Wahl in Baden-Württemberg

Weidel stichelt gegen SPD-Generalsekretär Klüssendorf im TV

TV-Spitze von AfD-Chefin Alice Weidel gegen SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf – während die Grünen in Baden-Württemberg ihren Wahlsieg feiern.

Author - Tobias Esters
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AfD-Chefin Alice Weidel und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf lieferten sich am Wahlabend in einer ARD-Diskussion einen kurzen Schlagabtausch.
AfD-Chefin Alice Weidel und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf lieferten sich am Wahlabend in einer ARD-Diskussion einen kurzen Schlagabtausch.Fabian Strauch/dpa; Soeren Stache/dpa

Der Wahlabend in Baden-Württemberg war nicht nur politisch spannend – er sorgte auch für einen kuriosen Wortwechsel im TV. Bei einer ARD-Diskussion zur Landtagswahl gerieten AfD-Chefin Alice Weidel und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf aneinander.

Spitze im TV zwischen Weidel und Klüssendorf

Nachdem Klüssendorf der AfD schwere Vorwürfe in der Steuerpolitik gemacht hatte, reagierte Weidel mit einem persönlichen Seitenhieb: „Sie haben ja gerade mal fünf Prozent eingefahren. Sie sind, glaube ich, von der SPD – ich habe Sie noch nie gesehen.“ Klüssendorf konterte gelassen mit einem Lächeln. Weidel legte nach: „Also von der SPD sind Sie, ja?“

Während im Studio die Fetzen flogen, spielte sich in Baden-Württemberg selbst ein politischer Krimi ab. Die Grünen haben die Landtagswahl mit 30,2 Prozent der Stimmen knapp gewonnen und damit die CDU überholt, die auf 29,7 Prozent kam. Über Monate hatte es nach einem sicheren Sieg der Christdemokraten ausgesehen. Erst kurz vor der Wahl schmolz ihr Vorsprung – am Ende reichte es für die Grünen zum knappen Triumph.

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir feiert am Wahlabend in Stuttgart den knappen Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir feiert am Wahlabend in Stuttgart den knappen Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.Bernd Weißbrod

Der große Gewinner des Abends ist Cem Özdemir. Der frühere Bundesagrarminister setzte im Wahlkampf stark auf seine Person und präsentierte sich bewusst als Landespolitiker mit eigenem Profil. Auf vielen Plakaten war nur er zu sehen, der Parteiname spielte eine Nebenrolle. Diese Strategie ging auf: Özdemir gelang es, über die eigene Partei hinaus Wähler zu erreichen und auch im direkten Vergleich mit CDU-Kandidat Manuel Hagel als glaubwürdigerer Regierungschef wahrgenommen zu werden.

SPD historisch schwach, AfD auf Rekordkurs

Für die CDU ist das Ergebnis dagegen besonders bitter. Lange hatte sie klar geführt, doch auf der Zielgeraden verlor der Wahlkampf an Fahrt. Zusätzlich sorgte ein acht Jahre altes Video für Diskussionen, in dem Hagel von einer Schülerin mit „rehbraunen Augen“ schwärmt.

Der Wahlabend brachte auch für andere Parteien schlechte Nachrichten. Die SPD stürzte mit 5,5 Prozent auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt ab und entging nur knapp dem Ausscheiden aus dem Parlament. Die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde und verliert damit weiter an politischem Einfluss. Die AfD konnte ihr Ergebnis hingegen deutlich steigern und kam auf 18,8 Prozent – ein Rekordwert für die Partei bei einer Landtagswahl in Westdeutschland.

Regierung wohl wieder Grün-Schwarz

Im neuen Landtag kommen Grüne und CDU auf exakt gleich viele Sitze. Vieles spricht deshalb dafür, dass die bisherige grün-schwarze Regierung fortgesetzt wird – allerdings unter neuen Vorzeichen. Özdemir sprach bereits von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“.

Auf der Wahlparty der Grünen in Stuttgart wurde der Sieg derweil ausgelassen gefeiert. Einige Wahlkampfhelfer verewigten den Abend sogar dauerhaft auf ihrer Haut: Ein Tätowierer stach kleine Brezel-Motive auf die Oberarme der Unterstützer. Die schwäbische Butterbrezel war im Wahlkampf immer wieder bei Terminen mit Özdemir verteilt worden und wurde im Laufe der Monate zum inoffiziellen Symbol der Kampagne.

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