Sie waren Stars in der DDR

Björn Casapietra trauert um Eltern: „Mein Vater war ein ostdeutscher Wutbürger“

Opernsänger Björn Casapietra spricht erstmals so offen wie nie über seine Kindheit in der DDR.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Björn Casapietra (56) war einst Serien-Star („Unter uns“), jetzt ist er ein erfolgreicher  Sänger.
Björn Casapietra (56) war einst Serien-Star („Unter uns“), jetzt ist er ein erfolgreicher Sänger.Gerd Engelsmann

Er war ein TV-Star, spielte in der RTL-Serie „Unter uns“, moderierte jahrelang das „ZDF-Sonntagskonzert“. Heute ist Björn Casapietra (56) ein begnadeter Sänger, der mit seinen „Himmelsliedern“-Konzerten vor allem Kirchen füllt. Sein Talent verdankt er vor allem seinen Eltern, einer italienischen Opernsängerin und einem Chefdirigenten, die beide Stars in der DDR waren. Noch immer trauert er um sie, obwohl Casapietra keine einfache Kindheit hatte.

Björn Casapietra: Silly-Gitarrist ist sein Halbbruder

Von der TV-Seifenoper zum gefeierten Opernsänger: Seit Jahren begeistert Casapietra (Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker ist sein Halbbruder) die Menschen mit seinen Konzerten in Kirchen und Sälen. Mit Songs, die Herz und Seele berühren. Mit geistlichen Liedern wie „Tochter Zion“, Mozarts „Ave Verum“ oder dem Leonard-Cohen-Hit „Hallelujah“.

„Mit diesen Liedern möchte ich den Menschen Kraft und Hoffnung geben“, sagt Casapietra. Gerade in Zeiten, in denen wir den Krieg gegen die Ukraine und eine Weltwirtschaftskrise erleben, sei das wichtig. Dass Musik die Kraft hat, Menschen Hoffnung zu geben, das habe Casapietra von seinen Eltern, wie er jetzt im „ARD-Mittagsmagazin“ erzählte.

Das Bild zeigt ein CD-Cover zu Aufnahmen mit dem DDR-Stardirigenten Herbert Kegel.
Das Bild zeigt ein CD-Cover zu Aufnahmen mit dem DDR-Stardirigenten Herbert Kegel.Altnmusic

Sein Vater war Herbert Kegel, einer der Star-Dirigenten in der DDR. Die italienische Opernstar-Mutter Celestina Casapietra war Björns Mutter. Wie tief seine Eltern in ihm wirken, das merke der Sänger bei seinen Konzerten.

„In mir kämpfen zwei Welten“, sagt Casapietra. „Einerseits mein Vater. Mein Vater war so ein richtiger ostdeutscher Wutbürger, der die Kirche gehasst hatte mit ihrem Pomp und Reichtum. Meine Mutter war eine halbe Priesterin. Also katholisch ohne Ende. Halt Italien.“

Mutter Celestina Casapietra war ein DDR-Opernstar

Der Vater von Casapietra starb 1990, seine Mutter vor zwei Jahren. Die italienische Sopranistin, die in Mailand debütierte, hatte 1966 wegen ihrer Liebe zum Star-Dirigenten Herbert Kegel ihre Heimat verlassen und ging in die DDR.

Sie brillierte in den Werken von Mozart und Strauss. Unvergessen sind ihre Auftritte bis heute, wenn sie etwa im weißen Kleid als Elisabeth in der Wagner-Oper „Tannhäuser“ auf der Bühne der Staatsoper Berlin ihre grandiosen Arien sang und für Gänsehaut beim Publikum sorgte.

Er vermisst seine Eltern, er trauert um sie, noch heute, sagt Casapietra im ARD-Mittagsmagazin. Dabei hatte er keine einfache Kindheit. „Ich hatte Eltern, die sehr auf sich fixiert waren.“ Dabei hatte Casapietra als Kind und Jugendlicher in der DDR aufgrund seiner Eltern eine Art Sonderstellung.

Sohn und Mutter im Duett: Björn Casapietra und Celestina Casapietra bei einem Auftritt in der ZDF-Muttertagsshow (2005)
Sohn und Mutter im Duett: Björn Casapietra und Celestina Casapietra bei einem Auftritt in der ZDF-Muttertagsshow (2005)Sven Simon/imago

„Ich war Italiener in der DDR“, sagt er. „Mein Vater war ein berühmter Dirigent, meine Mutter eine berühmte Opernsängerin. Nach außen wirkte das sehr schön.“

Dabei war das gar nicht so. „Mein Vater war immer weg. Meine Mutter war immer weg. Und wenn sie dann mal da waren, dann haben sie nur gestritten. Ich musste dann als Sechs-, Siebenjähriger immer wieder dazwischengehen und beide voneinander fernhalten.“

Bjön Casapietra: „Ich war ein einsames Kind“

Davor fliehen konnte er nicht. „Ich hatte keine Oma, keinen Opa. Ich hatte nur unseren Garten, unser wunderschönes Wassergrundstück. Jeder Baum war mein bester Freund. Im Grunde war ich ein sehr einsames Kind.“

Und dennoch verehrt er seine Eltern. Vor zwei Jahren, kurz nach dem Tod seiner Mutter, widmete er ihr seine Konzerte. „Meine Mutter war ein guter Mensch. Sie war eine atemberaubende Sängerin und so will ich sie in Erinnerung behalten“, sagte der Sänger damals dem KURIER. Ohne sie wäre er nie das geworden, was er heute ist: Tenor, Schauspieler, Moderator, so Björn Casapietra.

Am 30. August ist der Sänger mit seiner „Himmelslieder 2.0“-Tour in Fürstenberg an der Havel. Danach freut er sich schon auf die traditionellen Weihnachtskonzerte. Seine „Christmas Love Songs“-Konzerte finden unter anderem in der Berliner Umgebung in der St.-Nicolai-Kirche in Oranienburg (29.11.) und in der Kreuzkirche in Königs Wusterhausen (22.12.) statt.

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