Sie war eine der beliebtesten Schauspielerinnen der DDR: Agnes Kraus. Sie wurde am Theater gefeiert – doch ihre große Popularität bei den Massen verdankte sie ihren späten Rollen in DDR-Fernsehkomödien. Als „Schwester Agnes“ wurde Agnes Kraus mit 64 Jahren zum großen TV-Star. Der MDR zeigt über Ostern fünf ihrer erfolgreichen Komödien. Doch das Ende der Volksschauspielerin war dramatisch.
Bertolt Brecht entdeckte Agnes Kraus auf der Bühne
Achtmal wurde Agnes Kraus zum Fernsehliebling der DDR-Fernsehzeitschrift „FF dabei“ gewählt. Doch der Weg dahin war lang. Für die UFA-Produktion „Eskapade“ (1936) stand die 1911 in Berlin-Friedenau geborene Schauspielerin (damaliger Künstlername: Irmgard Krause) erstmals vor der Kamera.
Am Theater verkannte man anfangs ihr komödiantisches Talent, in den 30er- und 40er-Jahren wurde sie als Tragödin besetzt. In Annaberg-Buchholz, an der Berliner Volksbühne, den Münchener Kammerspielen.
Nach dem Zweiten Weltkieg musste Agnes Kraus wie so viele von vorne beginnen. Sie gründete mit ihrer Schwester ein Puppentheater und trat mit selbstgebastelten Puppen in Schulen und auf Festen auf.
Nebenbei spielte sie Theater. In Potsdam. Nicht sehr erfolgreich. Bis Bertolt Brecht sie 1951 auf der Bühne sah – und zum Berliner Ensemble holte. Für 20 Jahre. Oft wurde sie als widerborstige Arbeiterin besetzt.
Agnes Kraus: Starke Frauenfiguren mit Berliner Schnauze
In den 50ern kam dann die DEFA. Lange nur mit kleinen Nebenrollen, wenn auch in großen Filmen („Karbid und Sauerampfer“, „Der geteilte Himmel“). Es brauchte die eine heitere Fernsehrolle, die das ganze Potenzial aus ihr herauskitzelte.
1969, Agnes Kraus war schon 58 Jahre alt, gelang ihr der große Durchbruch als Tante Minna in der TV-Serie „Dolles Familienalbum“. Gefolgt von der Rolle als Mutter Klucke in „Florentiner 73“ (1972).
Starke Frauenfiguren, die schlitzohrig-sympatisch mit Berliner Schnauze die Oberhand behielten, waren jetzt ihr Rollenfach. Wieder und immer wieder. Etwa neben Winfried Glatzeder in „Der Mann, der nach Oma kam“ (1972).

Der Sprung von der Neben- zur Hauptrolle kam dann drei Jahre später. Als Schwester Agnes wurde die Kraus zum Kult. Das Bild, wie sie mit Schwalbe, Haube und Krankenschwesternkittel duch die Lausitz brettert, grub sich ins kollektive Gedächtnis ein.
Und die Rolle der resoluten, aber warmherzigen Landkrankenschwester, die sich nicht nur in medizinischen Belangen fürsorglich um die Gemeinde kümmert, machte Agnes Kraus 1975 erstmals zum Fernsehliebling der DDR.
Mit genau diesem Film beginnt am Samstagvormittag (9 Uhr) die kleine Agnes-Kraus-Filmreihe im MDR. Auch in „Aber Doktor“ (Samstag, 10.30 Uhr) taucht Schwester Agnes wieder auf – diesmal als Zahnarzt-Sprechstundenhilfe, die für allerhand komisches Liebeswirrwarr sorgt, das sie dann resolut wie immer entwirrt.
In „Viechereien“ (Ostersonntag, 9.20 Uhr) wird aus Agnes Kraus die Tierarztwitwe Alma Krause. Namensähnlichkeiten gehörten bei ihren Rollen oft dazu. In dem amüsanten Film versucht sie ihren Neffen Heinz zu überzeugen, die Kleintierpraxis ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen. „Ganz auf die Schauspielkunst von Agnes Kraus mit ihrer grotesk langsamen Denkungsart und dem einprägsamen Berliner Tonfall zugeschnitten“, heißt es Lexikon des Internationen Films.
Agnes Kraus vererbte dem Tierpark 500.000 D-Mark
Die Viechereien waren so erfolgreich, dass es gleich zwei Fortsetzungen gab. Über „Oh, diese Tante“ (Ostersonntag, 10.40 Uhr) schreibt der MDR in der Programmankündigung: „Die tierliebe Tante Alma Krause hält nicht nur ihren Neffen Heinz in Schach, sondern auch ein wild gewordenes Wisent.“ Und in „Alma schafft alle“ (Ostermontag, 10.50 Uhr) brilliert die nun verheiratete Alma als Liebeskupplerin, die beim Kuppeln viele vergnügliche Fehler macht.
Doch schon 1986, mit 75 Jahren, zog sich Agnes Kraus vom Film zurück. Sie war schwer krank. Eine allergische Erkrankung machte weitere Engagements unmöglich. 1995 starb die Schauspielerin in Berlin-Friedrichsfelde. Beerdigt wurde sie im Familiengrab auf dem Waldfriedhof in Kleinmachnow.

Nach ihrem Tod zeigte sich, dass die Tierliebe ihrer Rolle als Alma Krause nicht nur gespielt war. Im Testament bedachte sie den Tierpark in Berlin mit 500.000 D-Mark.




