0:2 aufgeholt

Fischer-Rückkehr wird zum Union-Drama

Die Eisernen erleben beim Wiedersehen mit Urs Fischer eine emotionale Achterbahnfahrt und retten gegen Mainz einen Punkt.

Author - Sebastian Schmitt
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Emotionen in Köpenick: Union-Coach Steffen Baumgart begrüßt Ex-Trainer Urs Fischer vor dem Anpfiff gegen Mainz.
Emotionen in Köpenick: Union-Coach Steffen Baumgart begrüßt Ex-Trainer Urs Fischer vor dem Anpfiff gegen Mainz.IMAGO/Matthias Koch

Der 1. FC Union Berlin rettet mit einem 2:2 (0:1) gegen den FSV Mainz 05 spektakulär einen Punkt. Doch das Ergebnis ist an diesem bitterkalten Sonnabend fast Nebensache. Alles dreht sich um Urs Fischer, der erstmals seit seiner Trennung nach Köpenick zurückkehrt – und ein Stadion voller Dankbarkeit, Wehmut und Kampfgeist erlebt.

Schon lange vor dem Anpfiff ist klar: Das hier wird kein normales Spiel. Schon am Morgen holt Fischer seine Union-Vergangenheit ein. „Beim Spaziergang haben mich viele Leute nett begrüßt“, verrät der Schweizer.

Union-Fans feiern vor Mainz-Spiel Urs Fischer

Als er die Alte Försterei betritt, branden Sprechchöre auf. Alte Weggefährten umarmen ihn, Präsident Dirk Zingler drückt ihn fest. Fischer nimmt die Brille ab, atmet tief durch. Er will das alles ausblenden. Es gelingt nur bedingt.

Wie früher: Union-Präsident Dirk Zingler und Urs Fischer vor dem Anpfiff in Köpenick.
Wie früher: Union-Präsident Dirk Zingler und Urs Fischer vor dem Anpfiff in Köpenick.IMAGO/Michael Taeger

Union beginnt entschlossen. Nach sechs Minuten liegt das 1:0 in der Luft: Levan Burcu steht nach feiner Vorarbeit von Rani Khedira frei, schiebt vorbei (6.). Es ist der Auftakt zu einer dominanten Phase der Eisernen, aber auch zu einem bekannten Problem: viel Aufwand, zu wenig Ertrag.

Union startet stark – und wird von Hollerbach bestraft

Mainz findet mehr und mehr Zugriff und geht nach einer halben Stunde in Führung: Aljoscha Kemlein verliert Nadiem Amiri aus den Augen. Der Nationalspieler steht blank und trifft aus zehn Metern zum 0:1. Fischer jubelt – zum ersten Mal in seinem Leben über ein Gegentor von Union.

Immer wieder Doekhi (M.): Der Verteidiger trifft zum 2:2 und rettet Union mit seinem fünften Saisontor einen Punkt gegen Mainz.
Immer wieder Doekhi (M.): Der Verteidiger trifft zum 2:2 und rettet Union mit seinem fünften Saisontor einen Punkt gegen Mainz.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Union antwortet wütend, kommt durch Burcu und Oliver Burke gefährlich vor das Tor, bleibt aber ohne Abschluss. Nach der Pause wird es zäh. Der gefrorene Rasen bremst jeden Spielfluss. Erst in der 60. Minute zwingt Burke Mainz-Keeper Zentner aus spitzem Winkel zur Parade.

Das Comeback beginnt: Jeong bringt Hoffnung zurück

Union-Trainer Steffen Baumgart reagiert, bringt Andras Schäfer und Ilyas Ansah (65.). Doch statt Aufbruch folgt der nächste Nackenschlag. Union verteidigt schlampig, lässt Räume, und ausgerechnet Benedict Hollerbach schiebt frei zum 0:2 für den Tabellenletzten ein (69.). Kurz darauf hat der Ex-Stürmer sogar die Entscheidung auf dem Fuß, scheitert an der Latte (73.).

Union wankt, fällt aber nicht. Ansah bringt Tempo, Köhn schickt ihn steil, Woo-Yeong Jeong trifft zum 1:2 (77.). Plötzlich bebt das Stadion. Schäfer lupft aus 25 Metern an die Latte, Andrej Ilic jagt den Nachschuss über das leere Tor (79.).

Doekhi rettet Union mit Kopfball-Kracher

Doch Union bleibt dran – und hat ja noch Danilho Doekhi: Nach einem Freistoß steigt der Innenverteidiger am höchsten und wuchtet per Kopf den Ball zum 2:2 unter die Latte – das fünfte Saisontor des begehrten Verteidigers. Eigentlich. Doch der Treffer wird Stürmer Marin Ljubicic zugesprochen, der den Ball final über die Linie drückt.

Ganz egal. Fakt ist: Am Ende fühlt sich dieser Punkt größer an, als er ist. Wegen Urs Fischer. Vor allem, aber wegen der gezeigten eisernen Moral. Baumgart: „Wir haben Mentalität und Laufbereitschaft gesehen, dafür steht Union. In diesem Stadion gibt es Feuer und knallharte Arbeit gegen den Ball. So haben wir aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht.“