Reformpläne

Krankschreibung ab dem ersten Fehltag: Wen es jetzt besonders hart trifft

Wer krank ist, soll schneller ein Attest vorlegen. Doch Kinderärzte und Krankenkassen warnen vor vollen Praxen und neuen Problemen.

Author - Stefan Doerr
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Ein plötzlicher Grippeschub - müssen Arbeitnehmer künftig trotzdem arbeiten?
Ein plötzlicher Grippeschub - müssen Arbeitnehmer künftig trotzdem arbeiten?Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Magen-Darm, Fieber, Grippe! Wer krank ist, kann nicht arbeiten und bleibt zu Hause. Doch genau das könnte künftig schwieriger werden. Die schwarz-rote Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen und verlangt künftig bereits am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest. Ärzte und Krankenkassen schlagen Alarm, und eine Bevölkerungsgruppe trifft der Reformschritt besonders hart.

Aus für telefonische Krankschreibung

Die schwarz-rote Koalition aus Union und SPD plant weitreichende Änderungen bei Krankmeldungen. Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden. Bislang müssen Arbeitnehmer ein Attest in der Regel erst ab dem vierten Tag vorweisen. Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung fällt weg.

Doch wie die neue Regelung konkret funktionieren soll, ist bislang offen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) räumte bereits ein, dass noch Klärungsbedarf besteht. Bei RTL/ntv sagte er: „Das müssen wir jetzt vernünftig gestalten, was da im Koalitionsausschuss vorgeschlagen wurde.“

Vor allem Familien mit kranken Kindern würde die Neuerung treffen.
Vor allem Familien mit kranken Kindern würde die Neuerung treffen.Sabine Gudath

Klingbeil verwies dabei auf Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die betont habe, dass niemand gezwungen werden solle, krank in eine Arztpraxis zu gehen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sorgte mit einer Aussage im ZDF eher für neue Fragen als für Antworten. „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben“, erklärte er.

Wie Beschäftigte diese Bescheinigung ohne Arztbesuch erhalten sollen, blieb allerdings offen. Zwar können Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen rückwirkend krankschreiben. Ein Rechtsanspruch darauf besteht jedoch nicht. Eine rückwirkende Bescheinigung ist zudem auf maximal drei Tage begrenzt und setzt voraus, dass die Krankheit nachvollziehbar bereits zuvor bestanden hat.

Kinderarzt Jakob Maske befürchtet durch die Reformpläne Schlimmes für Kinder.
Kinderarzt Jakob Maske befürchtet durch die Reformpläne Schlimmes für Kinder.Funke Foto Services/Imago

Böse Folgen der Reformpläne für Kinder

Vor allem Familien mit kranken Kindern könnten die neuen Reformpläne hart treffen. Darauf weist Jakob Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), hin. Eltern müssten Bescheinigungen für Kinder zwar schon heute ab dem ersten Krankheitstag vorlegen. Ohne telefonische Krankschreibung würden sie künftig aber „wegen jeder Bagatelle sofort in die Praxen rennen“, kritisiert er gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Noch deutlicher wird der Kinderarzt bei den möglichen Folgen für die kleinen Patienten: „Ein fieberndes Kind kann nicht mehr im Bett bleiben und sich auskurieren, sondern muss in schlimmstem Zustand durch die Gegend und in überfüllte Wartezimmer geschleppt werden. Das ist medizinischer Unsinn und eine enorme Belastung für die Familien. Es ist ein massiver gesundheitspolitischer Rückschritt.“

Auch von den Krankenkassen kommt Gegenwind. Die DAK-Gesundheit bezweifelt, dass die Pläne tatsächlich zu weniger Krankheitsausfällen führen werden. Stattdessen könnten Arztpraxen noch stärker belastet werden.

Krankenkassen warnen vor überfüllten Praxen

DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt: „Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steigert die Zahl der Arztkontakte und damit auch die Belastung der Beschäftigten in den Praxen.“ Und weiter: „In Kombination mit dem Zwang zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag drohen überfüllte Hausarztpraxen.“

Damit steht die Regierung vor einem Problem: Einerseits sollen strengere Regeln bei Krankmeldungen eingeführt werden, andererseits sollen Kranke offenbar nicht unnötig in die Arztpraxis geschickt werden. Wie beides zusammenpassen soll, ist bislang nicht beantwortet.

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