Eine echte Sensation

Vergessenes DDR-Konzert von Reinhard Lakomy und Mick Jagger wieder da

Zum 80. Geburtstag von Reinhard Lakomy kommt das ungewöhnliche Konzert als Album heraus.

Author - Norbert Koch-Klaucke
Teilen
Reinhard Lakomy bei einem Auftritt (2007)
Reinhard Lakomy bei einem Auftritt (2007)Starmedia/imago

Liedermacher, Jazzer, mit seiner Frau Monika erschuf er die legendären Kinderlieder-Geschichten vom „Traumzauberbaum“: 80 Jahre wäre jetzt Reinhard Lakomy (starb 2013) geworden, der auch zu den Vätern der elektronischen Musik in der DDR gehörte. Zum Jubiläum kommt jetzt heraus: Lacky stand zwar nie mit den Rolling Stones auf der Bühne. Doch mit Mick Jagger hat er quasi im Palast der Republik gespielt.

DDR-Star Reinhard Lakomy: Was war da mit Mick Jagger?

Fans werden jetzt ungläubig mit ihren Köpfen schütteln. Lacky, der am 19. Januar 1946 zur Welt kam, war ohne Frage ein Musik-Genie. Er arbeitete mit Angelika „Lütte“ Mann, Nina Hagen und Uschi Brüning. Er arrangierte die DDR-Alben von Manfred Krug, sang selbst Hits wie „Heute bin ich allein“.  Aber was war denn das mit Mick Jagger?

Mick Jagger (M.) mit den Rolling Stones in den 70er-Jahren
Mick Jagger (M.) mit den Rolling Stones in den 70er-JahrenZUMA/imago

Ja, da war etwas. Und man kann es auch bald hören. Denn Lackys Witwe, Monika Erhardt Lakomy (78), bringt ein bisher unveröffentlichtes Album des Musikers mit elektronischer Musik heraus.

„Es ist ein Mitschnitt eines Konzertes, das Lacky 1985 im Palast der Republik spielte. Dabei kam unter anderem auch ein Synthesizer zum Einsatz, der ursprünglich Mick Jagger gehörte“, sagt Lakomys Frau dem KURIER.

Unglaublich, aber wahr. Das kleiderschrankgroße Instrument hat kein geringerer als Synthesizer-Erfinder Robert Moog (1934–2005) für Jagger gebaut.

Das Tasten-Modul einer Moog-Synthesizers aus den 60er-Jahren. Der weitere Instrumentenaufbau hatte die Größe eines Kleiderschrankes.
Das Tasten-Modul einer Moog-Synthesizers aus den 60er-Jahren. Der weitere Instrumentenaufbau hatte die Größe eines Kleiderschrankes.Pond5 images/imago

Der Stones-Sänger kaufte Ende der 60er-Jahre das Teil, als er anfing, mit elektronischer Musik zu experimentieren. Im Promo-Clip zu dem Fantasyfilm „Performance“ ist Jagger zu sehen, wie er auf diesem Synthesizer ein Musikstück spielt, das er für diesen Streifen komponiert hatte.

Band aus West-Berlin verkaufte Jaggers Synthi

Und wie kam Lacky an das gute Stück? „Jagger hatte an dem Instrument bald die Lust verloren, und Edgar Froese erwarb den Synthesizer“, sagt Lackys Frau. Zur Erklärung: Froese war Gründer der elektronischen Band Tangerine Dream aus West-Berlin. „Tangerine Dream traten in der DDR auf. So kam es, dass Edgar Froese den Jagger-Synthesizers an Lacky verkaufte, weil die Band das Instrument nicht mehr brauchte.“

Tangerine Dream bei einem Konzert im Palast der Republik in den 80er-Jahren. Links im Bild: Edgar Froese
Tangerine Dream bei einem Konzert im Palast der Republik in den 80er-Jahren. Links im Bild: Edgar FroeseBrigani Art/imago

Ob es die Synthesizer-Rarität, die so groß wie ein Kleiderschrank war, noch gibt? Lange behielt Lakomy sie offenbar auch nicht. „Wir haben den Synthesizer wieder verkauft“, sagt seine Witwe.

An wen, weiß sie nicht mehr. Dafür gibt es aber nun das Album „Palastkonzert“, auf dem das Jagger-Instrument zu hören ist. Die Aufnahmen hatte damals übrigens der Rundfunk der DDR gemacht.

Monika Ehrhardt-Lakomy führt das Werk ihres Mannes fort.
Monika Ehrhardt-Lakomy führt das Werk ihres Mannes fort.Sabine Gudath

Jazz, Schlager, Chanson, „Traumzauberbaum“-Kinderlieder, und nun die Erinnerung an seine elektronische Musik: „Lacky war ein Ausnahmekünstler“, sagt seine Frau. Die neue Platte, eine Lakomy-Ausstellung in Magdeburg, ein neues Musical mit den „Traumzauberbaum“-Hits soll es noch zu Lackys Ehren geben. „Wir feiern das ganze Jahr seinen Geburtstag“, sagt Monika Ehrhardt-Lakomy.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com