Seid ihr noch ganz dicht?

Warum eine Fahrt mit der U-Bahn in Berlin einfach widerlich ist

Noch immer steckt Berlin mitten in der Erkältungszeit – in der sich leider nicht jeder wie ein normaler Mensch verhält. Ein Kommentar.

Author - Florian Thalmann
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Überfüllte U-Bahnen sind nicht schön, erst recht nicht in der Erkältungszeit.
Überfüllte U-Bahnen sind nicht schön, erst recht nicht in der Erkältungszeit.PEMAX/imago

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin gern gesund. Natürlich: Jeden Erwachsenen ereilt zwei- bis dreimal im Jahr eine Erkältung. Der Schnupfen und der Husten gehören, vor allem in der Wintersaison, zum Programm. Auch zurzeit wird ordentlich geröchelt und geschnieft, gefühlt ist jeder Zweite krank. Und zwar nicht zu Hause im Bett, sondern einfach überall! Wann haben wir eigentlich verlernt, uns wie normale Menschen zu benehmen?

U-Bahn-Fahrten sind gerade einfach ekelhaft

In einer Stadt wie Berlin leben unglaublich viele Menschen auf engstem Raum – und enger als im Berufsverkehr geht es dabei kaum. Volle U-Bahnen, volle S-Bahnen und volle Straßenbahnen versauen vielen, die am Morgen zur Arbeit müssen, auf Anhieb die Lust. Doch als wäre es nicht schon überfüllt genug, fährt momentan auch der Ekel mit. Denn überall wird gehustet, geschnäuzt und geschnieft.

Wir befinden uns mitten in der Erkältungszeit – und nachdem erst vor ein paar Jahren die Corona-Pandemie ganz Deutschland in Atem hielt und ausbremste, könnte man eigentlich erwarten, dass das Sozialverhalten der meisten Menschen durch die Lockdowns geschärft wurde. Man trug Masken, man hielt Abstand, man begab sich nicht krank in die Menschenmenge. Doch all das, was wir vor Jahren lernten, scheint heute vergessen – und in der U-Bahn lauert der absolute Ekel!

Er krank ist, gehört ins Bett – und nicht in die öffentlichen Verkehrsmittel.
Er krank ist, gehört ins Bett – und nicht in die öffentlichen Verkehrsmittel.Bihlmayerfotografie/imago

Morgens, auf dem Weg zur Arbeit: Direkt schlechte Laune! Ich stehe in der U-Bahn, höre es in ein paar Metern Entfernung herzhaft röcheln. Weil ich vermeiden will, mich anzustecken, wechsle ich in den nächsten freien Bereich an den Türen. Kaum stehe ich dort, schon zieht direkt vor mir ein Mann, dem die Nase läuft, kräftig seinen Schleim hoch. Lecker! Weiter brauche ich gar nicht gehen, denn im nächsten Abteil sehe ich, wie eine Frau vor sich hin hustet – und still leidet, anstatt krank im Bett zu bleiben.

Husten in der U-Bahn: Was ist verkehrt mit euch?

Besonders lieb gewonnen habe ich eine Kategorie Menschen, die ich inzwischen zu den echten Ekelpaketen zähle. Und obwohl ihr Verhalten absolut asozial ist, begegnen sie mir immer wieder. Menschen, die husten, einfach husten, immer raus mit dem Schleim, gern auch in der U-Bahn – und sich dabei nicht einmal die Hand vor den Mund halten. Was genau läuft eigentlich falsch mit euch? Wollt ihr euren eigenen Dreck nicht in der Handfläche oder in der Armbeuge haben und spritzt ihn deshalb lieber euren Mitreisenden ins Gesicht? Habt ihr gar keinen Anstand? Oder hat euch Mutti, wie man so schön sagt, mit dem Klammerbeutel gepudert?

Husten, Schnupfen, Fieber? Wer so krank ist, gehört auf jeden Fall ins Bett!
Husten, Schnupfen, Fieber? Wer so krank ist, gehört auf jeden Fall ins Bett!Zoonar/imago

Wenn ich in der Erkältungszeit mit der U-Bahn fahre, fange ich an, Menschen zu hassen. Es macht mich wütend, dass sich etliche Menschen dem Virenterror aussetzen müssen – nur weil ein paar nicht in der Lage sind, vernünftig mit ihren Erkrankungen umzugehen. Natürlich muss man nicht mit jeder Mini-Erkältung zu Hause bleiben – doch Leute, die keine zwei Minuten ohne schleimigen Husten auskommen oder denen der Fieberschweiß über die Stirn trieft, gehören nicht in die U-Bahn.

Während Corona galt: Wer krank war, blieb zu Hause

In den Verkehrsmitteln kann man sehen, was wir nach der Pandemie wieder verloren haben. Es gab eine Zeit, da ist die Gesellschaft zusammengerückt. Da gab es Nachbarschaftshilfe, Leute nähten Masken oder kauften füreinander ein. Man nahm Rücksicht angesichts dieser großen und unbekannten Katastrophe, die sich Covid nannte. Wer krank war, blieb zu Hause. So einfach war es.

Doch inzwischen ist alles wieder wie vorher: Jeder ist sich selbst der Nächste. Und ob ich mit meinen Viren gerade anderen den Neustart im Job, den anstehenden Urlaub oder andere wichtige und schöne Ereignisse versaue: scheißegal! Vielleicht sind gar nicht die Viren das Ekelhafteste – sondern diese Einstellung, an die sich viele Menschen auch in Berlin inzwischen wieder gewöhnt haben. Sie widern mich an – und damit meine ich nicht nur ihre Rotznasen.

Schicken Sie uns Ihre Meinung zum Erkältungswahnsinn

Was halten Sie von Menschen, die völlig krank in der U-Bahn unterwegs sind und andere anstecken? Und wie gehen Sie mit Infekten um? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!