Raub, Gold, Millionen-Beute

So wurde Berlin zur Clan-Hochburg und „Lost City“

Eine Stadt wie keine andere. Viele spektakuläre Fälle machten Berlin bundesweit zum Synonym für Organisierte Kriminalität.

Author - Sebastian Karkos
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Der Überfall auf einen Geldtransporter 2021 war spektakulär, genauso wie der Raub der Goldmünze (r.) 2017 aus dem Bode-Museum.
Der Überfall auf einen Geldtransporter 2021 war spektakulär, genauso wie der Raub der Goldmünze (r.) 2017 aus dem Bode-Museum.PRIVAT, DPA

Berlin und seine Clans. Die größte Stadt Deutschlands gilt auch als Hauptstadt der Clan- und Bandenkriminalität. Seit Jahren sorgen arabisch‑türkische, arabisch‑kurdische sowie palästinensischstämmige Großfamilien mit spektakulären Taten für Schlagzeilen. Was sie eint: Die Verbrechen werden teils nicht im Verborgenen begangen, sondern oft bewusst öffentlichkeitswirksam inszeniert.

Berlin ist immer einen Schritt weiter als Deutschland

Für Thomas Ganz ist Berlin auch deswegen eine „Lost City“, eine verlorene Stadt. Der Clan-Experte erklärt: „Das ist bewusst provokant formuliert. Für mich ist Berlin ein Brennglas. Denn Berlin ist, was Clan- und Bandenkriminalität angeht, immer einen Schritt weiter als der Rest Deutschlands.“

Der KURIER fasst die bekanntesten Fälle der vergangenen Jahre zusammen. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Berlin einen entsprechenden Ruf erarbeitet hat.

Im März 2010 überfallen maskierte Täter ein Pokerturnier im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz. Die Beute: rund 240.000 Euro Bargeld. Ermittlungen führen unter anderem zum Abou-Chaker-Clan. Mehrere Beteiligte werden später verurteilt, teils wegen schweren Raubes. Nach diesem Fall rücken arabische Großfamilien stärker in den öffentlichen Fokus.

Mitglieder des Remmo-Clans stehen nach dem Raub im Bode-Museum 2019 vor Gericht. Die Tat ereignete sich im März 2017.
Mitglieder des Remmo-Clans stehen nach dem Raub im Bode-Museum 2019 vor Gericht. Die Tat ereignete sich im März 2017.Olaf Wagner

Im Dezember 2014 stürmen am Vormittag fünf maskierte Täter mit Äxten, Macheten und Reizgas die Juwelierabteilung des KaDeWe. Der Überfall dauert 79 Sekunden. Die Beute: Schmuck und Luxusuhren im Wert von rund 817.000 Euro. Ermittler ordnen die Tat dem Al‑Zein‑Clan zu. Jehad Al Zein wird später zu sechs Jahren und acht Monaten Haft wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Im März 2017 wird die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum gestohlen – sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Versicherungswert: 4,2 Millionen Euro. Involviert ist der Remmo‑Clan. Mehrere Täter werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen 2019 vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen 2019 vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.Sebastian Kahnert/DPA

Im November 2019 sorgt ein spektakulärer Einbruch in Dresden für bundesweite Schlagzeilen. Täter dringen in das historische Grüne Gewölbe ein und stehlen innerhalb weniger Minuten 21 Schmuckstücke mit 4300 Diamanten. Versicherungswert: mehr als 100 Millionen Euro – es ist einer der spektakulärsten Kunstraube Europas.

Aufgrund von Parallelen zum Raub im Bode-Museum wird auch diese Tat dem Berliner Remmo‑Clan zugerechnet. Fünf Täter werden später zu Haftstrafen zwischen vier und sechs Jahren verurteilt. Teile der Beute tauchen wieder auf, zentrale Stücke fehlen jedoch bis heute.

Im Februar 2021 überfallen vier als Müllmänner verkleidete Täter einen Geldtransporter vor einer Bankfiliale am Kurfürstendamm. Die Tat ist auch deshalb spektakulär, weil sie gefilmt wird. Die Beute: rund 650.000 Euro. Der Überfall wird dem Remmo‑Clan zugeordnet. Einer der Täter ist ein Neffe von Clan-Oberhaupt Issa Remmo. Der Haupttäter legt ein Geständnis ab und wird zu sieben Jahren Haft wegen schweren Raubes verurteilt. Vier weitere Beteiligte sind bis heute nicht gefasst.

2010 waren Bushido (l.) und Arafat Abou-Chaker noch Freunde und Geschäftspartner.
2010 waren Bushido (l.) und Arafat Abou-Chaker noch Freunde und Geschäftspartner.Jens Kalaene/DPA

Ein jahrelanger Rechtsstreit endet im Januar 2026. Nach einem Urteil muss Arafat Abou‑Chaker rund 1,8 Millionen Euro zuzüglich Zinsen an den Rapper Bushido zahlen. Hintergrund: Das Gericht erkennt keinen wirksamen Managementvertrag zwischen beiden an. Der Fall gilt als Schlüsselfall für die Verflechtungen zwischen Clanmilieu, Unterhaltungsbranche und Justiz.

Damit steht Berlin wie kaum eine andere Stadt für die Zuspitzung und Sichtbarkeit von Clan- und Bandenkriminalität in Deutschland.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Warum ist Berlin die Hauptstadt für Clan- und Bandenkriminalität? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com