Es gibt Momente, die das Ende einer Ära markieren. Dieser ist einer davon. Mehr als 75 Jahre nach dem ersten Serien-Saab endet im schwedischen Trollhättan ein letztes Kapitel Automobilgeschichte. Die letzten Fahrzeuge, die noch auf dem früheren Werksgelände stehen, werden jetzt versteigert – und damit verlassen sie den Ort, an dem Saab über Jahrzehnte Automobilgeschichte geschrieben hat.
Startgebot: null Kronen – die Auktion beginnt am 21. Mai
Vom 21. bis 30. Mai 2026 kommen acht Fahrzeuge über die schwedische Auktionsplattform Klaravik zum Verkauf – ohne Mindestpreis, mit einem Startgebot von null schwedischen Kronen. Angeboten werden sie von NEVS, kurz für National Electric Vehicle Sweden, der Firma, die 2012 nach der Saab-Insolvenz die Konkursmasse übernahm und einen Neustart als Elektroautohersteller versuchte – mit chinesischem Kapital und großen Plänen, die letztlich ebenfalls scheiterten. Günstig dürften die Fahrzeuge trotzdem kaum bleiben. Für Sammler geht es nicht nur um seltene Autos, sondern um ein Stück schwedische Industriegeschichte.
Unter den acht Autos sind drei Vorserienexemplare des Saab 9-3 und vier Prototypen von NEVS sowie vermutlich der einzige Hengchi-5-Prototyp, der in Schweden existiert. Die drei fahrbereiten Vorserienmodelle des Saab 9-3 aus dem Jahr 2014 zählen zu den letzten seriennahen Saab-Fahrzeugen überhaupt, mit Laufleistungen zwischen 18.000 und 59.000 Kilometern.

Saab hatte 1947 sein erstes Auto vorgestellt, zwei Jahre später begann die Serienproduktion in Trollhättan. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 10.000 Menschen im Werk. Die Marke wurde bekannt für Turbomotoren, eigenständige technische Lösungen und ein treues Publikum, das Saab bis heute nicht vergessen hat.
Von General Motors zu Spyker bis zur Insolvenz
1989 stieg General Motors bei Saab ein und übernahm den Hersteller später vollständig. Spätestens mit der Finanzkrise geriet Saab unter Druck. General Motors verkaufte die Marke 2010 an den niederländischen Sportwagenhersteller Spyker, doch schon ein Jahr später folgte die Insolvenz. 2012 übernahm NEVS die Konkursmasse und versuchte einen Neustart mit Elektroautos auf Basis des Saab 9-3.
Am 30. Mai, dem letzten Auktionstag, öffnet die ehemalige Saab-Fabrik noch einmal ihre Tore. Ab 10 Uhr können Besucher kostenlos die Fahrzeuge ein letztes Mal auf dem Werksgelände besichtigen, bevor sie Trollhättan endgültig verlassen. Für viele Saab-Fans dürfte das ein emotionaler Abschluss sein.



