Es ist 35 Jahre her, dass einer der ganz großen Stars des DDR-Fernsehens die Bühne des Lebens verließ: Am 12. Juli 1991 starb Willi Schwabe, einer der bekanntesten Schauspieler des Ostens, an den Folgen eines schweren Unfalls. Jahrelang hatte er die Fernsehzuschauer mit seiner Sendung „Willi Schwabes Rumpelkammer“ verzaubert und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, etliche Rollen gespielt. Doch heute liest man nichts mehr über die DDR-Legende, auch nicht anlässlich des Todestages. Haben alle Willi Schwabe vergessen? Nein! Wir erinnern an ihn und seine Rumpelkammer – und verraten ein paar spannende Geheimnisse.
Mit der Laterne kletterte Willi Schwabe auf den Dachboden
Wer an Willi Schwabes Rumpelkammer denkt, hat sofort eine ganz bestimmte Melodie im Sinn: Es ist der „Tanz der Zuckerfee“ aus der Nussknackersuite von Tschaikowski, zu der der DDR-Star mit einer kleinen Laterne in der Hand eine hölzerne Treppe hinauf in Richtung seines Dachbodens stieg. Dort, zwischen eingestaubten Filmrequisiten, alten Kostümen und Möbeln, begrüßte er die Zuschauer. „Guten Abend, meine Damen und Herren – und herzlich willkommen in der Rumpelkammer.“
Es war die Sendung, die Willi Schwabe zu einer echten DDR-Legende machte. Ausgestrahlt wurde sie von 1955 bis 1990. Willi Schwabe moderierte – und erzählte den Zuschauern anhand von Filmrequisiten aus berühmten deutschen Filmen, die er in seiner Rumpelkammer durch Zufall entdeckte, Spannendes und Wissenswertes über die Filme. Vier Filme wurden in jeder Folge der „Rumpelkammer“ präsentiert – und für viele Zuschauer war die Rumpelkammer eine der wenigen Gelegenheiten, bekannte Schauspieler wie Marika Rökk und Theo Lingen zu bestaunen.

Erstmals lief die Sendung am 13. Dezember 1955, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an die DDR-Bürger. Sie entstand übrigens eher durch Zufall – das erzählte Heinrich Gebauer, der früher als Redakteur für „Willi Schwabes Rumpelkammer“ tätig war, in einer ZDF-Doku über berühmte Fernsehsendungen der DDR. Sofort sei die Frage aufgekommen, was man damit machen könnte. „Und so kam die Rumpelkammer.“ Sämtliche Filme aus der Zeit bis 1945 schlummerten im Archiv, darunter aber viele Filme aus der Nazi-Zeit, die man im Fernsehen der DDR lieber nicht sehen wollte.
Das Dritte Reich gehörte nicht in die Rumpelkammer
Das Dritte Reich, also die Zeit von 1933 bis 1945, durfte in der „Rumpelkammer“ nicht erkennbar sein. „Keine Uniform, keine Fahnen, keine Abzeichen“, erklärte der Redakteur. Später kamen auch Filme aus den USA, aus der Schweiz und aus Österreich und Tschechien hinzu. Die Sendung war so beliebt, dass sie zu den langlebigsten Sendungen gehört, die es jemals im deutschen Fernsehen gab. 37 Jahre lang lief sie, knapp 400 folgen wurden ausgestrahlt – und in jeder davon stieg Willi Schwabe auf seinen Dachboden, was ihn zu einer echten Legende des DDR-Fernsehens machte.

Als die Sendung nach der Wende eingestellt wurde, war sie die am längsten ausgestrahlte Unterhaltungssendung im Fernsehen. Warum sie sich so lange hielt, dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen lag es natürlich am Charme von Willi Schwabe selbst. „Er war der bekannteste Schauspieler vom Berliner Ensemble in der DDR“, sagte der Redakteur. Schwabe sei mal mit Helene Weigel, der langjährigen Intendantin des Berliner Ensembles, unterwegs gewesen – und alle hätten nur für ihn geklatscht. „Das hat ihr gar nicht gefallen, dass er, der ja eigentlich nur kleine Rollen spielte, in der DDR bekannter war als sie selber.“
Nach der „Rumpelkammer“ stieg die Produktivität an
Zum anderen hatte „Willi Schwabes Rumpelkammer“ aber auch einen besonderen Effekt auf das DDR-Publikum. Das erklärte Nikolaus Schwabe, der Sohn des Fernseh-Stars, gegenüber der Super Illu. „Mein Vater war wichtig für das Bruttosozialprodukt der DDR“, sagte er. „An den Tagen nach der ‚Rumpelkammer‘ lag die Produktivität in den Betrieben immer zehn Prozent über dem Schnitt!“
Das war dann vor allem am Donnerstag der Fall: „Willi Schwabes Rumpelkammer“ wurde zweimal im Monat am Mittwoch um 20 Uhr im ersten Programm des DDR-Fernsehens ausgestrahlt. Am Vormittag des Folgetages lief oft die Wiederholung, weil man den Schichtarbeitern auch die Möglichkeit geben wollte, die Sendung zu sehen.
Doch nach der Wende endete die Geschichte der Rumpelkammer tragisch: Willi Schwabe stürzte im Mai 1990 mit dem Fahrrad, erlitt in der Folge schwere Gehirnblutungen. Davon erholte er sich nie wieder. Nach seinem Ausstieg übernahm Friedrich Schoenfelder die Rumpelkammer, doch das Format blickte sowieso seinem Ende entgegen: Als nach der Wiedervereinigung das Fernsehen der DDR abgewickelt wurde, erlosch auch die Laterne in der Rumpelkammer für immer.
Viele wollen Willi Schwabes Rumpelkammer zurück
Noch heute erinnern sich viele an die Rumpelkammer. Die Sendung mit der DDR-Legende wird schmerzlich vermisst – das zeigen Kommentare in DDR-Gruppen unter anderem auf Facebook. „Mit großem Sachverstand, mit stillem Humor und immer ein stilles Lächeln im Gesicht verbrachte er viele, viele Jahre in seiner Rumpelkammer und brachte den Menschen alte Filmklassiker und alles drumherum nahe und ins Gedächtnis“, schreibt ein Zuschauer. „Danke Willi Schwabe für die vielen schönen und interessanten Stunden in deiner Rumpelkammer. Du fehlst sehr in der heutigen Zeit.“



