Mit dem geplanten Start des staatlich geförderten „Altersvorsorgedepot“ im kommenden Jahr droht das Aus für das bisherige Riestersparen, es werden keine neuen Verträge mehr abgeschlossen. Für rund 15 Millionen bestehende Verträge stellt sich damit eine drängende Frage: weiter einzahlen, den Vertrag ruhen lassen oder ganz wechseln?
Riester-Verträge werden oft gekündigt
Zu teuer, zu unflexibel, zu wenig Rendite: Die Riester-Rente steht seit Jahren in der Kritik. Die Zahlen geben den Skeptikern recht. Von rund 20 Millionen abgeschlossenen Verträgen wurde inzwischen mehr als jeder vierte wieder gekündigt, wie das Bundesarbeitsministerium mitteilt.
Die Bundesregierung will das umstrittene Vorsorgemodell nun grundlegend umbauen. Die Riester-Rente wird einem Entwurf nach durch neue, flexiblere, renditenstärkere und kostengünstigere Produkte ersetzt. Wer „riester“, soll den Vertrag umwandeln können. Doch bis die Reform voraussichtlich 2027 greift, stehen Millionen Sparer vor der Frage: Was tun mit dem bestehenden Vertrag?

Kündigung kann richtig teuer werden
Vor allem für Riester-Sparer in der Ansparphase gilt: Eine vorschnelle Kündigung kann richtig teuer werden. Altersvorsorge-Experte Martin Klotz vom Portal Finanztip warnt eindringlich davor. „Zum einen müssen sie alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen“, sagt er. Im Schnitt seien das etwa 1900 Euro pro Vertrag. „Zum anderen behalten die Anbieter einen Teil des eingezahlten Geldes ohnehin, und zwar die Provisionen sowie die Verwaltungs- und Fondskosten.“ Für viele endet die Kündigung deshalb mit einem klaren Minus.
Riester-Verträge „ruhen“ lassen
Als deutlich schonendere Lösung gilt die Beitragsfreistellung („Ruhen lassen“). Dabei bleibt das angesparte Kapital erhalten, neue Einzahlungen pausieren jedoch. Staatliche Zulagen fließen in dieser Zeit ebenfalls nicht. Der Vertrag kann später jederzeit wieder aktiviert werden. Etwa wenn sich die Lebenssituation ändert und durch Kinder höhere Zulagen möglich werden. Nach der Reform sollen Sparer zudem ihr gesamtes Guthaben in neue Vorsorgeprodukte übertragen können. Und das kann sich trotz womöglich anfallender, voraussichtlich gesetzlich gedeckelter Wechselkosten lohnen.
Wer mit seinem bisherigen Vertrag zufrieden ist, kann diesen wie gewohnt weiter besparen. Merten Larisch, Experte für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Bayern, formuliert eine Daumenregel für einen rentablen Riester-Vertrag: „Wenn der Eigenbeitrag nicht höher als ein Drittel der eingezahlten Summe ist, lohnt sich das.“ Die übrigen zwei Drittel der Beiträge sollten aus staatlichen Zulagen kommen. Vor allem bei Geringverdienern mit mehreren Kindern kann diese Aufteilung zustande kommen, ein Wechsel in eines der neuen Modelle ist darum womöglich gar nicht rentabler.

Was gilt für Riester-Rentner kurz vorm Auszahlen?
Steht der Rentenbeginn unmittelbar bevor, kann Abwarten sinnvoll sein. Klotz rät, den Start der Auszahlphase hinauszuzögern, sofern finanziell möglich. „Sollte der Gesetzesentwurf in dieser Form umgesetzt werden, würde die Auszahlphase für Riester-Sparer deutlich flexibler und auch deutlich günstiger.“ Voraussetzung ist allerdings, dass das Geld nicht dringend benötigt wird, etwa um Versorgungslücken zu schließen.



