Sie wirkt unscheinbar. Und dennoch möchte man die Überquerung der Hauptstraße in Lichtenberg auf Höhe des S-Bahnhofs Rummelsburg am liebsten meiden. Sie ist die Verbindung vom Wohngebiet zum Bahnhof und auch als Schulweg wichtig. Aber: zwischen der vierspurigen Hauptstraße – inklusive Straßenbahnschienen und Haltestelle – hindurchzuschlüpfen, ist riskant. Und das, obwohl Verkehrsschilder auf den Fußgängerüberweg hinweisen.
Senat verweist auf die Vorschriften
Alle wissen, wie unsicher die Lage ist, dennoch passiert seit über zwei Jahrzehnten nichts. Der Bezirk verweist auf die Stadt – und die zuckt mit den Schultern. Es gibt schließlich Vorschriften …
Warum die Situation tückisch ist: Die Fahrstreifen trennen sich kurz vor der rund 100 Meter entfernten Ampel an der Hauptstraße/Karlshorster Straße. Geradeaus geht es zum Ostkreuz, nach rechts Richtung Boxhagener Kiez. Heißt: Auf beiden Spuren herrscht mitunter unterschiedliches Tempo.
Hinzu kommt, dass Fußgänger ab und an auf den Gleisen warten müssen. Und wer glaubt, dass die Straßenbahn darauf Rücksicht nimmt, täuscht sich: Die Fahrer haben eine Klingel – und die nutzen sie auch.
Wer es dann über die Straße auf den Gehweg schafft, muss weiter aufpassen: Es gibt keinen Radstreifen. Also rauschen zusätzlich Zweiräder vorbei.

Kurzum: Die Situation ist für alle Verkehrsteilnehmer unbefriedigend. Dabei liegen die Lösungen eigentlich auf der Hand: ein Zebrastreifen oder eine Ampel. Doch beides ist nicht möglich …
Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt lehnt einen Zebrastreifen ab, weil „ein Fußgängerüberweg gemäß den Richtlinien nicht über mehr als einen Fahrstreifen pro Richtung angelegt werden darf. Eine solche Gestaltung wäre unfallträchtig, da Fahrzeugführende durch vorausfahrende Fahrzeuge im Nebenstreifen keine Querenden erkennen und entsprechend reagieren könnten.“
Bleibt eine Ampel. Geht auch nicht. Die SenMVKU: „Eine LSA (Lichtsignalanlage – d. Red.) ließe sich nicht in die Koordinierung zur folgenden Anlage Hauptstraße/Karlshorster Straße einpassen, da dort die beiden Fahrstreifen jeweils unterschiedliche Signalisierungen aufweisen (geradeaus und rechts). Eine Koordinierung wäre nur auf den Geradeaus- oder den Rechtsabbiegeverkehr möglich.“
Sie erklärt weiter: „Da beide Fahrstreifen stark belastet sind, würde sich der Verkehr auf dem jeweils nicht koordinierten Fahrstreifen über die neue Fußgänger-LSA stauen und zu entsprechenden Verkehrssicherheitsproblemen führen.“ Die SenMVKU schlägt „eine straßenbauliche Anpassung durch das Bezirksamt“ vor. „Wenn die BVG“, wie es heißt, „die Haltestellen nicht selbst umbaut“.
In Lichtenberg sind sich alle Parteien bei diesem Thema einig
Geht es nicht einfacher? Der KURIER fühlte in der Lichtenberger Politik vor. Ob Grüne, Linke, CDU, SPD oder BSW – alle sind sich einig: So geht es nicht weiter – und stellen sich gegen den Senat.
Filiz Keküllüoglu (Grüne), Lichtenbergs Bezirksstadträtin für Verkehr, Grünflächen, Ordnung, Umwelt und Naturschutz: „Uns erreichen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern sowie aus dem Umfeld der Schulwegsicherheit. Viele Menschen wechseln hier zwischen Straßenbahn und S-Bahn. Dafür braucht es sichere und gut verständliche Wegebeziehungen. Ich habe mich deshalb an den zuständigen Verkehrsstaatssekretär gewandt und um eine fachliche Prüfung der Situation in Verbindung mit einer Querungshilfe gebeten.“

Kristian Ronneburg (Linke) spricht von einem „Dilemma“, schlägt Folgendes vor: „Da der Senat eine Ampel und einen Zebrastreifen ablehnt, braucht es jetzt wenigstens als kleine Lösung eine Gehwegvorstreckung. Wir erwarten, dass die Planungen dafür zügig auf den Weg gebracht werden, da wir wissen, dass die Einrichtung von Querungshilfen für den Fußverkehr viel zu lange in unserer Stadt dauert.“
Die Idee von Lilia Usik (CDU): „So ein Fußgänger-Zwischenweg – das finde ich ehrlich gesagt gar nicht so schlecht.“ Sie fährt fort:
„Es fehlt ein bisschen der Wille beim Senat, etwas zu verändern. Deswegen sind wir bislang nicht weitergekommen.“





