Viel Kritik – gute Zahlen

Hauptstadt besser als ihr Ruf! Berlin glänzt im Deutschland-Ranking auf Platz 6

Berlin überrascht im Deutschland-Vergleich: In einer Studie landet die Hauptstadt locker in den Top 10 und gehört damit zur Spitzengruppe.

Author - Sebastian Karkos
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Das Leben in Berlin ist immer noch interessant und lebenswert. Hier fotografieren Touristen den Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.
Das Leben in Berlin ist immer noch interessant und lebenswert. Hier fotografieren Touristen den Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.Maurizio Gambarini/FUNKE/IMAGO

In und über Berlin wird gerne geschimpft. Aber vielleicht ist das Leben in der Hauptstadt gar nicht so schlecht. Legt man die „Daseinsvorsorge“-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zugrunde, gehört die öffentliche Grundversorgung in Berlin zu den besten in Deutschland!

Berlin schneidet beim Thema Gesundheit gut ab

Berlin landet bundesweit auf Platz 6. Beim Thema Gesundheit schneidet die Hauptstadt überraschend gut ab. Weniger überraschend: Auch die Freizeitangebote werden positiv bewertet.

In der Studie wurden sämtliche 10.817 Gemeinden in Deutschland untersucht – und zwar in folgenden Bereichen: Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit), Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen), Mobilität (Qualität von Brücken, Verbindungen im Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahnen und Flughäfen), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern und Museen) sowie Bildung (Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführenden Schulen, Gymnasien und Versorgung mit Kitas).

An der Spitze des Rankings steht das 23.000-Einwohner-Städtchen Haar am Rande Münchens. Es folgen Offenbach und Frankfurt am Main (beide Hessen). Auf dem letzten Platz liegt Hirschthal in Rheinland-Pfalz.

Neue und moderne Häuser prägen das Bild in der Gemeinde Haar bei München.
Neue und moderne Häuser prägen das Bild in der Gemeinde Haar bei München.Frank Hoermann/SVEN SIMON/IMAGO

Insgesamt schneidet Nordrhein-Westfalen am besten ab, während Schlusslichter vor allem in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern liegen. Neuenkirchen in der Nähe von Greifswald hat als Viertletzter den schwächsten Wert im Osten. Es folgen drei Orte aus Brandenburg: Mescherin (Uckermark), Kleßen-Görne und Havelaue (beide Havelland). Allerdings sind die Werte in Mecklenburg-Vorpommern nicht durchweg schwach: So liegt Güstrow auf Rang 20. Bester Ort auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist Radebeul (Sachsen) auf Rang 7, gefolgt von Friedrichsroda (Thüringen) auf Platz 10.

AfD-Anhänger sind überdurchschnittlich negativ

Insgesamt bewerten 53 Prozent der Menschen in Deutschland ihre „Daseinsvorsorge“ positiv, nur jeder Vierte ist unzufrieden. Auffällig: Während bei Anhängern von SPD, Union und Grünen etwa jeder Zweite seine Versorgung als zuverlässig einschätzt, zeigt sich bei AfD-Anhängern deutlich mehr Unzufriedenheit – 39 Prozent halten ihre „Daseinsvorsorge“ für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig.

AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr“, sagt IW-Studienautor Matthias Diermeier. Die Bewertung der lokalen Daseinsvorsorge sei, so Diermeier, jedoch elementar für die Zufriedenheit mit der Demokratie: „Will man der politischen Entfremdung entgegenwirken, reicht Geld allein nicht. Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr, wie diese wahrgenommen werden.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie bewerten Sie die Versorgungslage in Berlin? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com