Michael Wendler im Jahr 2019 auf einer Bühne.
Michael Wendler im Jahr 2019 auf einer Bühne. Imago/Noah Wedel

Michael Wendler hat es lange angekündigt: Er habe dem Sender AUF1 ein Interview gegeben und freue sich schon auf die Ausstrahlung. Nun war es so weit. 39 Minuten lang ist der Clip, indem sich der Verschwörungsideologe Michael Wendler mit dem ihm gleichgesinnten Stefan Magnet stets vage und mit einem verschwörerischen Unterton über die Corona-Pandemie und die Gas-Krise austauscht. Und dabei wird vor allem eines deutlich: Michael Wendler lechzt nach Anerkennung.

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Michael Wendler gibt rechtem Sender ein Interview

Zunächst einmal steigt Michael Wendler aber mit diesem Interview noch tiefer in die rechtsextreme Grube, die er seit seinem Outing als Corona-Leugner vor den Augen der Öffentlichkeit immer weiter betreten hat. War es im vergangenen Jahr noch das deutsche rechtsextreme Magazin Compact, dem der ehemalige Schlagersänger sein persönliches Sommerinterview war, war es nun der Online-Sender AUF1 aus Österreich.

Der wird von Stefan Magnet geleitet, der Mann, mit dem Wendler auch das Interview führte. Der wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als „relevanter Kopf der extremen Rechten“ bezeichnet. Laut der Süddeutschen Zeitung soll er in der Vergangenheit auch in Neonazi-Kreisen verkehrt haben. Das Interview mit Michael Wendler steht auch in dem Kontext, dass AUF1 derzeit versucht, in Deutschland immer mehr Fuß zu fassen und sein Angebot zu erweitern. Das wird im Gespräch auch sehr deutlich.

Michael Wendler sucht im Interview nach Anerkennung

Denn was Interview genannt wird, entpuppt sich sehr schnell für Michael Wendler und Stefan Magnet als quotenstarke Plattform, um ihre Agenda loszuwerden. Beim ehemaligen Schlagersänger bedeutet das: Er will endlich Anerkennung, zumindest vom AUF1-Moderator bekommt er die auch.

Zu Beginn des Gesprächs lässt Michael Wendler noch einmal Revue passieren, wie es dazu gekommen war, dass er im Oktober 2020 mit einem wirren Video seine Schlagerkarriere beendete und eine neue als Verschwörungsideologe begann. Er berichtete noch einmal davon, im ersten Lockdown aus dem Hotel geworfen worden zu sein, wo er mit seiner Frau Laura Müller während ihrer „Let's Dance“-Teilnahme wohnte. Er fühlte sich abgestoßen, alleingelassen, schilderte er und man wurde das Gefühl nicht los, dass diese persönliche Kränkung einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen hatte, dass Wendler völlig den Fokus verlor und sich auf Telegram einfache Erklärungen mit einem klaren Gut-Böse-Schema suchte, anstatt sich der komplexen Realität zu stellen.

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Und Michael Wendler, da machte er während des gesamten Gesprächs keinen Hehl draus, wähnt sich auf der guten Seite. Nicht verbergen konnte er auch, dass er sich nichts sehnlicher zu wünschen scheint, als dass die Menschen auch beginnen das so zu sehen. Es scheint, als würde der 50-Jährige wie einst mit seinen Songs oder seinen Trash-TV-Auftritten nun mit den von ihm verbreiteten Verschwörungsideologien nach dem Ruhm streben, der ihm seiner Meinung nach zusteht. Wendler sagte gar, er hoffe, dass im Herbst alles zusammenbricht – „damit die Leute endlich mal aufwachen“.

Michael Wendler behauptet, alle seine Prognosen seien eingetreten

So lässt sich Michael Wendler auch dazu hinreißen, dass er behauptet, dass jede einzelne seiner wirren, ängstlichen und alarmistischen Behauptungen auch wahr geworden sei. Doch diese These erscheint schon daher fragwürdig, da sich seine bekanntesten Prognosen definitiv als falsch herausstellten. So ist es schlicht falsch, dass die Corona-Impfung Aids verursacht, wie Wendler im März behauptete, und auch seine steile Prognose, dass im Herbst 2021 fast alle Geimpften tot sein werden, trat nicht ein.

Michael Wendler hat in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Verschwörungsmythen verbreitet.
Michael Wendler hat in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Verschwörungsmythen verbreitet. dpa/Rolf Vennenbernd

Besonders deutlich wird diese Mischung aus Ruhmsucht und persönlicher Kränkung, als Wendler darüber spricht, dass er nach seinem Outing als Verschwörungstheoretiker alle Aufträge verloren habe. Bis heute könne er nicht verstehen, dass es „keinen Aufschrei in der Gesellschaft gegeben habe“. Und Stefan Magnet bestätigt dieses Gefühl: Man habe ein Exempel statuieren wollen, sagte der.

Stefan Magnet als Stichwortgeber für Michael Wendler

Doch wann immer Michael Wendler wieder ein bisschen zu viel über sich redete, grätschte der rechte Medienmacher hinein, um als eine Art Stichwortgeber für die eigentliche Sache zu fungieren. Magnet setzte dann oft zu einem Monolog über „die Lügenpresse“, „die Corona-Lüge“ oder „den great reset“ an, den Michael Wendler dann bestätigen darf.

Einig scheinen sich die beiden darüber zu sein, dass die „Neue Weltordnung“ längst auf dem Weg ist, dass Corona der Anfang für alle schlechten Entwicklungen war und, dass es einen „heißen Herbst“ geben wird. Was die beiden damit meinen: Über die Energie-Krise wird es in Europa zu dramatischen Szenen kommen. Beide hoffen durchaus auf das schlimmste, damit sich ihnen letztendlich mehr Menschen anschließen.

Michael Wendler und Stefan Magnet: Uneinigkeit beim Thema Putin

Uneins scheinen sich Stefan Magnet und Michael Wendler hingegen beim Thema Putin. Während der AUF1-Moderator, der Sender soll laut Süddeutscher Zeitung auch aus russischen Kreisen finanziert werden, Putin als Bauernopfer der Neuen Weltordnung darstellt, hält Wendler es für möglich, dass Putin dort auch mitspielt.

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Auf diese kleine, nur kurz zutrage tretenden Meinungsverschiedenheit gehen die beiden aber nicht genauer ein und beenden das Interview schließlich mit zahlreichen Respektsbekundungen. In der Welt der Verschwörungstheorien, in der letztendlich so gut wie alles ausgedacht ist, macht das ohnehin keinen Unterschied.