Tränen der Trauer, Erinnerungen und Schampus auf die Lütte: Über 100 Menschen kamen zur Urnen-Beisetzung der DDR-Sängerin Angelika Mann auf den Friedhof Stubenrauchstraße in Schöneberg. Von Jörg Kachelmann bis Silly erschienen Freunde und Kollegen, um von der Lütten Abschied zu nehmen – auch mit Champagner.
Trauergäste stoßen mit Schampus an: „Tschüss, Lütte!“
Dieser Friedhof ist schon ein Ort der Legenden. Marlene Dietrich ruht hier, auch der Starfotograf Helmut Newton. Ein Künstlerfriedhof, auf dem nun auch die Lütte ihre letzte Ruhestätte gefunden hat, die Ende Januar im Alter von 76 Jahren an Krebs gestorben war.
Nur einen Katzensprung entfernt liegt ihr Grab, ganz in der Nähe der Ruhestätte von Franz Bartzsch (starb 2010). Auch eine DDR-Legende, der für die Lütte Hits schrieb wie das „Schampus-Lied“.
„Trink den Champagner wie das Leben“: Der Song war ein Hit in der DDR. Und er ist auf dem Friedhof zu hören. An einer Sektbar vor der Kapelle, die Lüttes Mann Ralf Rasch (73) und ihre Tochter Ulrike vor der Friedhofskapelle aufgebaut hatten.
Echter Champagner ist dabei, die edle Flaschengärung von Rotkäppchen, auch alkoholfreier Sekt. Dazu erklingt das Schampus-Lied. Der Lütten hätte es gefallen, wie viele der Trauergäste den Blick zum Himmel schickten und sich dann mit den Gläsern zuprosteten.

Wie Monika Erhardt-Lakomy, die Witwe von DDR-Legende Reinhard Lakomy (78), dem Entdecker der Lütten. Einen Blumenstrauß hat sie dabei, in dem sich ein Herz befindet, auf dem die Bitte steht, die Lütte soll ihren Lacky grüßen.
Monika Erhardt-Lakomy staunt, wie viele Künstler zum Abschied von Angelika Mann gekommen sind. „Die Lütte hat es geschafft, sie führt uns alle zusammen“, sagt Lackys Witwe.
Angelika Mann: Promis aus Ost und West kamen
In der Tat, vor der Kapelle stehen viele Prominente aus Ost und West. Der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss (62, „Der Alte“), Berlins Swing-König Andrej Hermlin (60), der Gründer des Berliner Theaterclubs Otfried Laur (83) und seine Frau Reni – auch Wettermann Jörg Kachelmann (67) ist da.

Der Schweizer und die Lütte: Sie waren für ein paar Jahre ein Paar auf der Bühne in der Comödie Dresden. Kachelmann erinnert sich gerne daran, wie er und Angelika Mann dort eine Talkshow machten. „Für mich war das ein Warmlaufen als Moderator für ,Riverboat‘“, sagt er. „Die Lütte war ein wunderbarer Mensch.“

Jazzsängerin Uschi Brüning (76) sagt: „Sie war ein Fels in der Brandung der DDR-Kultur. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass sie nicht mehr da ist.“ Zwei Tage vor dem Tod der Sängerin hatte Uschi Brüning noch mit der Lütten telefoniert. „Sie lag im Krankenhaus, machte uns Hoffnung, dass alles gut wird. Ich habe gehofft und daran geglaubt, dass sie es auch wirklich schafft, den Krebs zu besiegen.“

Entertainerin Dagmar Gelbke (76) erscheint mit einem schwarzen Kleid, das einmal der Lütten gehörte, die es ihr geschenkt hatte. Einen blühenden Pfirsichzweig aus ihrem Garten hält Gelbke in der Hand. „Ein Zweig, der abgeschnitten wurde: Es sind Blüten, die man mitten aus dem Leben riss – so wie die Lütte.“




