Eiskalt und respektvoll

Aua! Benedict Hollerbach legt Finger in Union-Wunde

Ex-Union-Star Hollerbach trifft für Mainz und zeigt gnadenlos, was den Eisernen fehlt: ein echter Torjäger.

Author - Sebastian Schmitt
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Respekt: Mainz-Stürmer Benedict Hollerbach will nach seinem Tor gegen den 1. FC Union nicht jubeln.
Respekt: Mainz-Stürmer Benedict Hollerbach will nach seinem Tor gegen den 1. FC Union nicht jubeln.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

Er kommt zurück – und trifft ausgerechnet dort, wo er einst gefeiert wurde. Benedict Hollerbach schießt den 1. FC Union Berlin bei seiner Rückkehr mit Mainz schmerzhaft an und legt den Finger genau in die Wunde, die den Eisernen seit Monaten wehtut. Union kämpft, leidet, rennt – und braucht am Ende wieder Standards, um sich zu retten.

Es ist einer dieser Momente, die wehtun, ohne brutal zu sein. Benedict Hollerbach (24) steht im Stadion An der Alten Försterei, dort, wo er einst gefeiert wurde – und schiebt den Ball ins Netz. 69. Minute, 0:2. Kein Jubel, keine Provokation. Nur ein stiller Stich ins Union-Herz.

Benedict Hollerbach kehrte mit Mainz nach Köpenick zurück und erzielte ein Tor gegen den 1. FC Union.
Benedict Hollerbach kehrte mit Mainz nach Köpenick zurück und erzielte ein Tor gegen den 1. FC Union.IMAGO/Uwe Koch

Hollerbach: „Innerlich explodiere ich natürlich, aber ich habe Union sehr viel zu verdanken. Aus Anstand habe ich nicht gejubelt, aber mich natürlich trotzdem gefreut.“

Hollerbach sticht Union ins Herz bei Rückkehr

Der Stürmer, der im Sommer für eine Basisablöse von elf Millionen Euro nach Mainz ging, trifft ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub erstmals in dieser Bundesliga-Saison. „Hier fällt es mir leicht. Ich hoffe, das war der Startschuss“, sagt Hollerbach. Neun Tore hatte er vergangene Saison für Union erzielt, sechs davon zu Hause. Tore, die Union heute fehlen.

Union-Abwehrchef Leopold Querfeld stoppt Ex-Kollege Benedict Hollerbach mit einer beherzten Grätsche.
Union-Abwehrchef Leopold Querfeld stoppt Ex-Kollege Benedict Hollerbach mit einer beherzten Grätsche.IMAGO/Uwe Koch

Denn Hollerbachs Treffer zeigt gnadenlos, was dem Team von Trainer Steffen Baumgart in dieser Saison fehlt: ein Angreifer mit Instinkt, mit Timing, mit Ruhe im Fünfmeterraum. Nach einem schnellen Angriff der Mainzer muss er nur noch den Fuß hinhalten. Einfach. Klar. Effektiv.

Ex-Star trifft – und zeigt Union die große Schwäche

Bei Union wirkt vieles komplizierter. Das beste Beispiel liefert erneut Andrej Ilic in der 79. Minute. Andras Schäfer lupft den Ball genial an die Latte, der Abpraller fällt dem Serben vor die Füße – doch Ilic trifft das leere Tor nicht. Baumgart: „Natürlich hätten wir uns alle gefreut, wenn er den Ball reinmacht. Er macht es vielleicht etwas zu kompliziert. Dennoch hat er wieder viel gearbeitet und wir hoffen alle, dass er sich bald belohnt.“

Dass Union trotzdem zurückkommt, ist typisch. Erst trifft Woo-Yeong Jeong zum 1:2 (77.), dann wuchtet mal wieder Verteidiger Danilho Doekhi nach einem Standard den Ball zum 2:2 ins Netz (86.), wenngleich Marin Ljubicic den Ball final über die Linie drückt.

Union rettet sich spät, doch im Sturm steckt der Wurm

Für Hollerbach und Mainz ist der späte Ausgleich extrem schmerzhaft. Wieder nur Remis. Das dritte im vierten Spiel unter Ex-Union-Coach Urs Fischer. Hollerbach: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Der Sieg wäre für den Spirit und das Momentum wahnsinnig wichtig gewesen. Am Ende ist ein Punkt zu wenig, wenn wir größtenteils ein gutes Spiel machen. Das tut extrem weh.“

Für Union ist das Remis dagegen gefühlt ein Sieg. Und dennoch zu wenig. Hollerbach zeigt seinem Ex-Klub, was möglich ist – und was fehlt.