Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (M, SPD) verlässt eine Kundgebung der Beschäftigten im Gesundheitswesen in Magdeburg. Dort hatte er sich mit ungeimpften Pflegekräften angelegt.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (M, SPD) verlässt eine Kundgebung der Beschäftigten im Gesundheitswesen in Magdeburg. Dort hatte er sich mit ungeimpften Pflegekräften angelegt. dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Für Diplomatie und Charme ist Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht eben berühmt, dafür aber für deutliche Worte und Streitlust. Das hatte Lauterbach am Mittwoch bei einer Demo der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bewiesen. Dort hatte sich der Gesundheitsminister frontal mit ungeimpften Pflegekräften angelegt, unter lautstarken Pfiffen von Demoteilnehmenden.

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„Ihre Arbeit hat keinen Beitrag geleistet“, sagte Lauterbach zu den Ungeimpften. „Diejenigen, die hier gegen die Impfung protestieren, haben dazu keinen Beitrag geleistet. Sie haben kein Recht, hier zu sein!“ Und damit nicht genug, der Gesundheitsminister fuhr fort: „Ich finde es einen Unverschämtheit, dass Sie noch die Stirn haben, eine Demonstration derjenigen zu missbrauchen, die gearbeitet haben!“

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Lauterbach-Zoff: „Ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehren und Rettungsdienste“

Nun bekommt Lauterbach kräftig kontra von der Feuerwehr-Gewerkschaft, die ebenfalls Rettungskräfte vertritt, die während der Pandemie extrem gefordert waren und weiterhin sein werden. Lars Wieg, Vorsitzender Feuerwehr-Gewerkschaft DFeuG Berlin Brandenburg, widerspricht Lauterbach deutlich: „Es ist nicht nur falsch, was der Gesundheitsminister da sagt, sondern auch ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehren und Rettungsdienste.“

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Weiter heißt es in einer Mitteilung der DFeuG von Freitag: „Alle, ganz unabhängig ihres Impfstatus, haben bis zum Umfallen gearbeitet. Sie taten das vor Corona und machen das auch jetzt, ob in Krankenhäusern oder im Rettungsdienst.“ Wieg weiter: „Wir erwarten keinen Kniefall, aber wir erwarten wenigstens Respekt für alle unsere Kolleginnen und Kollegen.“

Auch gegen eine „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ spricht sich die DFeuG nun deutlich aus. So heißt es in der Mitteilung von Freitag weiter, man sei „statisch in den Maßnahmen gefangen und schert sich nicht viel um neue Erkenntnisse“. So sollte sich „die Erkenntnis darüber, dass die Impfung aus heutiger Sicht einen Eigenschutz vor einem schweren Verlauf darstellen kann und von Prävention vor Übertragung keine Rede mehr ist, durchgesetzt haben“.

Feuerwehrgewerkschaft rät zum Impfen gegen Corona, lehnt die Impfpflicht aber ab

Der Landesvorsitzende betont: „Wir empfehlen eine Impfung, wie wir generell das Impfen empfehlen. Aber weder als Pflicht und schon gar nicht im indirekten Zwang!“ Zudem weiche die „Erzählung der nebenwirkungsfreien Impfung dem Eingeständnis, dass es durchaus Risiken gibt“. Eine „pauschale Risiko-Nutzen-Abwägung über alle Altersgrupppen zu formulieren ist bestenfalls vage und die Vehemenz der damaligen und heutigen Kommunikation hierzu beschädigt das Vertrauen in die Zielsetzung und Maßnahmen“, so Wieg weiter.

Die Sicht der Behördenleitung der Berliner Feuerwehr, die gesamte Behörde als „impfpflichtig“ zu identifizieren und die Verweigerungshaltung des Gesundheitsamtes, für Aufklärung zu sorgen, treibt nach Angaben des Feuerwehrmannes unterdessen „ganz andere Stilblüten“. Lars Wieg: „Diese Ausdehnung der Impfpflicht, ohne darauf einzugehen, was der Gesetzgeber gemeint haben könnte, führt zum Beispiel dazu, dass wir keine Kfz-Mechatroniker-Azubis einstellen, die nicht wenigstens ab Oktober dreifach geimpft sind“.