Erhebliche Unterschiede

Die große Renten-Ungerechtigkeit: Welche Jahrgänge verlieren, welche gewinnen

Renten-Schock für viele Deutsche: Welche Jahrgänge besonders wenig Rente bekommen und wer zu den Gewinnern im Rentenlotto gehört.

Author - Stefan Henseke
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Die Bundesregierung will, dass wird länger arbeiten, die Rente später beginnt.
Die Bundesregierung will, dass wird länger arbeiten, die Rente später beginnt.Andreas Gebert/dpa

Die Bundesregierung schraubt an unserer Rente. Die Rente mit 63 soll abgeschafft werden, das Rentenalter Stück für Stück nach oben gesetzt werden. Viele fühlen heute schon, dass das schwer verdiente Ruhegeld im Alter nicht ausreicht. Besonders brisant: Einige Rentner-Jahrgänge zählen zu den großen Verlierern und erhalten deutlich niedrigere Bezüge, während andere von den Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte profitiert haben. Wer die höchsten Renten bekommt – und wen das Rentenlotto besonders hart trifft.

Renteneintritt mit 64,7 Jahren: Deutsche arbeiten länger als je zuvor

Die persönliche Rentenhöhe hängt auch von vielen Faktoren ab, die der Versicherte gar nicht beeinflussen kann. Von der wirtschaftlichen Entwicklung über politische Entscheidungen bis hin zu Rentenreformen.

Und Rentenreformen hatten in den letzten Jahrzehnten eigentlich nur eine Folge. Das, was rauskommt, wird immer weniger, die Lebensarbeitszeit verlängert sich – und der Renteneintritt wird immer weiter nach hinten rausgezögert.

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter ist bis zum Jahr 2024 auf 64,7 Jahre gestiegen – so hoch wie noch nie. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Vor 20 Jahren sah das noch ganz anders aus: 2004 gingen Frauen im Schnitt bereits mit 63,0 Jahren, Männer mit 63,1 Jahren in Altersrente. Seitdem ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter deutlich gestiegen.

Ein wichtiger Grund dafür ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre. Zudem laufen frühere Modelle der vorgezogenen Altersrente aus, die es vielen Versicherten ermöglicht hatten, bereits mit 60 Jahren in den Ruhestand zu wechseln.

Rentenniveau sinkt seit Jahrzehnten: Warum viele Rentner immer weniger bekommen

Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Personen ab 65 Jahren lag zuletzt bei 2080 Euro monatlich – davon kommen 92 Prozent aus Rente und Pensionen. Fünf Prozent des Einkommens stammten aus Einnahmen aus Vermögen, zwei Prozent aus Erwerbstätigkeit und ein Prozent aus Transferzahlungen (Grundsicherung im Alter).

Das Rentenniveau bleibt durch eine gesetzliche Haltelinie bis mindestens ins Jahr 2031 stabil bei 48 Prozent. Daran sollen auch die neuen Beschlüsse der Bundesregierung nichts ändern.

Doch seit Jahrzehnten schrumpft die Rente. In den 70er-Jahren lag das Rentenniveau vor Steuern noch bei 60 Prozent (1977), seitdem ist es im Sinkflug, sank 2012 auf unter 50 Prozent. Das Negativ-Jahr: 2015 wurde der Rekord-Niedrigwert von nur 47,7 Prozent verzeichnet.

Rentenlotto in Deutschland: Diese Jahrgänge sind die großen Verlierer

Und genau diese Jahrgänge, die 2015 sowie in den Jahren davor und kurz danach verrentet wurden, sind die großen Verlierer im Rentenlotto. Die Geburtsjahrgänge 1948 (Rentenbeginn: 2014), 1949 (Rentenbeginn: 2015), 1950 (Rentenbeginn: 2016) und 1952 (Rentenbeginn: 2018) sind laut Bundeszentrale für politische Bildung statistisch gesehen die Jahrgänge mit den niedrigsten Renten.

Jedes Jahr bekommt jeder einen Rentenbescheid. Vielen machen die geringen, in Aussicht gestellten Rentenhöhen Angst vor der Zukunft.
Jedes Jahr bekommt jeder einen Rentenbescheid. Vielen machen die geringen, in Aussicht gestellten Rentenhöhen Angst vor der Zukunft.Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Und genau diese Jahrgänge, die 2015 sowie in den Jahren davor und kurz danach verrentet wurden, sind die großen Verlierer im Rentenlotto. Die Geburtsjahrgänge 1948 (Rentenbeginn: 2014), 1949 (Rentenbeginn: 2015), 1950 (Rentenbeginn: 2016) und 1952 (Rentenbeginn: 2018) sind laut Bundeszentrale für politische Bildung statistisch gesehen die Jahrgänge mit den niedrigsten Renten.

Babyboomer profitieren: Wer heute die höchsten Rentenansprüche hat

Die höchsten Rentenansprüche in Deutschland hat derzeit die Babyboomer-Generation. Besonders Versicherte der Jahrgänge 1955 bis 1969. Sie profitieren häufig von langen Erwerbsbiografien, durchgehenden Beitragszeiten und vergleichsweise stabilen Einkommen.

Viele Babyboomer liegen sogar deutlich über der sogenannten Eckrente (45 Arbeitsjahre mit 45 Entgeltpunkten) – und haben sich dadurch überdurchschnittlich hohe Rentenansprüche erarbeitet.

Wende mit Folgen: Warum viele DDR-Bürger bei der Rente benachteiligt sind

Aber es gibt eine große Ausnahme: Denn diese Positiverwartung trifft auf viele ehemalige DDR-Bürger der Boomer-Generation nicht zu. Durch die Wende gab es hier große Brüche in den Erwerbsbiografien. Das heißt: Viele ehemals volkseigene Betriebe wurden dichtgemacht – und die Menschen wurden arbeitslos. Oft für viele Jahre. Und genau das sind die wichtigen Rentenpunkte, die heute fehlen, um auf eine anständige Rente zu kommen.

Zweite Ausnahme: Frauen, und da vor allen Dingen im Westen. In den ostdeutschen Bundesländern ist der sogenannte Gender Pension Gap, also der Unterschied der Rentenhöhe zwischen Männern und Frauen, am geringsten.

In der DDR haben Frauen meist Vollzeit gearbeitet, Hausfrauen waren die Ausnahme. Anders sah es in der alten BRD aus. Frauen arbeiteten weniger, oft in Teilzeit, kümmerten sich zuhause um Kinder und Familie. Mit jetzt fatalen Folgen für die Rente.