Sechs Minuten reichen, um Hoffnung zu wecken – und Druck zu spüren. Livan Burcu steht erstmals für den 1. FC Union Berlin in der Startelf, hat die frühe Führung auf dem Fuß und erlebt sofort, was Bundesliga in Köpenick heißt. Beim 2:2 gegen Mainz schwankt sein Abend zwischen verpasster Chance, klarer Kritik und vielversprechenden Signalen.
Der Moment kommt früh. Nach feiner Vorarbeit von Vizekapitän Rani Khedira steht Livan Burcu in der sechsten Minute fünf Meter vor dem Tor völlig frei. Ein Kontakt, ein Abschluss – vorbei. Zentimeter fehlen. „Wir müssen da in Führung gehen. Wenn man so eine Chance aus fünf Metern nicht macht, wird es schwer“, ärgert sich Khedira auch 90 Minuten später nach Abpfiff.
Union-Premiere von Livan Burcu macht Hoffnung
Das klingt hart. Ist es auch. Aber es ist keine Abrechnung. Noch während der Ball ins Aus trudelt, klopft Khedira Burcu aufmunternd auf den Rücken. Führung heißt bei Union nicht streicheln, sondern fordern.

Für Burcu ist es trotzdem ein besonderer Abend. Er steht erstmals für den 1. FC Union in der Bundesliga in der Startelf – und er zeigt sofort, warum viele Experten große Stücke auf ihn halten. Der Deutsch-Türke fordert Bälle, sucht das Eins-gegen-Eins, zieht Tempo an. Technik statt Zufall, Mut statt Sicherheitsball. Kurzum: Kreativität, die Union so im Kader kaum hat.
Trainer Steffen Baumgart stärkt Livan Burcu den Rücken
Gerade deshalb fällt die vergebene Großchance doppelt ins Gewicht. Union dominiert die Anfangsphase, lässt Mainz aber leben – und zahlt später dafür. Doch Burcu versteckt sich nicht. Er dribbelt weiter, bietet sich an, reißt Räume auf. Fehler? Ja. Angst? Keine.

Trainer Steffen Baumgart hat Burcu nach seiner Sprunggelenksverletzung bewusst aufgebaut, ihn Schritt für Schritt als Joker herangeführt. Er stellt sich nach dem Spiel klar vor seinen Schützling: „Livan bringt einfach Qualität mit.“
Livan Burcu ist stolz, für den 1. FC Union zu spielen
Burcu selbst weiß, was dieser Abend bedeutet. Nach seinem Startelf-Debüt schreibt er bei Instagram: „Neues Jahr, erster Start. Stolz, diese Farben zu tragen. Danke, Union-Familie.“
Der Frankfurter träumt groß. Von der türkischen Nationalmannschaft. Von der Champions League. Wer so denkt, muss auch mit Kritik umgehen können. Der Rüffel von Khedira ist kein Makel. Er ist ein Zeichen. Burcu ist angekommen – nicht als Talent, sondern als Teil der Verantwortlichen.



