An welche Filme denken Sie, wenn Sie an die DEFA aus der DDR denken? Vielleicht fallen Ihnen bekannte Märchen wie „Das Zaubermännchen“, „Das Feuerzeug“ oder „Das kalte Herz“ ein, vielleicht auch ernsthaftere Filme wie „Spur der Steine“ oder „Die Legende von Paul und Paula“. Doch immer wieder tauchen auch vergessene Film-Schätze auf, auf die Sie einen Blick werfen sollten. Denn die Film-Schätze der DDR sind immer eine spannende Reise in die Vergangenheit. Einen solchen Schatz hat die DEFA jetzt ausgegraben – und dieser gerade einmal 30 Minuten lange Streifen macht Sie garantiert zum Kind!
Das größte deutsche Trickfilmstudio stand im Osten
Was mögen Kinder? Natürlich Puppentheater! Im Osten hat das eine lange Tradition – ob mit Stars wie Taddeus Punkt und seinem Hund Struppi, mit den tschechischen Marionetten Spejbl und Hurvinek oder mit Puppentrick-Produktionen wie dem Sandmännchen.
Kein Wunder, dass die DEFA auch ein eigenes Trickfilm-Studios betrieb, in denen echte Perlen entstanden. Kinderfilme, die heute beinahe vergessen sind, weil die junge Generation sich 35 Jahre nach dem Ende der DDR für ganz andere Dinge interessiert. Und doch sind es Produktionen, die beispielsweise den Filmen der Augsburger Puppenkiste aus dem Westen in nichts nachstehen!
Einen solchen Schatz hat die DEFA auf ihrem YouTube-Kanal im Netz jetzt veröffentlicht: „Kasper – Das gestörte Fest“. Erinnern Sie sich noch an diese Puppentheater-Reihe? Mehrere Filme gehören dazu, unter anderem „Kasper geht nach Hohenstein“, „Kasper in Gefangenschaft“, „Kasper lernt Zaubern“ und „Kasper und der Löwe“. Alle Filme drehten sich um Kasper und seine Abenteuer – und alle entstanden sie in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Genauer gesagt: Im VEB DEFA-Studio für Trickfilme!

„Das gestörte Fest“ dreht sich um den Teufel, den ewigen Widersacher des Kaspers. Er langweilt sich in seiner Höhle und beschließt deshalb, ein unerträglich klingendes Konzert zu veranstalten. Seine Oma ist genervt davon und schickt ihn deshalb zur Erde.
Hier soll er Gretel holen, damit diese ihm seine unsägliche Langeweile vertreiben kann. Doch dort sind Kasper und Gretel gerade damit beschäftigt, ein Fest für die Omas zu veranstalten, weshalb sie den Teufel kurzerhand in den Keller sperren.
Darum geht es im DDR-Film „Das gestörte Fest“
Von dort kann sich der Teufel allerdings befreien – eine Ratte hilft ihm dabei. Er sperrt aus Rache Kasper in den Rattenbau und will sich Gretel schnappen. Kann sich der Kasper befreien und das verhindern – und kann ihm Oma Kunz, eine der Omas vom großen Fest, dabei helfen?
Wer das wissen möchte, sollte mal wieder einschalten. Und das kann auch Erwachsenen Spaß machen: Der Animationsfilm aus der DDR ist gerade einmal knapp 30 Minuten lang – und steht auf dem YouTube-Kanal der DEFA kostenlos zur Verfügung.
Wer sich den Film anschaut, wird auf jeden Fall staunen – und sehen, dass gar nicht unbedingt die berühmte Augsburger Puppenkiste als Nonplusultra des Puppentheaters bezeichnet werden muss. Denn auch in Produktionen wie „Das gestörte Fest“ steckte unglaublich viel Liebe.
Kulissen machen DEFA-Film zum DDR-Schatz!
Tolle Kulissen, liebevoll gestaltete Puppen und sogar der eine oder andere Spezialeffekt machen diesen kleinen DEFA-Schatz zu einem tollen Abenteuer für die ganze Familie. Vor allem die Bühnenbilder machen die Kasper-Filme zu echten Schmuckstücken.

Im DEFA-Studio für Trickfilme saßen eben die Profis – und das zeigt sich auch an den Zahlen. Mehrere Jahrzehnte lang gab es das größte Animationsfilmstudio der DDR, bis es Anfang der 90er-Jahre abgewickelt wurde. In diesem Zeitraum wurden dort rund 2000 filme gedreht – für das Kino, für das Fernsehen und unter Nutzung aller Techniken, die es damals so gab. Heute wird der Nachlass von der DEFA-Stiftung und dem Deutschen Institut für Animationsfilm in Dresden verwaltet.
DDR-Puppenfilme wurden prominent besetzt
Das Reinschauen kann sich übrigens auch aufgrund der Besetzung lohnen, denn auch für die Unterhaltung der Kinder traten in der DDR die ganz großen Stars an, auch ohne ihre Gesichter in eine Kamera zu halten. Zu den Sprechern von „Kasper – Das gestörte Fest“ gehört unter anderem Rolf Römer, der unter anderem in den berühmten Indianerfilmen „Die Söhne der großen Bärin“ und „Chingachgook, die große Schlange“ mitspielte.

Auch Annekathrin Bürger („Verwirrung der Liebe“), Wolfgang Dehler („Das unsichtbare visier“) und Gertrud Brendler („Polizeiruf 110“) liegen den Figuren in dem Animationsfilm ihre Stimmen. Die Musik machte Arndt Bause, Komponist und Vater von Schlagersängerin und „Bauer sucht Frau“-Star Inka Bause.
Kein Sonntagsmärchen? Gucken Sie doch mal Kasper!
Also: Schauen Sie doch mal wieder rein! Dieses Wochenende lohnt sich besonders: Während sonst vor allem am Sonntag häufig Märchen aus der DDR gezeigt werden, unter anderem im MDR, herrscht für Ost-Fans jetzt Ebbe im TV-Programm. Eine gute Gelegenheit, dem Kasper aus dem Film-Schatz der DEFA noch einmal einen großen Auftritt zu gönnen. Denn auch knapp 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat der Streifen nichts von seinem Charme verloren.




