Richtig oder unfair?

Kein Zutritt mehr! Neue Freibad-Regeln treffen Kinder im Sommer hart

Immer mehr Bäder verschärfen die Zugangsregeln für Kinder. Was steckt dahinter und was steht dem Badespaß im Sommer im Weg?

Author - Florian Thalmann
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Für Kinder ist der Besuch im Freibad purer Spaß. Wer allerdings nicht sicher schwimmen kann, darf ohne Begleitung der Eltern inzwischen in immer mehr Sommerbädern nicht mehr rein.
Für Kinder ist der Besuch im Freibad purer Spaß. Wer allerdings nicht sicher schwimmen kann, darf ohne Begleitung der Eltern inzwischen in immer mehr Sommerbädern nicht mehr rein.Daniel Scharinger/imago

Die Temperaturen steigen – und viele Menschen in Deutschland dürfte es angesichts der Hitze rund um die Pfingsttage jetzt schon in die Freibäder ziehen. Doch Kinder, die sich abkühlen wollen, haben inzwischen in immer mehr Bädern das Nachsehen: In vielen Freibädern werden ohne Begleitung der Eltern nur noch bestimmte Kinder reingelassen. Jene nämlich, die bereits das Schwimmabzeichen in Bronze nachweisen können. Der Hintergrund ist traurig: Immer weniger Kinder können schwimmen.

Kinder dürfen nur mit Abzeichen allein ins Freibad

Einen Tag im Freibad mit Freunden verbringen – das geht für Kinder, die noch nicht schwimmen können, in einigen Freibädern inzwischen nur noch in Begleitung Erwachsener. Während es laut Badeordnung in Berlin nur eine erwachsene Begleitperson braucht, wenn das Kind unter acht Jahre alt ist, dürfen Kinder ohne Begleitung in manchen Bädern in NRW nur rein, wenn sie schon das Schwimmabzeichen in Bronze haben.

Kein Witz: Im Freibad in Verl südlich von Bielefeld dürfen Kinder nur noch rein, wenn sie das Abzeichen vorweisen können – wenn nicht, muss eine Aufsichtsperson dabei sein. „Sicher schwimmen zu können, ist die Grundlage für unbeschwerten Spaß im Wasser“, heißt es in einer Erklärung der Stadtverwaltung.

„Daher gilt ab dieser Saison eine neue Einlassregel, die für mehr Sicherheit im Bad sorgen soll: Ohne Begleitung einer erwachsenen Aufsichtsperson dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren das Freibad künftig nur noch besuchen, wenn sie das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze besitzen.“ Wer das Abzeichen noch nicht habe, könne es im Freibad ablegen.

Wenn die Freibäder zur Hochsaison voll sind, wird es auch für den besten Bademeister schnell unübersichtlich.
Wenn die Freibäder zur Hochsaison voll sind, wird es auch für den besten Bademeister schnell unübersichtlich.Daniel Karmann/dpa

Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund. „Wir beobachten in den letzten Jahren jedoch leider immer öfter, dass grundlegende Schwimmfähigkeiten nicht bei allen jungen Badegästen selbstverständlich sind“, sagt Björn Jann, der leitende Schwimmmeister des Bades. Das kann in der Freibadsaison schnell gefährlich werden – dann nämlich, wenn das Bad gut besucht und die Becken entsprechend voll sind. „Deshalb wollen wir nicht warten, bis etwas passiert, sondern präventiv handeln.“

Das muss man für das Schwimmabzeichen Bronze können

Der Ausweis für das Bronzeabzeichen muss am Einlass zusammen mit dem Schülerausweis vorgezeigt werden. Nur das Abzeichen an der Badekleidung reicht hingegen nicht aus. Stichprobenartig sollen am Eingang Kontrollen durchgeführt werden – allerdings so unkompliziert wie möglich, damit der Badespaß nicht beeinträchtigt wird.

Die Voraussetzungen für das Schwimmabzeichen in Bronze: Wer es ablegen will, muss die Baderegeln kennen, außerdem einen Kopfsprung vom Beckenrand wagen, 15 Minuten schwimmen, sich einen Sprung vom Startblock oder dem Ein-Meter-Turm trauen und einen Gegenstand aus dem zwei Meter tiefen Wasser holen können.

Für das Schwimmabzeichen in Bronze muss man auch einen Kopfsprung vom Beckenrand schaffen.
Für das Schwimmabzeichen in Bronze muss man auch einen Kopfsprung vom Beckenrand schaffen.Sebastian Gollnow/dpa

Das Freibad in Verl ist nicht das einzige Sommerbad, das so scharfe Regeln für die kleinen Besucher hat. Im Westfalenbad in Hagen gab es etwa 2024 und 2025 tödliche Badeunfälle, deshalb müssen Kinder ab sieben Jahren ohne Begleitung hier ebenfalls nachweisen, dass sie das Bronzeabzeichen haben. In Lippstadt dürfen Kinder erst ab zehn Jahren überhaupt allein ins Bad kommen – und bis zu einem Alter von 16 Jahren nur, wenn sie das Bronzeabzeichen vorweisen können.

Experten halten die Zugangsregeln für eine gute Idee

Experten von der DLRG und dem Bundesverband der Schwimmmeister halten das Vorgehen für eine gute Idee. „Das Bronzeabzeichen gewährleistet, dass die Kinder sicher im Schwimmen sind“, sagt etwa Schwimmmeister-Präsident Peter Harzheim.

Was halten Sie von den Zugangsregeln für Freibäder? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!