Die Inhaber des Colosseum in Prenzlauer Berg haben kurz vor dem 100. Geburtstag Insolvenz angemeldet.
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Für das Colosseum in Prenzlauer Berg kommen die neuen Corona-Lockerungen für Kinos zu spät. Das traditionsreiche Filmtheater hat am 22. Mai beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Ein Insolvenzverwalter ist bereits eingesetzt. Mit der Insolvenz steht eine fast hundertjährige Kinogeschichte an dem Standort vor einer ungewissen Zukunft.

Die alte Straßenbahn-Wagenhalle aus dem Jahr 1894 an der an der Schönhauser Allee/Ecke Gleimstraße wurde 1924 als Kino eröffnet. Es hatte zwischenzeitlich 1000 Plätze. Neben Stummfilmaufführungen gab es auch Varietéshows mit Orchesterbegleitung.

Erst Kriegslazarett, später DDR-Kino

Nach dem Krieg diente das Colosseum zunächst als Kriegslazarett, später als Wärmehalle und schließlich als Theaterspielstätte, ehe 1957 Wiedereröffnung als Kino gefeiert wurde. Zur Eröffnung am 2. Mai lief der Film „Mazurka der Liebe“, der erste Defa-Film in Totalvision, dem ostdeutschen Pendant zu Cinemascope.

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Bis zur Errichtung der Kinos Kosmos und international an der Karl-Marx-Allee im Jahr 1963 war das Colosseum das Premierenkino Ost-Berlins und damit der gesamten DDR. Gleichzeitig war das Kino ein Ort für Jugendweihefeiern.

Nach der Wende stieg der Filmproduzent Artur Brauner als Eigentümer im Colosseum ein, Betreiber war die Firma Sputnik. Nach einer anderthalb Jahre dauernden Sanierung ging das Haus mit zehn Kinosälen im Dezember 1997 neu an den Start.

Aufwendige Sanierung in den 90 Jahren

Bei der Sanierung wurden zahlreiche Elemente des alten Pferdestraßendepots erhalten. So stehen seitdem vor den Eingängen mehrerer Kinosäle Metallsäulen, die beim Umbau in den alten Stallungen des Pferdestraßenbahndepots gefunden wurden. Neuer Betreiber des vielbeachteten Hauses wurde die Cinemaxx AG.

Schon acht Jahre später war der Vertrag Makulatur. Cinemaxx kündigte 2005 wegen „baulicher Mängel“ den Vertrag. Seit 2006 gehört das Colosseum zur UCI-Kinowelt-Gruppe. Deren Zentrale in Bochum gab am Donnerstag keine Stellungnahme ab.

Kinoinhaber ist heute der Berliner Immobilienkaufmann Sammy Brauner, ein Sohn von Artur Brauner. Artur Brauner starb im Juli vorigen Jahres kurz vor seinem 101. Geburtstag. Auch Sammy Brauner äußerte sich am Donnerstag zunächst nicht zur Insolvenz.