Mit „Medic Quadriga“ 2026 startet die Deutsche Bundeswehr im März in Berlin und Brandenburg die größte und komplexeste Sanitätsübung seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Übung soll die komplette Rettungskette in einem Artikel‑5‑Szenario, dem NATO-Bündnisfall, vom Verwundetentransport im Einsatzgebiet bis zur Weiterverteilung in deutsche Kliniken simulieren.
Wer nimmt an der Bundeswehr-Übung teil?
Dazu werden in den nächsten Tagen und Wochen über 1.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Litauen und Brandenburg üben. Auf ziviler Seite wirken mehr als 250 Einsatzkräfte mit – darunter DRK, Johanniter, Malteser, DRF Luftrettung, ADAC Luftrettung, Feuerwehr, Landespolizeien, Senat Berlin, Landesregierung Brandenburg sowie die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH.

Deutschland als Hinterland-Drehscheibe
Wenn es an der NATO-Ostgrenze zu einem Konflikt kommt, müssen Verwundete im Ernstfall schnell aus dem Einsatzraum nach Deutschland gebracht und dort medizinisch weiterverteilt werden können.
Da der Sanitätsdienst der Bundeswehr in dem Fall in der Nähe der Front eingesetzt wäre, wie die Bundeswehr erläutert, ist die Armee im Hinterland auf zivile Partner angewiesen. Dieses Zusammenspiel wird erstmals in der Mega-Übung geprobt.
Am Flughafen BER entsteht dafür ein medizinischer Hub, ein Stützpunkt, betrieben von einer gemeinsamen Medical Task Force der Bundeswehr sowie der Länder Berlin und Brandenburg. Von hier aus werden dann Verletzte auf weitere Kliniken verteilt.

Gibt es Einschränkungen am BER?
Für die Öffentlichkeit bringt Medic Quadriga 2026 praktisch keine spürbaren Einschränkungen mit sich. Die Bundeswehr hat die Übung so angelegt, dass das normale Leben in Berlin und Brandenburg weiterläuft, ohne dass Straßen gesperrt oder der Alltag beeinträchtigt wird. Der Großteil des Szenarios findet auf einem abgesperrten Gelände an der Landesgrenze statt, fernab des regulären Publikumsverkehrs.

Am ExpoCenter Airport auf dem BER‑Gelände wird ein militärischer Sicherheitsbereich eingerichtet. Dieser Bereich ist während der gesamten Übung nicht zugänglich und wird rund um die Uhr militärisch bewacht. Für Passagiere, Pendlerinnen und Pendler oder Anwohnende gibt es keine Einschränkungen.
Auch der Luftraum bleibt frei: Obwohl einzelne Luftfahrzeuge eingesetzt werden – darunter ein A330 MRTT für Verwundetentransporte – kommt es zu keinerlei Beeinträchtigungen des zivilen Flugverkehrs.
Die Bundeswehr wies auch darauf hin, dass es sich bei „Medic Quadriga“ um eine geplante Übung handelt. Alle dargestellten Verletzungen seien simuliert. Für die Bevölkerung bestehe zu keiner Zeit eine Gefahr. Sichtbare militärische oder sanitätsdienstliche Aktivitäten, insbesondere im Umfeld des Flughafens BER, seien Teil des Übungsszenarios.
Kein Interesse an Bundeswehr-Fragebogen
Während die Bundeswehr mit großem Aufwand für einen Kriegseinsatz übt, haben die neuen Wehrpflichtigen wenig Interesse an den kürzlich versendeten Fragebögen. Jeder zweite junge Mann, der bislang einen Fragebogen zum geplanten neuen Wehrdienstmodell erhalten hat, hat nicht geantwortet, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), lediglich rund sechs Prozent der Frauen haben sich zurückgemeldet.
Seit Beginn des Jahres verschickt die Bundeswehr an alle jungen Menschen, die volljährig werden, einen standardisierten Fragebogen. Ziel ist es, systematisch zu erfassen, wer für einen möglichen Dienst in den Streitkräften geeignet und grundsätzlich bereit wäre, diesen anzutreten.
Für Männer ist das Ausfüllen des Fragebogens verpflichtend, auch wenn daraus zunächst noch keine unmittelbare Einberufung folgt. Frauen sind nicht zur Rückmeldung verpflichtet.
Anfang Februar hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärt, dass rund 40.000 Fragebögen verschickt worden seien.


