Naturschutz

Warum diese dänische Stadt ihre Straßen rot leuchten lässt

Eine Stadt bei Kopenhagen hat ihre Straßenlaternen auf Rot umgestellt – zum Schutz einer Tierart, die kaum jemand auf dem Schirm hat.

Author - Tobias Esters
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So könnte die rote Straßenbeleuchtung in Gladsaxe aussehen – zum Schutz der dort lebenden Fledermäuse (KI-generiertes Bild).
So könnte die rote Straßenbeleuchtung in Gladsaxe aussehen – zum Schutz der dort lebenden Fledermäuse (KI-generiertes Bild).Illustration/Berliner KURIER

Stellen Sie sich vor, Sie fahren nachts eine normale Straße entlang – und plötzlich leuchtet alles in tiefem Rot. Kein Unfall, kein Konzert, keine Disco. Eine dänische Stadt hat ihre Straßenlaternen tatsächlich rot eingefärbt. Und der Grund dafür ist so ungewöhnlich, dass man zweimal hinschauen muss.

Eine Fledermauskolonie mitten in der Stadt

Der Grund für die roten Laternen ist so einfach wie überraschend: Fledermäuse. An der Frederiksborgvej in Gladsaxe bei Kopenhagen lebt eine Fledermauskolonie, und die Stadt wollte bei der ohnehin fälligen Renovierung der Straßenbeleuchtung Rücksicht auf die Tiere nehmen. Laut einer offiziellen Pressemitteilung der Gemeinde Gladsaxe wurden an dem Straßenabschnitt sieben verschiedene Fledermausarten registriert. Besonders die Zwergfledermaus, die häufigste Art in der Region, reagiert empfindlich auf helles Licht.

Fledermäuse sind Nachtjäger, die auf dunkle Routen zwischen ihren Schlafplätzen und Jagdgebieten angewiesen sind. Helles Licht wirkt für viele Arten wie eine unsichtbare Mauer – sie meiden beleuchtete Flächen, weil sie dort leichter zur Beute werden. Eine Straßenlaterne kann so dazu führen, dass ihr nutzbarer Lebensraum schrumpft, ohne dass sich äußerlich etwas verändert.

Arbeiter installieren die neuen roten LED-Leuchten an der Frederiksborgvej in Gladsaxe – <a href="https://www.berliner-kurier.de/berlin/posse-in-blankenfelde-gleis-unterfuehrung-endet-halben-meter-von-strasse-entfernt-li.10032442"></a><a href="https://www.berliner-kurier.de/berlin/berlin-strassensperrungen-mittwoch-li.10037266"></a><a href="https://www.berliner-kurier.de/panorama/lidl-stellt-alle-3271-deutschen-filialen-um-das-aendert-sich-jetzt-li.10035083">das Projekt ist Teil eines größeren Umbaus</a> von rund 5000 Straßenleuchten.
Arbeiter installieren die neuen roten LED-Leuchten an der Frederiksborgvej in Gladsaxe – das Projekt ist Teil eines größeren Umbaus von rund 5000 Straßenleuchten.Foto: Gladsaxe Kommune

Dass rotes Licht für Fledermäuse verträglicher ist als weißes oder grünes, ist wissenschaftlich belegt. Ein Feldversuch des Netherlands Institute of Ecology aus dem Jahr 2017 zeigte, dass Fledermäuse im roten Licht genauso aktiv waren wie in völliger Dunkelheit. Weißes und grünes Licht hingegen schreckte viele lichtempfindliche Arten ab. Dazu kommt ein praktischer Nebeneffekt: Rotes Licht zieht weniger Insekten an als weißes – und hält die nächtliche Umgebung näher an ihrem natürlichen Zustand.

Rotes Licht als Signal und als Botschaft an alle Vorbeifahrenden

Lichtdesigner Philip Jelvard von Light Bureau, der das Projekt mitentwickelt hat, sieht im roten Licht mehr als nur eine technische Lösung. Laut der Pressemitteilung der Gemeinde Gladsaxe sagte er, das rote Licht solle Vorbeifahrende darauf aufmerksam machen, „dass hier ein besonderes Naturgebiet ist, das die Gemeinde schützen und erhalten möchte“. Die Umsetzung ist dabei durchdacht: Auf einem rund 650 Meter langen Abschnitt wurden 30 niedrige Leuchten installiert, die abwechselnd beleuchtete und dunklere Bereiche schaffen – so können die Tiere den Korridor passieren, ohne vollständig dem Licht ausgesetzt zu sein.

An Kreuzungen und Radwegen bleibt es bei warmem weißem Licht auf höheren Masten, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Das Projekt ist Teil eines größeren Umbaus: Gladsaxe tauscht insgesamt rund 5000 Leuchten aus, gefördert durch das EU-Programm Lighting Metropolis – Green Mobility.

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