Bezirk dagegen

Nach Schlosspark und Co: Keine weitere Flüchtlingsunterkunft in Pankow

In der Elsa-Brändström-Straße soll eine leer stehende Immobilie für Geflüchtete genutzt werden.  Dagegen wendet sich jetzt die örtliche CDU.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Der leer stehende Plattenbau in Pankow soll Platz für 187 Geflüchtete bieten.
Der leer stehende Plattenbau in Pankow soll Platz für 187 Geflüchtete bieten.Hildebrandt

In einem großen Plattenbau in der Pankower Elsa-Brändström-Straße 51-53 sollen Geflüchtete einziehen. Dagegen spricht sich jetzt die CDU im Bezirk aus. Pankow nehme schon über Gebühr viele Menschen auf.

Wie soll das leer stehende Haus genutzt werden

Der helle, viegeschossige Bau an der Ecke Neumannstraße wurde 1997 als  Unterkunftswohnheim für den Bundesgrenzschutz ungebaut, die mittlerweile leer stehende Liegenschaft befindet sich im Besitz des Bundes. Anstatt Flüchlinge sollen hier lieber Azubis einziehen, fordert die Pankower CDU und spricht sich generell gegen weitere Flüchtlingsunterkünfte in Pankow aus.

Mit einem Antrag der Bezirksverordneten Prof. Antje Tölle fordert die CDU das Bezirksamt Pankow auf, die ablehnende Position auch gegenüber der zuständigen Senatsverwaltung zu vertreten und zugleich alternative Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude zu prüfen.

Infrastruktur stößt an Grenzen

Pankow sei seit Jahren in besonderem Maße mit der Unterbringung und der Integration von Geflüchteten gefordert. Die soziale Infrastruktur ist dabei vielerorts längst an ihre Grenzen gestoßen.

Tatsächlich sind in Pankow mit derzeit 5486 Menschen über 15 Prozent aller geflüchteten Menschen untergebracht. Der höchste Wert von alen Bezirken.  17 Gemeinschaftsunterkünfte gibt es nach Daten des LAF im Bezirk bereits.

Eine weitere Containerunterkunft am Blankenburger Pflasterweg sollte mit 500 Plätzen noch hinzu kommen, die Pläne werden aber zumindest bis 2027 nicht vorangetrieben, weil weniger Geflüchtete nach Berlin kommen. Sie können aber jederzeit aktiviert werden. Das geht aus dem halbjährlicher Bericht zur Geflüchteten-Unterbringung 1. Halbjahr 2025 vom März 2026 hervor. 

Der Plan, eine Containerunterkunft in der Eldenaer Straße 33 in Berlin-Pankow zu bauen, wurde hingegen ganz aufgegeben. Währenddessen eine neue Unterkunft in der Diesterwegstraße Ende 2025 eröffnet wurde.

Schulen in Pankow sind voll

Pankow kann wichtige Integrationsarbeit nicht gewährleisten: So hat die zuständige Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung Ende 2025 festgestellt, dass es im Bezirk unter anderem erhebliche Defizite beim Übergang von Willkommensklassen in den Regelunterricht gibt.

Auch der Bedarf an speziellen Schulangeboten, etwa zur Alphabetisierung, kann nicht gedeckt werden. Gleichzeitig sind zentrale Akteure im Bezirk wie Integrationslotsen und Stadtteilzentren stark ausgelastet, argumentiert die CDU.

Dichte an Flüchtlingsunterkünfte

Hinzu kommt die hohe Dichte bereits bestehender Unterkünfte im unmittelbaren Umfeld. So befinden sich in der Berliner Straße sowie in der Treskowstraße bereits zwei große Einrichtungen mit mehreren hundert Plätzen.

Auch in der Mühlenstraße befindet sich eine Unterkunft für Geflüchtete, im Schloßpark-Kiez wird seit Jahren um den Bau zweier weiterer Häuser für circa 400 Geflüchtete gerungen.

Günstiger Wohnraum für Azubis wird gebraucht

„Eine weitere Unterkunft in der Elsa-Brändström-Straße würde die ohnehin angespannte Situation noch weiter verschärfen. Stattdessen soll eine alternative Nutzung des Gebäudes, etwa als dringend benötigter Wohnraum für Auszubildende, geprüft werden“, fordert die CDU.

In diesem Innenhof sollen ebenfalls Häuser für Geflüchtete gebaut werden.
In diesem Innenhof sollen ebenfalls Häuser für Geflüchtete gebaut werden.Benjamin Pritzkuleit

Pankow erbringt seit Jahren eine überproportional große Leistung bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten. Unsere Schulen, sozialen Einrichtungen und Integrationsangebote stoßen längst an ihre Grenzen“, so Prof. Antje Tölle. „Weitere große Unterkünfte in bereits stark belasteten Ortsteilen sind deshalb nicht der richtige Weg. Wir lehnen eine Inbetriebnahme der Unterkunft in der Elsa-Brändström-Straße strikt ab.“

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