses Colosseum. Denn es wurde umgebaut und direkt mit der neuen Technik ausgestattet. Am 2. Mai 1957 feierte das Kino seine Wiedereröffnung – und der Spielfilm „Mazurka der Liebe“ wurde gezeigt.
„Mazurka der Liebe“ überrascht mit seltenem Auftritt
Wer sich mit dem Film beschäftigt, stößt noch auf eine andere Überraschung: Neben vielen damals bekannten Schauspielern stand für den Film auch eine Darstellerin namens Susanne Christian vor der Kamera. Das war allerdings ihr Künstlername – im wahren Leben hieß die Schauspielerin Christiane Kubrick.
Im Jahr des Erscheinens von „Mazurka der Liebe“ heiratete sie Kult-Regisseur Stanley Kubrick, der mit Filmen wie „A Clockwork Orange“ und „Shining“ Geschichte schrieb.

DDR-Film „Mazurka der Liebe“ ist etwas Besonderes!
Die Schauspielerin stand nur in wenigen Filmen vor der Kamera und widmete sich später der Malerei – sie steuerte unter anderem Gemälde zu „A Clockwork Orange“ und „Eyes Wide Shut“ bei. „Mazurka der Liebe“ ist einer der wenigen Filme, in denen sie zu sehen war. Der Streifen von 1957 ist also nicht nur wegen des Formats ein besonderes Stück Filmgeschichte der DDR. Sondern auch aufgrund seiner außergewöhnlichen Besetzung.



