Der neue Bericht „Bildung in Deutschland 2026“ zeigt: Erstmals werden auch in Westdeutschland weniger Kinder unter drei Jahren betreut. Weniger Kinder in Kitagruppen, weniger Schüler in den Klassen – das klingt nach Entspannung im überlasteten Bildungssystem. Doch ein neuer Bericht zeigt: Der Geburtenknick ändert viel, löst aber kaum ein Problem.
Weniger Kinder in Kitas – Trend kippt jetzt auch im Westen
Der Bericht „Bildung in Deutschland“ erscheint seit 20 Jahren alle zwei Jahre als umfassende Bestandsaufnahme von der Kita bis zur Hochschule und als Handlungsgrundlage für Bund und Länder.
Die diesjährige Entwicklung ist deutlich: Es kommen weniger Kinder nach und es ziehen auch weniger Menschen nach Deutschland als in den vergangenen Jahren.

Damit steht die nächste Veränderung auch schon fest: Ab dem Schuljahr 2027/28 rechnen Fachleute mit sinkenden Schülerzahlen an den Grundschulen. Das klingt erst mal nach Entlastung für Lehrer und Plätze – doch genau das wird laut dem Bericht nicht passieren.
Denn: Auch wenn insgesamt weniger Kinder da sind, steigt der Bedarf pro Kind weiter. In Kitas etwa nehmen anteilig mehr Familien einen Platz in Anspruch. „Weiterhin bestehen insbesondere für unter Dreijährige Betreuungslücken“, heißt es in dem in Berlin vorgestellten Bericht „Bildung in Deutschland 2026“.
Ganztagsbetreuung bringt neue Baustelle
Konkret heißt das, dass die sogenannten Beteiligungsquoten steigen. Mehr Kinder eines Jahrgangs gehen also tatsächlich in Betreuung. Auch in den Schulen sorgt das Thema für Druck: der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Der Bedarf der Eltern ist hoch – und bleibt es auch. Weiterhin fehlen viele Plätze. Der Bericht macht deutlich: Selbst bei sinkenden Schülerzahlen wächst der Aufwand für Betreuung und Personal.
Große Baustelle: Bildungschancen
Neben den neuen Zahlen legt der Bericht den Finger in eine bekannte Wunde: Bildungserfolg hängt in Deutschland weiterhin stark vom Elternhaus ab. Zugleich werden die Leistungen schwächer: Viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht mehr.

Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung bringt es auf den Punkt: „Zu viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzziele nicht.“ Das sei ein strukturelles Problem und eine klare Schwäche im Bildungssystem.
Hunderte Maßnahmen – aber Wirkung unklar
Bund und Länder versuchen gegenzusteuern: Allein zwischen 2024 und 2026 wurden mehr als 360 Maßnahmen gestartet, um Bildungsungleichheit zu verringern. Doch die Experten sagen auch: Das reicht nicht. Es fehlt an Abstimmung und klaren Zielen.


