Die Zapfsäulen spielten am frühen Mittwochmorgen verrückt. Diesel kletterte infolge des Iran-Krieges in der Spitze auf 2,054 Euro pro Liter, wie der ADAC um 7.15 Uhr ermittelte.
Preise an den Zapfsäulen schwanken derzeit extrem
Die Preise aber schwankten extrem. Schon um 8.30 Uhr lag der bundesweite Durchschnitt wieder bei 1,991 Euro. Auch E10 zog kräftig an und markierte in der Spitze 1,995 Euro pro Liter.
Preise ziehen bereits seit Tagen deutlich an
Normalerweise gilt: Morgens ist Tanken oft mehr als 10 Cent teurer als am Abend. Der aktuelle Preissprung hat diese Regel zuletzt jedoch teilweise überlagert. Die Preiskurve schlägt hektisch aus.
Schon am Montag und Dienstag war der Preis stark gestiegen. Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch auf lange Sicht besser vergleichbar ist, lag am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10 und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel. Das waren 5,8 beziehungsweise 10,1 Cent mehr als am Montag, und 12,1 und 17,1 Cent mehr als am Freitag.

Heftige Kritik von der Politik an die Mineralölkonzerne
Ein weiterer Anstieg des Tagesdurchschnittspreises ist angesichts der aktuellen Zahlen wahrscheinlich. Dass Diesel die 2-Euro-Marke überschritt, war zuletzt im September 2022 passiert.
Angesichts der stark gestiegenen Preise für Benzin und Diesel gab es heftige Kritik an den Mineralölkonzernen. Die Linke forderte am Dienstag, Rekordgewinne abzuschöpfen. Die Grünen forderten das Bundeskartellamt auf, die Preissprünge zu untersuchen. Die CDU schloss einen Markteingriff zumindest nicht kategorisch aus. Die Energieindustrie verteidigte sich.
Tankstellenverband wirft Öl-Konzernen Erhöhung vor
Der Tankstellenverband, der die Interessen von Tankstellenpächter vertritt, warf den Öl-Konzernen vor, die Preise stärker zu erhöhen als nötig. Sie würden noch einmal „zwei bis drei Prozent“ auf die Preise aufschlagen, die sie selbst wegen des Kriegs mehr zahlen müssten, sagte Verbandssprecher Herbert Rabl.
„Die Preise an den Tankstellen werden weiter steigen. Ich befürchte, dies ist der Beginn einer Preisspirale“, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, der „Rheinischen Post“ vom Dienstag. „Es ist Aufgabe des Kartellamtes, zu prüfen, ob die Preissprünge gerechtfertigt sind.“
Es ist Aufgabe des Kartellamtes, zu prüfen, ob die Preissprünge gerechtfertigt sind.
Bundesregierung hält sich Maßnahmen offen
Linken-Chefin Ines Schwerdtner kritisierte, die Energiekonzerne würden auf Kosten der Verbraucher „Rekordprofite“ einstreichen. „Wir haben das nach dem Angriff auf die Ukraine schon erlebt: Öl- und Gaskonzerne machten massive Übergewinne in Milliardenhöhe, während viele Beschäftigte nicht wussten, wie sie ihre nächste Heizkostenabrechnung bezahlen sollen.“ Sie forderte eine Übergewinnsteuer.
Die schwarz-rote Koalition hält sich zumindest Maßnahmen zur Preisdämpfung offen. „Ich will da nichts ausschließen“, sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) in Berlin. Die Union werde die Lage beobachten und mit dem Koalitionspartner SPD weiter beraten.
Teurer Sprit: So sparen Autofahrer Kraftstoff
Auf Autofahrer kommen derweil harte Tage oder Wochen zu. Für Millionen Pendler und Urlauber heißt das: Augen zu und durch? Nicht ganz! Der ADAC gibt vier einfache Spartipps:
- Wer statt 160 nur 100 km/h fährt, spart bis zu 50 Prozent Sprit. Das kann auf 100 Kilometern fast sechs Euro Unterschied machen!
- Hohe Drehzahlen treiben den Verbrauch hoch. Besser: niedertourig und vorausschauend fahren.
- Schon 0,3 bar zu wenig kosten bares Geld.
- 100 Kilo Extra-Gewicht schlucken bis zu 0,3 Liter mehr auf 100 Kilometer.
Warum sind die Preise in den letzten Tagen explodiert?
Am Samstag war der Konflikt im Nahen Osten eskaliert. Seitdem ziehen die Preise für Sprit und Heizöl an. Eine entscheidende Rolle dabei spielt die Straße von Hormus, die als Reaktion auf die Angriffe für den Schiffsverkehr eingeschränkt ist. Durch dieses Nadelöhr vor Irans Küste läuft rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte.
Der Ölpreis und der Dollarkurs sind die wichtigsten Treiber für Veränderungen an der Zapfsäule. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie verweist außerdem darauf, dass der Nahe Osten als Lieferant von fertigem Kraftstoff derzeit teilweise ausfällt.
Lage bleibt für Verbraucher angespannt
Versorgungsengpässe drohen jedoch nicht: Deutschland bezieht Rohöl aus rund 30 Ländern, darunter Norwegen, USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.
Dennoch bleibt die Lage angespannt. Solange sich im Nahen Osten und in der Straße von Hormus keine Besserung abzeichnet, reagieren die Spritpreise besonders sensibel. Für Verbraucher heißt das: Sie werden zunächst weiter tief in die Tasche greifen müssen.






