Der Ostkreuz-Kiez in Friedrichshain und die Poller. Der eine oder andere Anwohner freut sich über das Projekt des grün geführten Bezirks, weil weniger Durchgangsverkehr herrscht. Andere leiden unter dieser Art der Verkehrsberuhigung. Vor allem Gewerbetreibende. So wie Anee.
An der Revaler Straße stehen seit Anfang März Poller
Sie lebt in der Haasestraße und betreibt eine Firma für Eventdekoration. An der Ecke Revaler Straße und Haasestraße wurden Anfang März Poller installiert. Die Deutsch‑Thailänderin sagt: „Meine Nachbarin hat mir davon erzählt, aber ich dachte zunächst: Mal sehen, ob das wirklich passiert.“ Es passierte.
Anee: „Mich enttäuscht, dass ich nicht mehr richtig arbeiten kann. Alles dauert viel länger und ist körperlich anstrengender für mich.“
Ihr Problem: Sie be- und entlädt vor ihrer Haustür. Wenn sie ihr eigenes Auto holt, dann holt sie es aus der Tiefgarage, die sich im Gebäude befindet. Die Ein‑ und Ausfahrt befindet sich um die Ecke. Der Weg dorthin dauert zu Fuß nicht einmal eine Minute.

Ihr Pech: Zwischen Haustür und Garage stehen nun Poller. Holt sie ihr Auto aus der Tiefgarage, beträgt der Weg nicht mehr 100 Meter, sondern etwa 2,5 Kilometer, da sie nun einmal im Kreis fahren muss – über die Warschauer Straße. Der Weg durch den Kiez mit seinen zahlreichen Einbahnstraßen bringt ihr keinen Vorteil.
Zwar kann sie direkt mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage fahren, muss jedoch bis zu ihrem Wagen vier Feuerschutztüren passieren. Da sie für ihre Ballondekorationen mitunter drei große Helium‑Druckgasflaschen transportieren muss, ist das für den Ein‑Frau‑Betrieb kaum zu bewältigen.

Hinzu kommt: Ihr Lager befindet sich zwar nur rund 350 Meter entfernt in der Revaler Straße, doch auch hier muss sie nun einen Umweg von mehr als zwei Kilometern in Kauf nehmen. Dort lagert unter anderem eine große Hüpfburg.
Zeitaufwand und Treibstoffverbrauch steigen
Die Folge: Zeitaufwand und Treibstoffverbrauch steigen, das Be‑ und Entladen wird deutlich aufwendiger. Ihr Equipment besteht zudem nicht nur aus Ballons. Es gehören auch Kisten dazu oder PVC-Wände, außerdem arbeitet sie viel zu Hause vor. „Montieren, streichen, tapezieren, malen, schleifen – alles Mögliche“, sagt sie. „Kürzlich hatte ich 500 Folienherzen für ein Event, die musste ich auf zwei Transporter verteilen.“
Die Rechnung ist einfach: Mietet sie einen Transporter, wird dieser nach Zeit und Kilometern abgerechnet. Durch die neuen Umwege im Kiez wird der Transport länger – und teurer.

„Ich suche aktuell ein neues Lager, aber das ist alles extrem teuer“, sagt Annee. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele große Firmen schließen ihre Lagerzufahrten nachts. „Ich habe manchmal Events, da geht der Abbau bis morgens um drei.“
Auch nach einer neuen Wohnung hat sie sich bereits umgesehen. Doch die Mutter eines fünfjährigen Sohnes sagt: „Eine Wohnung in diesem Preissegment als Alleinerziehende zu finden, ist nicht so einfach.“
Ans Aufgeben denkt Anee nicht: „Ich muss ja weitermachen und irgendwie Geld verdienen – für mich und meinen Sohn.“





