Die Armut in Deutschland – sie ist vor allem in den Großstädten überall zu sehen. An Bahnhöfen, etwa am Hauptbahnhof in Berlin, wird sogar mit Durchsagen vor „organisierten Bettelbanden“ gewarnt. Nun sorgt ein Facebook-Post von Carsten Müller (CDU) für Empörung: Der Politiker veröffentlichte im sozialen Netzwerk ein Bild eines Bettlers vom Hauptbahnhof in Köln – und kritisiert dessen Klamotten.
Darf ein Bettler Markenklamotten tragen?
Dürfen Bettler Markenklamotten tragen? Es ist die Frage, um die sich der Post des Braunschweiger Bundestagsabgeordneten Carsten Müller (CDU) dreht – und die nun heftig diskutiert wird. Schon vor zwei Wochen veröffentlichte er ein Bild auf Facebook, das einen offenbar jungen Mann zeigt, der in schicker Daunenjacke mit einem selbstgemalten Schild um Geld für Essen bettelt. „Auch so sieht Armut in Deutschland aus“, schreibt Müller zu dem Bild.
Dann analysiert er das Outfit des Bettlers. „Markenschuhe von Adidas, Jacke von Moncler, auf dem Pappschild steht ,BITTE FÜR ESSEN DANKE‘ und die Ansprache durch den Bettler erfolgt in sehr gebrochenem Deutsch.“ Das mache ihn „sehr ärgerlich“, schreibt er weiter – es sei „ein Schlag ins Gesicht für alle wirklich Bedürftigen und zeigt weiteren – allerdings differenzierten – Handlungsbedarf auf“.
Post über Bettler mit Markenklamotten sorgt für Zoff
Der Beitrag löste eine heftige Debatte aus – viele Nutzer stimmen der Beobachtung von Müller zu, andere kritisieren ihn dafür. So schreibt eine Frau, die in einer Hamburger Brennpunktschule arbeitet, dass junge Menschen Wert darauf legen, dass man ihnen „ihre Armut nicht sofort ansieht“.
„Dafür tun unsere Kids alles und jobben bis in die Oberstufe hart dafür, um sich letztere überhaupt leisten zu können“, schreibt sie. „Dieses Posting schürt Hass und stellt alle, die vermeintlich Markenkleidung anhaben, unter Generalverdacht und es unterstützt Parteien, die das Feuer weiter zu schüren wissen.“ Doch Müller hielt dagegen. Es sei kein „Kid“ gewesen, sondern ein Mann. „Und er behauptete, in diesem Aufzug im Land mit großzügigsten Sozialleistungen Geld für Essen haben zu wollen.“
Heftige Kommentare: Nutzer kritisieren Carsten Müller
Auch andere Nutzer sind mit Müllers Beobachtung nicht einverstanden. „Ich habe auch schon höherwertige Klamotten ans Sozialkaufhaus oder anderweitige Wohltätigkeitsorganisationen zur Weitergabe gespendet“, schreibt ein Mann. „Niemand, der es sich anders leisten kann, steht grundlos in der Scheißkälte und bettelt!“ Und einer fragt: „Herr Müller, kennen Sie die Geschichte dieses jungen Mannes? Wissen Sie, woher er die Kleidung hat? Wissen Sie, ob er satt ist oder Hunger hat?“ Man dürfe nicht öffentlich über jemanden urteilen.

Sind die Markenklamotten des Bettlers echt?
Ein Mann kommentiert: „Mir wäre ein solcher Beitrag dermaßen peinlich. Sie wissen NICHTS über den Mann und woher die Klamotten stammen. Ein Mindestmaß an Verstand und ein kleines bisschen weniger Vorurteil hätten Sie von Ihrem Beitrag abgehalten.“ Und eine Frau schreibt: „Dieser Post zeigt weiteren Handlungsbedarf bei dem Ersteller. Wie wäre es denn mit einem Praktikum in einer Notübernachtung oder beim Kältebus?“ Einige zweifeln außerdem an, dass die Jacke des Bettlers überhaupt eine echte Markenjacke ist – oder erklären, dass es solche Sachen auch regelmäßig in Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser schaffen.
Doch es gibt auch Unterstützung für Carsten Müller. „Es ist schon verwunderlich, dass es immer noch Leute gibt, die sich den gegenwärtigen Zustand in Deutschland schönreden können“, heißt es in einem Kommentar. Und eine Frau schreibt: „Sie haben ja so recht. Ich bewundere Ihren Mut, diese leidigen Tatsachen anzusprechen. Lassen Sie sich nicht unterkriegen!“




