Die Krise bei der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik verschärft sich weiter. Die rund 150 Beschäftigten der insolventen Halberstädter Konserven GmbH sorgen sich nicht nur um ihre Arbeitsplätze, sondern kämpfen teilweise bereits mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Bei einer Mitarbeiterversammlung am Montag forderte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die rasche Auszahlung von Insolvenzgeld.
Kein Insolvenzgeld für Mitarbeiter
Nach Angaben aus der Belegschaft sind seit Mai keine Gehaltszahlungen mehr erfolgt. Auch Insolvenzgeld sei bislang nicht ausgezahlt worden. Die wirtschaftliche Situation bringt viele Beschäftigte inzwischen an ihre Belastungsgrenze.
Der Vorsitzende des Betriebsrats, Jens Fischer, schilderte die Lage gegenüber MDR Sachsen-Anhalt eindringlich: „Meine Frau hat heute das letzte Geld aufs Konto überwiesen, damit wir morgen die Abgaben zahlen können. Und dann ist Feierabend. Dann haben wir nichts mehr.“
NGG fordert Insolvenzgeld für die Beschäftigten
Die NGG hatte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Montagnachmittag zu einer Versammlung eingeladen. Danach erklärte NGG-Geschäftsführerin Katja Derer, dass den Beschäftigten für den Monat Mai Insolvenzgeld zustehe. Dieser Anspruch werde ihnen bislang jedoch nicht gewährt.

Für Juni sei zwar bereits Arbeitslosengeld gezahlt worden. Das verschaffe den Betroffenen zumindest etwas Luft. Dennoch seien zahlreiche Fragen offen. Den Beschäftigten gehe es etwa um den Umgang mit Urlaubsansprüchen und Überstunden. Außerdem herrsche Unsicherheit darüber, was mit der Differenz zwischen Arbeitslosengeld und dem eigentlichen Lohnanspruch für Juni sowie die folgenden Monate geschehe. Auch mögliche Kündigungen beschäftigten viele Menschen.
Schließung vom Standort Halberstadt droht
Nach Angaben der Gewerkschaft steht zudem die Schließung des Standorts in Halberstadt im Raum. Weder die Geschäftsführung noch die Insolvenzverwaltung der Halberstädter Konserven GmbH reagierten am Montag auf Anfragen des MDR. Laut NGG gibt es bislang lediglich unverbindliche Gespräche über einen möglichen Sozialplan.
Betriebsratsvorsitzender Fischer glaubt nicht mehr an eine Zukunft des Standorts. Seiner Einschätzung nach haben auch viele Beschäftigte innerlich bereits abgeschlossen. „So, wie es jetzt aussieht, da waren wir noch nie. Denn der Handel hat uns letztes Wochenende aus der Liste rausgenommen, also wir sind ausgelistet überall. Und wenn da schon nichts mehr ist, ist das das Ende.“
Insolvenzverfahren läuft, Produktion ruht
Die insolvente Gesellschaft gehört zum Unternehmensverbund der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik. Vergangene Woche gab das Amtsgericht Magdeburg grünes Licht für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Tochterfirma. Zu den nächsten Schritten gehört nun die Überprüfung der Gläubigerforderungen durch die Insolvenzverwalterin.
Dem eröffneten Verfahren war ein Insolvenzantrag des Unternehmens vorausgegangen. Anfang Juni setzte das Gericht bereits eine vorläufige Insolvenzverwaltung ein. In den Werkshallen wird derzeit nicht mehr produziert.


