„Morgens um halb zehn in Deutschland“: Auf dem Bahnhof Wannsee ist der legendäre Werbespruch für einen Frühstückssnack wahr geworden! Seit der Sommerzeit-Umstellung streiken dort die Bahnhofsuhren. Sie blieben morgens um 9.30 Uhr stehen. Ihre Zeiger verharren bis heute in dieser Position.
S-Bahn-Panne in Berlin: Mit der Zeitumstellung fing es an
Die Fahrgäste schien es zunächst auch nicht zu stören, als am Tag nach der Sommerzeit-Umstellung (29. März) die Uhren auf dem Bahnhof nicht funktionierten. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass in Berlin nach so einem Akt öffentliche Uhren an Rathäusern oder auf Bahnhöfen einfach auf der Strecke bleiben. Meistens ist die Panne nach wenigen Tagen behoben.
Nicht so am Bahnhof Wannsee. Entweder scheint es die S-Bahn oder den Bahnkonzern nicht zu interessieren, oder sie sind nicht in der Lage, die Uhren zu reparieren. Nach fast acht Wochen funktionieren neun der insgesamt 13 Bahnhofsuhren in Wannsee noch immer nicht.

Nur die Zifferblätter der defekten Uhren wurden mit schwarzen Klebebändern durchkreuzt. Damit weiß nun auch wirklich jeder Fahrgast, dass bei der Bahn in Wannsee die Uhren anders ticken – nämlich überhaupt nicht.
Das Ganze hat ja auch seinen Vorteil – vor allem für die Bahn. Dank der stehen gebliebenen Uhren kann niemand auf den ersten Blick sehen, wie viel Verspätung so manche Züge haben – vor allem auf dem Bahnsteig für die Regionalzüge.
Uhren-Streik bei S-Bahn: Fahrkartenverkäufer regt sich auf
Ärgerlich wurde die Sache dennoch und machte den Fahrkartenverkäufer so richtig sauer. Ja, den gibt es am Bahnhof Wannsee wirklich noch. Denn vom Uhren-Streik war auch der historische Zeitmesser in der Vorhalle des Bahnhofs Wannsee betroffen.
Und das nervte den Fahrkartenverkäufer an seinem Schalter. „Auf eine Uhr zu sehen, die ständig halb zehn anzeigt, macht auch keinen Spaß“, sagt er.

Dazu bekamen er und seine Kollegen in den vergangenen Wochen ständig den Frust der Fahrgäste ab. „Sie ärgerten sich darüber, dass keiner etwas gegen die stehen gebliebenen Uhren unternimmt“, sagt der Verkäufer. „Die Kunden meinten, ich sollte doch endlich dafür sorgen, dass die Uhren wieder in Gang kommen und die richtige Zeit anzeigen.“
So geht das jeden Tag, erklärt der Fahrkartenverkäufer leicht gereizt. „Doch was soll ich machen? Ich sage den Leuten, sie sollen sich bei der S-Bahn oder beim Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf beschweren.“
Der KURIER fragte bei der Berliner S-Bahn an, warum in Wannsee die Bahnhofsuhren streiken. Gibt es bei den defekten Zeitmessern etwa auch ein Ersatzteilproblem? So wie bei den Rolltreppen, die am Berliner Hauptbahnhof wochenlang ausfielen, sodass die Fahrgäste ihre schweren Koffer über die normalen Treppen zum Zug schleppen mussten.
Das sagt die Bahn zu dem Uhren-Streik in Wannsee
Worauf ist bei der Bahn wirklich Verlass? In der Tat hat man auch bei den Uhren ein Ersatzteilproblem, das dafür sorgt, dass seit Ende März immer „morgens um halb zehn“ in Deutschland ist. „Das benötigte Ersatzteil ist identifiziert, jedoch noch nicht geliefert“, sagte ein Bahn-Sprecher dem KURIER.
Was kann denn das für ein Teil sein, dessen Ausfall gleich neun Bahnhofsuhren lahmlegt? Zunächst muss man wissen: Die bis zu 3.000 Bahnhofsuhren in Berlin werden zentral gesteuert – entweder über eine Hauptuhr, die alle Uhren im Bahnhof mit Minutenimpulsen synchronisiert, oder direkt per Funk.
Die Zeit selbst kommt von einem nationalen Zeitsignal, sodass überall die gleiche, exakte Zeit angezeigt wird.

Die Uhren am Bahnhof Wannsee werden über eine Hauptuhr gesteuert. Das ist kein Zeitmesser mit Stunden-, Minuten- und Sekundenzeigern, sondern ein Mini-Rechner. Er befindet sich in einem der Technikräume des Bahnhofs. Und in diesem Gerät soll ein Teil kaputt gegangen sein.
Es einfach so auszutauschen, scheint unmöglich zu sein. Das Ersatzteil wurde noch nicht geliefert. „Sobald das Ersatzteil vorliegt, wird der Defekt umgehend behoben. Doch wie lage das noch dauert, weiß keiner: „Über die Lieferzeit kann der Zulieferer keine verlässliche Angabe machen“, sagte der Bahn-Sprecher dem KURIER.
Die Bahn könne derzeit nichts anderes machen, als sich bei den Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Solche Sprüche hört man ja immer wieder, wenn es bei der S-Bahn oder beim Regionalverkehr in Berlin nicht so rund läuft.



