Viele Deutsche verlassen sich auf sie für die Altersvorsorge. Doch für viele könnte sich das bitter rächen! Eine neue Studie des Vereins Finanzwende zeigt: Mit der Mehrheit der Riester- und Rürup-Renten gelingt Sparern nicht einmal ein Inflationsausgleich. Real drohen Verluste.
Verluste bei Riester trotz Reform
„Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren“, sagt Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz. Auch die geplante Riester-Reform der Bundesregierung werde daran wenig ändern – zumindest nicht in der derzeitigen Form.
Zwei Drittel der Angebote schaffen laut Studie nicht einmal zwei Prozent Rendite über die gesamte Vertragslaufzeit. Das gilt jedoch als Mindestziel, um die Inflation in Deutschland auszugleichen.

Für ihre Untersuchung analysierte Finanzwende die Rendite-Erwartungen für 37-jährige Musterkunden bei insgesamt 96 Rentenversicherungen – darunter 18 Riester- und 78 Rürup-Produkte. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: In rund zwei Dritteln der Fälle bleibt die Rendite unter zwei Prozent. Damit verlieren Sparer langfristig Kaufkraft.
Lohnend seien viele Verträge nur dann, wenn Versicherte ein sehr hohes Alter erreichen, sagt Studienautor Moritz Czygan. Im Schnitt müssten Riester-Sparer 99 Jahre alt werden, um zumindest ihr eingezahltes Geld inflationsbereinigt zurückzubekommen. Bei den untersuchten Rürup-Verträgen seien es immerhin noch 96 Jahre.
„Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit.“
Eigentlich sollte die staatlich geförderte Riester-Rente Menschen helfen, deren gesetzliche Rente später nicht ausreicht. Doch die Konstruktion der Produkte begrenzt die Renditechancen. Anbieter müssen garantieren, dass eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent erhalten bleiben – eine Sicherheit, die oft auf Kosten der Erträge geht.

Schon seit Jahren steht die Riester-Rente deshalb in der Kritik. Viele Verträge sind teuer, gleichzeitig stagnieren die Renditen. Die Folge: Die Zahl der Riester-Verträge sinkt. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium noch knapp 15 Millionen.
Die Bundesregierung will nun gegensteuern und plant eine Reform. Herzstück soll ein sogenanntes Altersvorsorgedepot sein, bei dem Sparer stärker am Kapitalmarkt investieren können. Anders als bei klassischen Riester-Verträgen wären hohe Renditen möglich – allerdings ohne Garantien.
Vorgesehen ist ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,5 Prozent. Doch auch daran gibt es Kritik. Finanzwende hält die Grenze für deutlich zu hoch. Der Verein fordert stattdessen einen Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent effektiver Kosten.
Ähnlich äußert sich der Sozialverband Deutschland. In Schweden etwa arbeite der staatliche Vorsorgefonds mit Verwaltungskosten von nur rund 0,1 Prozent, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
Zugleich erinnert sie daran, dass private Vorsorge nicht für alle möglich sei. „Nicht jeder aber habe Geld zum Sparen übrig. „Darum brauchen wir eine starke gesetzliche Rente.“



