Bei Halberstädter Konserven spitzt sich die Lage weiter zu. Das Amtsgericht Magdeburg hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Tochtergesellschaft der traditionsreichen Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik eröffnet.
150 Mitarbeiter bangen um ihren Job
Für die rund 150 Beschäftigten bedeutet das vor allem Unsicherheit: Die Produktion steht still, die berufliche Perspektive am Standort Halberstadt ist offen. Am Montag soll eine Mitarbeiterversammlung Klarheit bringen.
Wie es für das Unternehmen weitergeht, ist offen
Die Gesellschaft hatte zuvor selbst Insolvenzantrag gestellt. Bereits Anfang Juni war eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet worden. Nun läuft das reguläre Verfahren. Zur Insolvenzverwalterin wurde die Magdeburger Rechtsanwältin Karina Schwarz bestellt. Sie prüft unter anderem die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Forderungen der Gläubiger. Welche Lösung am Ende möglich ist, bleibt vorerst offen.

Für die Belegschaft ist die Insolvenz ein tiefer Einschnitt. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten stand die Produktion bereits Anfang Juni still. Zudem sollen zunächst Lohnzahlungen ausgeblieben sein. Besonders bitter ist die Situation, weil die Marke Halberstädter in Sachsen-Anhalt weit mehr ist als ein gewöhnlicher Lebensmittelhersteller: Sie steht für regionale Industriegeschichte, ostdeutsche Konsumkultur und eine der bekanntesten Wurstmarken Deutschlands.
Finanzielle Lage des Unternehmens „extrem schwierig“
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten sich schon im Frühjahr abgezeichnet. Die Eigentümerfamilie um Seniorchef Ulrich Nitsch hatte im April mitgeteilt, den Produktionsbetrieb samt Marke verkaufen zu wollen. Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch beschrieb die Lage damals mit den Worten: „Die Liquidität ist extrem schwierig.“
Hintergrund der Krise sind gestiegene Energie-, Fleisch- und Personalkosten sowie ein stark umkämpfter und rückläufiger Markt. Auch strukturelle Veränderungen in der Branche setzen mittelständische Hersteller unter Druck.
Halberstädter wollte neue Märkte erschließen
Dabei hatte Halberstädter noch versucht, sich breiter aufzustellen. Geplant waren unter anderem neue Suppenprodukte, mehr Geflügelwürstchen, Brat- und Grillbratwürste sowie Halal-Produkte für Auslandsmärkte. Auch die Zusammenarbeit mit dem Münchner Feinkosthaus Käfer sollte neue Impulse liefern. Diese Pläne reichten jedoch offenbar nicht aus, um die finanzielle Schieflage dauerhaft zu stabilisieren.
Die Liquidität ist extrem schwierig.
Die Eigentümerfamilie warb im Zuge der Verkaufssuche auch mit den Möglichkeiten des Standorts. In der Mitteilung hieß es: „Da der Konservenbetrieb sehr leistungsstark und erweiterungsfähig ist, eignet er sich für die Bevorratung, eventuell Belieferung der Bundeswehr auch europaweit.“
Halberstädter prägte auch DDR-Geschichte
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1883 zurück. Friedrich Heine gründete damals in Halberstadt eine Würstchenfabrik, die später zu einem bedeutenden Fleischwarenbetrieb wuchs. 1896 präsentierte das Unternehmen Würstchen in Konservendosen – nach eigener Darstellung eine Weltneuheit. Deshalb gilt Heine bis heute als Erfinder der Dosenwurst.
Auch die DDR-Geschichte prägt die Marke. 1948 ging der Betrieb in Volkseigentum über und firmierte später als VEB Halberstädter Fleischwaren. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Unternehmerfamilie Nitsch 1992 den Betrieb und führte die Marke weiter. Zum Sortiment gehören neben Fleisch- und Wurstkonserven auch frische Produkte, Suppen und Fertiggerichte.




