„Wenn wir nicht funktionieren, dann spürt es ganz Berlin“, sagt der neue Chef der Berliner S-Bahn, Heiko Büttner. Der Mann, der seit 2017 in München die S-Bahn leitete, will seit April in Berlin liefern. Sicherheit und Sauberkeit sind seine größten Baustellen.
Härtere Gangart gegen Obdachlose
Ab Juni will die Berliner S-Bahn daher ihre Züge häufiger reinigen lassen - mit sogenannten Reinigungsstreifen. Auch der Kurs gegen Störer unter den Fahrgästen oder gegen Obdachlose soll härter werden.
„Wenn Personen offensichtlich kein Beförderungsbedürfnis haben, werden wir sie des Zuges verweisen“, sagte Heiko Büttner. Die Streifen sollen „mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl“ vorgehen, versprach der neue Berliner S-Bahn-Chef. Aber auch mit Konsequenz. Das Unternehmen könne soziale Probleme nicht lösen. Es handle sich um eine gesamtgesellschaftliche, städtische Aufgabe, betonte er.
Reinigung während der Fahrt
Die neuen Unterwegsstreifen sollen künftig ab 5.00 Uhr morgens die Züge während der Fahrt reinigen oder weitere Reinigungsleistungen bestellen, wenn das nötig sei, sagte der neue S-Bahnchef Heiko Büttner.
Die Reinigungskräfte sollen dabei von der DB Sicherheit begleitet werden. Störer unter den Fahrgästen und Obdachlose sollen öfter der Züge verwiesen werden.
„Ziel ist es, während des Einsatzzeitraums rund zwei Drittel aller eingesetzten Züge während der Fahrt zusätzlich durch diese Teams zu kontrollieren und zu reinigen“, hieß es von der S-Bahn.

Das Programm koste in diesem Jahr mehr als eine Million Euro. Die Reinigungsleistung solle so um 12 bis 13 Prozent erhöht werden. Weil noch Personal angeheuert werden müsse, werde die „volle Leistung“ voraussichtlich im August erreicht, sagte Büttner.
Kein Respekt mehr vor öffentlichen Anlagen
Der neue S-Bahnchef betonte, dass Sicherheit und Sauberkeit in den Zügen auch bei anderen Bahnen in Deutschland derzeit wichtige Themen seien. „Der Respekt vor öffentlichen Einrichtungen und Anlagen ist ein gesellschaftliches Thema, der ist in den letzten Jahren spürbar gesunken“, sagte Büttner.
Dabei gehe es nicht nur um Übergriffe etwa auf Bahn-Personal oder andere Fahrgäste, sondern auch um Personen im Gleis - ein regelmäßiger Auslöser von Zugverspätungen oder auch Ausfällen.
„Wir verfolgen das bundesweit und tauschen uns aus, etwa in regelmäßigen Arbeitsgruppen mit Bundes- und Landespolizei“, sagte Büttner. An dem gesellschaftlichen Problem könne man kurzfristig nichts ändern, daher konzentrierten sich diese Arbeitsgruppen darauf, die Prozesse zu verbessern, um Strecken schnell wieder freizubekommen. „Da geht es zum Beispiel um mehr Zäune an neuralgischen Stellen“, sagte der neue S-Bahnchef.
Büttner hat den Vorsitz der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin am 1. April übernommen. Er freue sich auf die neue Aufgabe, habe aber auch großen Respekt davor. „Das ist für mich eine große Herausforderung, hier Verantwortung zu übernehmen“, so Büttner.
Für die Berliner bedeuten besonders oft Verspätungen und Baustellen eine Herausforderung. Während bei anderen S-Bahnen in Deutschland rund die Hälfte der Ausfälle mit Infrastrukturmängeln zu tun habe, stehe die S-Bahn in Berlin mit einem Anteil von einem Drittel noch gut da, berichtete Büttner.
Die Bauarbeiten, die den Berlinern den letzten Nerv rauben seien Teil der Lösung, nicht das Problem, so der 58-Jährige. Ein Drittel der Störungen beider S-Bahn hat mit der Infrastruktur zu tun.
Ein weiteres Drittel fällt in den Verantwortungsbereich der S-Bahn – etwa weil Züge defekt sind. Das dritte Drittel hat externe Faktoren als Ursache. Erst am Montag bremste ein Kabediebstahl den Zugverkehr in der Hauptstadt aus.




