„Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder in meinem Beruf arbeiten würde.“ Wenn Nataliia über ihre ersten Monate in Berlin spricht, klingt noch immer etwas von der Unsicherheit durch, die sie nach ihrer Flucht aus der Ukraine begleitet hat. Die 34‑jährige Kindheitspädagogin kam 2022 mit einem Koffer, ihrer Tochter – und der Angst, dass ihr berufliches Leben für lange Zeit stillstehen würde.
Immer mehr Ukrainer finden einen Job
Heute steht sie jeden Morgen in einer Kita in Spandau, begrüßt Kinder, plant Projekte, liest vor, tröstet, lacht. Und sie sagt: „Ich spüre, dass ich angekommen bin.“
Nataliia ist eine von inzwischen 22.900 Ukrainerinnen und Ukrainern, die in Berlin arbeiten. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs zeigt sich: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und anhaltendem Zuzug gelingt vielen Geflüchteten der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit hat sich seit Kriegsbeginn mehr als verdreifacht – ein Plus von 16.570 Menschen. Fast 90 Prozent von ihnen arbeiten sozialversicherungspflichtig.
Deutsche Bürokratie und viele Hürden
Allein im vergangenen Jahr kamen 3.795 neue Beschäftigte hinzu. Gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Stelle, eine Ausbildung oder eine Selbstständigkeit beginnen – im Januar 2026 waren es 15,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Bei den acht wichtigsten Asylherkunftsländern lag der Anstieg bei gerade einmal 1,3 Prozent.
Doch der Weg in den Job ist oft kein Sprint, sondern ein Marathon. Das zeigt sich auch bei Nataliia. Ihr ukrainischer Abschluss wird in Deutschland nicht automatisch anerkannt. Also besucht sie einen Anpassungslehrgang, paukt Theorie, absolviert 100 Praxisstunden in einer Berliner Kita. „Manchmal war es überwältigend“, sagt sie. „Die Sprache, die Anforderungen, die Bürokratie.“ Was ihr geholfen hat: eine Beraterin im Jobcenter, die sie Schritt für Schritt begleitet hat.

Arbeit bedeutet Intregration
„Arbeit ist der wichtigste Integrationsmotor“, sagt Lutz Mania, Geschäftsführer des Jobcenters Berlin Mitte. Sein Ansatz: „Einstieg zum Aufstieg“ – also früh arbeiten, parallel Sprache lernen und Qualifikationen erweitern. „Wer im Alltag im Team steht, lernt schneller, knüpft Kontakte und gewinnt Selbstvertrauen. Die Integration macht Fortschritte, aber sie braucht Engagement von allen Seiten.“
Ganz ohne Herausforderungen geht es nicht. Die Berliner Jobcenter melden im Januar 2026 10.597 arbeitslose Ukrainerinnen und Ukrainer – ein Anstieg, der vor allem mit dem weiteren Zuzug zusammenhängt. Sprachkenntnisse, Anerkennungsverfahren und Kinderbetreuung bleiben zentrale Baustellen. Gleichzeitig steigt die Beschäftigungsquote kontinuierlich: von 23,8 Prozent im November 2022 auf 33,5 Prozent drei Jahre später.
Damit Integration gelingt, arbeiten Jobcenter, Unternehmen, Kammern, Bildungsträger und das BAMF eng zusammen. Für viele wie Nataliia ist diese Unterstützung entscheidend. Sie sagt: „Die Kinder geben mir jeden Tag so viel zurück. Ich arbeite daran, meinen Beruf hier ganz offiziell ausüben zu dürfen.“
Vier Jahre nach Kriegsbeginn zeigt Nataliias Geschichte, was möglich ist aber auch wie viel Arbeit noch vor Berlin liegt.
So ist die Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt
Grundsätzlich ist die Lage auf dem Berliner Arbeitsmarkt Anfang 2026 spürbar angespannt. Im Januar waren 228.031 Menschen in der Hauptstadt arbeitslos gemeldet – das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,7 Prozent.
Damit liegt Berlin deutlich über dem Bundesdurchschnitt und verzeichnet zugleich einen merklichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen ist weiterhin der Bereich der Grundsicherung: 149.646 Personen beziehen Leistungen nach SGB II. Trotz dieser Belastung zeigt der Arbeitsmarkt zugleich Bewegung – Beschäftigung wächst in einigen Branchen weiter, und Integrationsfortschritte, etwa bei ukrainischen Geflüchteten, setzen positive Akzente.




