Schlagerstar

Nino de Angelo gibt zu: „Ich hab wieder angefangen, ab und zu etwas zu trinken"

Der 62-Jährige spricht über seinen Kampf gegen COPD, die Flucht vor der Polizei und den Neustart in Italien.

Author - Tobias Esters
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Nino de Angelo mit seiner Partnerin Simone – er nennt sie seinen „Heimathafen".
Nino de Angelo mit seiner Partnerin Simone – er nennt sie seinen „Heimathafen".Weißfuß/Imago

Er ist 62, hat vier gescheiterte Ehen hinter sich, eine Insolvenz, einen Strafbefehl und eine Lunge, die eigentlich längst aufgegeben haben müsste. Und trotzdem sitzt Nino de Angelo da und lacht. In einem exklusiven Interview mit Ippen.Media zeigt sich der Schlagerstar so offen wie selten und so lebendig wie schon lange nicht mehr.

Pasta statt Songtexte

Am 12. Juni erscheint „Vivi la Vita", Ninos neues Album. Das Besondere: Im Booklet sucht man die Songtexte vergeblich. Stattdessen findet man 14 Pasta-Rezepte, eines für jeden Song. „Ein Freund von mir betreibt mein Lieblingsrestaurant hier im Allgäu, das ,La Strada' in Kempten, und hat gerade selbst ein Kochbuch herausgegeben. Er hat mir seine Pasta-Rezepte überlassen, dazu die Fotos, und ich habe jedem Song ein passendes Pasta-Gericht zugeordnet", erklärt de Angelo.

Italien war schon immer mehr als eine Kulisse für de Angelo, es ist seine Herkunft, sein Herzblut. „Ich habe italienische Eltern und war kürzlich wieder in dem Dorf, wo meine Mutter geboren ist und mein Vater sie kennengelernt hat. Ich habe mich dort so wohlgefühlt, es zieht mich einfach wieder dorthin", erklärt er in dem Interview. Die Entscheidung ist gefallen: Gemeinsam mit seiner Partnerin Simone, ihrer Tochter und einem ganzen Tierpark aus Pferden, Hunden und Katzen will er spätestens nächstes Jahr auswandern. Das Ziel: ein Borgo in Umbrien, nahe Perugia, mit eigener Kapelle, Vermietungsmöglichkeit und Platz für Songwriter-Camps.

ino de Angelo bei einem Auftritt – der Schlagerstar spricht so offen wie nie über sein Leben.
ino de Angelo bei einem Auftritt – der Schlagerstar spricht so offen wie nie über sein Leben.N. Kubelka/Future Image/Imago

Wer de Angelo zuhört, wundert sich, dass er noch auf der Bühne steht. COPD seit 2016, mehrere Herzoperationen, ein Ruhepuls von 90. Und er raucht noch, zehn bis fünfzehn Zigaretten am Tag. „Auf der Bühne merke ich von der COPD ehrlich gesagt gar nichts, da habe ich so viel Adrenalin, dass es mich gar nicht stört. Ich singe zwei Stunden am Stück, und das ist eigentlich auch gut für die Lunge, weil es echtes Training ist", sagt er. Beim Lungenfacharzt gab es zuletzt sogar gute Nachrichten: Seit der Diagnose hat sich sein Zustand nicht verschlechtert, er ist noch immer in Stadium I. Kein Wunder, dass er sich selbst als „medizinisches Wunder" bezeichnet.

Beim Thema Alkohol ist de Angelo genauso offen. „Ich habe Hypnose gemacht, ja. Ich habe allerdings wieder angefangen, ab und zu etwas zu trinken", gibt er zu. Ganz abstinent ist er nicht mehr, aber er versucht sich zu maßregeln. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Nüchtern betrachtet war ich besoffen besser."

Verfolgungsfahrt, Panikattacke und 50.000 Euro Strafe

Anfang des Jahres machte ein Strafbefehl Schlagzeilen: Ein Jahr Fahrverbot, 50.000 Euro Geldstrafe nach einer Verfolgungsfahrt mit der Polizei. De Angelo erklärt, was damals passierte. „Ich hatte zuvor eine halbjährige Alkohol-Abstinenzphase hinter mir. Dazu nehme ich seit zwölf Jahren Psychopharmaka, damit ich nicht in Depressionen falle, und die Dosierung hatte sich erhöht." Als plötzlich Polizeifahrzeuge hinter ihm auftauchten, habe er eine Panikattacke bekommen und sei aufs Gas getreten. „Panikattacken sind wirklich schlimm – man sieht alles doppelt und dreifach, es fühlt sich an wie ein Herzinfarkt."

Vier Ehen, vier Scheidungen. Wird Simone Ehefrau Nummer fünf? „Es ist möglich, aber um sicherzugehen, dass es nie wieder eine fünfte Scheidung gibt, heirate ich lieber nicht. Das ist die sicherste Methode", sagt de Angelo mit entwaffnender Ehrlichkeit. Was er über seine Partnerin sagt, klingt trotzdem nach großer Liebe: „Simone ist mein Heimathafen. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne sie tun würde. Sie hat mein ganzes Comeback mit aufgebaut, ich habe selten einen Menschen getroffen, der so hinter einem steht."

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