Deal passé

Pankows ältestes Kino Colosseum vor ungewisser Zukunft

Das Colosseum bleibt weiter eine Immobilie im Schwebezustand. Wie es an der Schönhauser Allee weitergeht, ist wieder vollkommen offen.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Seit fast 100 Jahren  ein Kino: Das Colosseum an der Schönhauser  Allee.
Seit fast 100 Jahren ein Kino: Das Colosseum an der Schönhauser Allee.Gerd Engelsmann

Paukenschlag in Prenzlauer Berg: Der angebliche Verkauf des legendären Colosseum-Kinos an der Schönhauser Allee ist nie passiert, das berichtet der Tagesspiegel.  Was 2022 als großer Neustart gefeiert wurde, entpuppt sich jetzt als geplatzter Deal hinter verschlossenen Türen.

Investor hat das Kino nie gekauft

Nach der angeblich großen Investition am Colosseum heißt es nun: „Alles auf Anfang“. Denn der Hamburger Investor, Values Real Estates, der 2022  öffentlich verkündet hatte, das Gebäudeensemble in der Schönhauser Allee übernommen zu haben, hat den Deal offenbar nie perfekt gemacht.

Die Pläne, einen großen Büro- und Kulturkomplex zu errichten, sind damit vorerst vom Tisch. Wie der Tagesspiegel berichtet, sind nach wie vor die Erben des Filmproduzenten Artur Brauner Besitzer des Gebäudes. Verträge mit Zwischennutzern sind nach Informationen des Blattes bis 2027 verlängert worden.

Auf Anfrage des KURIER beim Pankower Baustadtrat hhält man sich bedekt: Grundstückseigentümer sei eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Eine genauere Auskunft hierzu kann aus Gründen des personenbezogenen Datenschutzes nicht erfolgen.

Fakt ist aber: Es besteht seit 2022 eine Baugenehmigung für die Nutzung des Kinos für Ausstellungen und Veranstaltungen. Auf dieser Grundlage finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die der Bauaufsichtsbehörde vorher anzuzeigen sind, so eine Sprecherin des Stadtrats.

Darüber hinaus bestehe ein laufendes Baugenehmigungsverfahren für eine teilweise Neubebauung des Grundstücks. In diesem Konzept sind Veranstaltungs-, Gewerbe- und Büronutzungen vorgesehen. Eine Baugenehmigung ist hierzu bisher jedoch noch nicht erteilt. Ein Baubeginn ist somit noch nicht möglich.

Wie geht es mit dem Colosseum weiter?

Wie also weiter mit dem imposanten Bau, der  1894 als Pferdewagenhalle diente, später als Busbahnhof genutzt wurde, bis 1924 das erste Filmtheater einzog?  Während des Krieges war das Areal Lazarett. Nach Kriegsende diente es als Wärmehalle sowie als Übergangs-Spielstätte des Metropol-Theaters und Varieté. Nach einem Umbau öffnete das historische Kino am 2. Mai 1957 erneut und diente auch als beliebtes Premierenkino der DDR.

Filmlegende „Atze“ Brauner hatte das Haus nach der Wende Anfang der 1990er Jahre gekauft, modernisieren und ausbauen lassen, 1997 zog eines der ersten Multiplex-Kinos mit zehn Sälen ein. Nach der Insolvenz 2020 stand das Multiplex-Kino lange leer, bis 2022 die umstrittene Rettung nah schien.

Der Investor wollte mit spektakulären Architekten-Entwürfen neues Leben und Büros an die Ecke der Schönhauser bringen. Es gab erste Verhandlungen mit den Organisatoren des Human Rights Film Festival Berlin, dem Jüdischen Filmfestival Berlin und den Veranstaltern der Gamesweekberlin.

Traditionsreicher Kulturstandort in Pankow

Das Multiplex-Kino ließ sich mit Konkurrenz aus der Kulturbrauerei nicht gewinnbringend betreiben.
Das Multiplex-Kino ließ sich mit Konkurrenz aus der Kulturbrauerei nicht gewinnbringend betreiben.imago stock&people

Zahlreiche Einwohner von Prenzlauer Berg setzten sich gleichzeitig mit Demonstrationen und Onlinepetitionen für den Erhalt des Kinos und gegen mehr Büroflächen ein. Auch der Bezirk Pankow wollte das Colosseum als Kulturstandort erhalten.

Ein Bauantrag wurde im Juli 2022 eingereicht, danach kam nichts mehr. Im Herbst 2023 startet dann die Zwischennutzung als Kino und Eventlocation. Das Weihnachtsrodeo zog Besucher an, es wurden auch weiter Kinofilme gezeigt. Das Provisorium, das nun in die Verlängerung geht.

Darum machte der Investor einen Rückzieher

Grund für den Rückzieher des Investors seien „die signifikant veränderten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den Krieg in der Ukraine, die Coronapandemie und die gestiegenen Baupreise sowie die Zinswende“, zitiert der Tagesspiegel.

Was die Brauner-Erben nun mit dem Colosseum vorhaben, ist weiter offen. Bisher haben sie sich nicht öffentlich dazu geäußert. Das Kino steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

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