Nach über 50 Jahren

„Mercedes des Ostens": Lada-Importeur in Deutschland insolvent

Der „Mercedes des Ostens" ist Geschichte – der deutsche Importeur in Buxtehude hat den Betrieb eingestellt, ein Käufer wurde nicht gefunden.

Author - Tobias Esters
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Ein Lada BA3 während einer Messe in Leipzig.
Ein Lada BA3 während einer Messe in Leipzig.imago/Ulrich Hässler

Für Millionen DDR-Bürger war er mehr als ein Auto. Der Lada war ein Statussymbol auf vier Rädern – der „Mercedes des Ostens", wie er im Volksmund hieß. Jetzt ist auch in Deutschland endgültig Schluss: Die Lada Automobile GmbH mit Sitz in Buxtehude hat den Betrieb eingestellt, zehn Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Kein Käufer gefunden – Betrieb seit März 2026 eingestellt

Bereits Ende Januar 2026 wurde über das Vermögen der Lada Automobile GmbH die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, wie das Fachmagazin kfz-betrieb.de berichtet. Das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Tostedt wurde am 29. Januar eröffnet. Trotz intensiver Suche fand sich kein Investor. „Ein Käufer für das seit längerer Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindliche Unternehmen konnte nicht gefunden werden", bestätigte der Insolvenzverwalter gegenüber kfz-betrieb.de. Im März 2026 stellte das Unternehmen endgültig den Betrieb ein.

Die Geschichte von Lada begann in den 1960er-Jahren, als in der Sowjetunion beschlossen wurde, ein Auto für jedermann zu bauen. Das Werk Wolschski awtomobilny sawod entstand zwischen 1966 und 1969 in der Oblast Samara – auf 634.000 Quadratmetern. Was dort vom Band lief, war zunächst eine modernisierte Version des Fiat 124, den die Sowjets seit 1970 bauten. Der Name „Lada" bedeutet auf Russisch so viel wie „die Geliebte" – angenehmer als der ursprüngliche Name „Schiguli", der sich an einem Wolgagebirge orientierte.

DDR-Eisprinzessin Katarina Witt ließ sich im Jahr 1988 in ihrem Lada ablichten.
DDR-Eisprinzessin Katarina Witt ließ sich im Jahr 1988 in ihrem Lada ablichten.Camera4/imago

In der DDR wurden die Fahrzeuge zum Mythos. „Mercedes des Ostens" nannten sie die Menschen, und das war keineswegs ironisch gemeint. Wer einen Lada hatte, hatte etwas. DDR-Eisprinzessin Katarina Witt ließ sich 1988 stolz in ihrem Lada ablichten. Insgesamt entstanden sieben Typen des Fahrzeugs, 17,3 Millionen Exemplare wurden gebaut.

50.000 Neuzulassungen im Jahr 1991

In Westdeutschland lief es in den Siebzigerjahren zunächst rund: Bis zu 12.000 Fahrzeuge setzte der westdeutsche Importeur pro Jahr ab, wie Oldtimer Markt berichtet. Ab 1978 baute der robuste Geländewagen Niva den Marktanteil weiter aus – beliebt bei Jägern, Förstern und Outdoor-Enthusiasten. Der absolute Höhepunkt kam 1991: Kurz nach der Wiedervereinigung wurden laut Oldtimer Markt sensationelle 50.000 Ladas in Deutschland neu zugelassen. Zeiten, die nicht wiederkehren sollten.

2019 zog sich Lada offiziell aus Westeuropa zurück – offiziell wegen EU-Abgasnormen, laut kfz-betrieb.de aber auch, weil der Mehrheitseigner Renault keine konzerninterne Konkurrenz für seine Budgetmarke Dacia duldete. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ab 2022 setzte den Schlusspunkt: Lieferwege brachen weg, Sanktionen taten ihr Übriges. 2024 wurden in Deutschland nur noch 33 Ladas neu zugelassen. 2025 waren es laut kfz-betrieb.de gerade noch drei.

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